Jack Wilshere

09. Februar 2011 18:39; Akt: 09.02.2011 18:39 Print

«Die Zukunft des englischen Fussballs»

Jack Wilshere hat alles, was ein Fussballer braucht: Tecknik, Tempo und Spielintelligenz. Und er ist Engländer, was die Erwartungen ins Unermessliche steigen lässt.

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Jack Wilshere (r.) und Theo Walcott: Sie sollen die «Three Lions» in eine goldene Zukunft führen. (Bild: Keystone)

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Englands «Golden Generation» um Frank Lampard, Steven Gerrard, John Terry, David Beckham und Michael Owen kommt so langsam in die Jahre. Auch Wunderstürmer Wayne Rooney konnte die «Three Lions» bislang zu keinem grossen Titel schiessen. So braucht das «Mutterland des Fussballs», das seit dem WM-Titel von 1966 den nächsten Triumph wartet, neue Hoffnungsträger.

Neben Theo Walcott taucht der Name Jack Wilshere derzeit am häufigsten in der englischen Presse auf. Der 19-jährige Mittelfeldspieler von Arsenal London wird im Test-Länderspiel gegen Dänemark zu seinem ersten Einsatz von Beginn an kommen. England-Trainer Fabio Capello hält grosse Stücke auf das Talent der «Gunners»: «Wilshere ist wirklich ein intelligenter Spieler. Seine Bewegung mit Ball und ohne hat sich sehr verbessert. In einigen Spielen war er Angreifer, dann wieder vor der Viererkette. Er wird für mich sehr wichtig sein», schwärmt der Italiener und fügt an: «Er ist die Zukunft des englischen Fussballs.»

«Anders als die anderen englischen Jungs»

Nicht nur Capello sieht in Wilshere den kommenden Superstar. «Jack ist anders als die meisten anderen englischen Jungs. Er hat alles, was ein Fussballer braucht, und ist technisch sehr beschlagen», weiss beispielsweise Liam Brady, Chef der of Arsenal-Jugendabteilung. Und Bolton-Trainer Owen Coyle glaubt: «Für eine so jungen Spieler ist er mutig, zäh, mental stark und einfach für Grosses bestimmt. Er ist ein totaler Fussballer. Er kann den Killerpass spielen, ein Tor erzielen oder beides miteinander verbinden.»

Der Teenager hat bislang eine Blitzkarriere hingelegt. Im Alter von neun Jahren begann Wilshere bei Arsenal, wo er den Weg durch die Klubakademie ging, ehe er im September 2008 gegen die Blackburn Rovers sein Debüt in der Premier League gab. Damit wurde er im Alter von 16 Jahre und 256 Tagen der jüngste Arsenal-Spieler, der je in der Liga gespielt hat. Die vergangene Saison verbrachte er auf Leihbasis bei den Bolton Wanderers, wo er sich so gut entwickelte, dass ihn Arsène Wenger sofort wieder zurückholte.

Wilshire muss sich selbst kneifen

Zurück bei den «Gunners» erkämpfte sich Wilshere schnell einen Stammplatz. In der Champions League wirbelte er zusammen mit Cesc Fàbregas, Samir Nasri, und Marouane Chamakh die Abwehrreihen von Sporting Braga (6:0) und Schachtjor Donezk (5:1) gehörig durcheinander und auch in der Liga kommt er regelmässig zum Einsatz. Trotz seiner starker Leistungen musste der Wilshere, der sein im August im Freundschaftsspiel gegen Ungarn sein Debüt für die «Three Lions» gab, im EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro die gesamte Partie von der Bank mitverfolgen. Verärgert hat ihn das nicht. «Ich musste mich selbst kneifen, als ich in der Umkleidekabine neben Rooney und Gerrard und den anderen gesessen bin», schilderte Wilshere sein zweites Nati-Erlebnis.

Gegen Dänemark darf er nun aber zum ersten Mal von Anfang an ran. Wilshere wird im zentralen Mittelfeld neben Frank Lampard spielen, der in Abwesenheit der Verletzten Rio Ferdinand und Steven Gerrard die Captain-Binde trägt. Wie er seinen jungen Nebenmann untersützten will, wurde der Chelsea-Stratege gefragt. «Ich glaube nicht, dass er auf dem Platz viel Hilfe brauchen wird. Er spielt momentan sehr beeindruckend», anwortete Lampard mit viel Respekt.

Bei Hangover lacht er sich kaputt

Die englische Presse hat die Lobeshymenen auf das 19-jährige Supertalent natürlich nur zu gerne aufgenommen und einen regelrechten Hype um Wilshere entfacht. Die Erwartungen sind riesig. Nervös macht das den Jungen, der plötzlich im Zentrum des Interesses steht, nicht. Auf seinem Twitter-Account erzählt er regelmässig von der Vorbereitung auf sein grosses Spiel. Am Dienstagabend hat er sich im dänischen Fernsehen das Testspiel zwischen Irland und Wales angesehen. Ohne Kommentar, des Dänischen sei er nicht mächtig, wie er verlauten liess. Und am Tag zuvor schaute er sich zum vierten Mal den Film «Hangover» an, bei dem er sich «immer wieder kaputtlachen kann».

Fussball und Komödien in der Freizeit: Scheint ein bodenständiger Typ zu sein, dieser Jack Wilshere. Bleibt nur zu hoffen, dass er trotz des ganzen Hypes um ihn nicht abhebt und sich an seinen Vorbildern Rooney & Co. orientiert, die zuletzt mehrheitlich neben dem Platz für Schlagzeilen sorgten.

(pre)