U21-Verteidiger Rossini

24. Juni 2011 09:31; Akt: 24.06.2011 11:00 Print

«Die besten zwei Jahre meines Lebens»

von Eva Tedesco, Hobro - Innenverteidiger Jonathan Rossini überzeugt an der U21-EM und gilt als Stützmauer des Schweizer Bollwerks. Momentan läuft für ihn alles bestens, doch das war nicht immer so.

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Jonathan Rossini und seine Frau Mariacarla, die ihren Schatz während der EM unterstützt und wegen Husky Damon den langen Weg nach Dänemark mit dem Auto zurückgelegt hat. (Keystone/AP)

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Die beste Offensive gegen die beste Defensive. Das Schweizer Bollwerk soll auch im Final am Samstag gegen Spanien halten. Innenverteidiger Jonathan Rossini ist bereit. Ausgerechnet Rossini. Am 3. März 2010 kam der Schlacks in St. Gallen überraschend zu seinem Debüt für die A-Nati. Gegen Uruguay absolvierte er vor der WM über 45 Minuten einen ersten Test. «Eher Junior als Mann», «überfordert», «offenbarte Schwächen im Stellungsspiel», «nervös und unsicher», urteilten die Medien vor gut 15 Monaten. Rossini verschwand von der Bildfläche. Doch jetzt ist er zurück in der Wahrnehmung der Schweizer Fans - und sorgt für hervorragende Stabilität.

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Am Spiel der Schweizer Equipe an der EM-Endrunde in Dänemark gibt es kaum etwas zu bemängeln. Die Stürmer treffen (7 Treffer/4 Spiele) und die Hintermannschaft hat in vier Spielen noch kein Gegentor kassiert. «Wir haben unseren Job ziemlich gut gemacht», sagt Timm Klose nach dem Halbfinalsieg gegen die Tschechen. Die Untertreibung des Jahres: Die Bilanz der Defensive ist makellos. Die Abwehrkette mit den Innenverteidigern Jonathan Rossini und Timm Klose, flankiert von Rechtsverteidiger Philippe Koch und Linksaussen Gaetano Berardi bilden eine regelrechte Festung.

Geht es nach Rossini, soll das auch am Samstag so bleiben und die Null bis zum Turnier-Ende stehen bleiben. Obwohl dem Verteidiger des Serie-B-Klubs Sassuolo (bei Modena) bewusst ist, dass es keinen ruhigen Abend für die Abwehrspieler geben wird. Denn Spanien hat mit 9 Toren die meisten Treffer erzielt (und nur zwei kassiert). Fünf hat allein Deportivo-Stürmer Adrian geschossen. «Ich kenne Adrian», so der Tessiner, «er ist ein Gladiator – ein grossartiger Fussballer und gefährlich im Sturm.» Aber allein Adrian in Schach zu halten, reicht nicht gegen die Tiki-Taka-Fussballer.

Klose musste viel einstecken

«Man weiss von den Stärken der Spanier, dass sie ein Team sind, das viel in Ballbesitz ist und den Ball viel und schnell laufen lässt. Aber wir haben auch unsere Qualitäten und müssen einfach unser Spiel machen und bis zur letzten Minute konzentriert bleiben.» Rossini vertraut auf die Mannschaft und vor allem auf seinen Partner in der Innenverteidigung.

Obwohl er die Schrecksekunden aus dem Spiel gegen Tschechien nicht vergessen hat. Zweimal musste Timm Klose nach rüden Attacken der unzimperlichen Tschechen versorgt werden. Erst am Knöchel und dann an der Schulter. Am Tag nach dem Spiel konnte Rossini über seinen Kumpel schon wieder Witze reissen: «Erst haben wir uns Sorgen gemacht, aber es geht schon. Ich denke, dass er auch mit einer kaputten Schulter und auf Krücken noch auflaufen würde.»

Die Stimmung ist am Donnerstag trotz dem bevorstehenden wichtigsten Spiel in der Karriere dieser jungen Profis aufgeräumt und locker. Und nicht nur wegen der unglaublichen Erfolgswelle, auf der die U21 aktuell schwimmt. «Die zwei Jahre bei der U21-Nati sind die besten meines Lebens. Und das Erreichen eines EM-Finals ist schlicht ein Traum», schwärmt Rossini. In diesen Jahren ist die Gruppe auch zu einer zusammengeschweissten Einheit geworden, die sich auf und neben dem Platz super versteht und miteinander Spass hat.

Es gibt nichts zu meckern

Ins Schwärmen gerät Rossini, wenn es um die Person von Trainer Tami geht. «Er ist aufrichtig, geradlinig und immer direkt bei seinen Aussagen. Er ist immer extrem gut vorbereitet und technisch und taktisch top, wie er mit uns arbeitet. Und er ist immer positiv. Da gibt es nichts zu meckern.» Gut vorbereitet will man auch am Samstag gegen Spanien antreten. Eine spezielle Vorbereitung hat Rossini aber nicht vor. «Ich versuche, mich gut zu erholen und ausreichend zu schlafen.»

Zweifel an einem für die Schweiz positiven Ausgang hat er nicht. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen können. Wir haben sehr viel Respekt vor den Spaniern, aber ich glaube, auch sie haben sehr viel Respekt vor uns.» Damit kann Rossini richtig liegen. Spaniens Trainer Luis Milla ist beim Schweizer Spiel gegen Tschechien in Herning wohl nicht umsonst auf der Tribüne gesessen und hat eifrig Notizen gemacht. Allerdings hat der ehemalige Barcelona- und Real-Mittelfeldspieler die Partie kurz nach Beginn der Verlängerung verlassen und den Traum-Weitschuss Mehmedis verpasst...