Ottmar Hitzfeld

13. Januar 2011 23:00; Akt: 13.01.2011 23:12 Print

«Dortmund muss schon sehr vieles falsch machen»

von Andy Huber - Naticoach Ottmar Hitzfeld (62) äussert sich zum Rückrundenstart der Bundesliga, zu seinem Team und zur Zukunft.

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Naticoach Ottmar Hitzfeld genoss über die Feiertage die Bergluft von Engelberg. (Nicolas Y. Aebi)

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Ottmar Hitzfeld, am Freitag startet die Bundesliga-Rückrunde mit dem Knaller Dortmund gegen Leverkusen. Werden Sie als Analyst von «Sky» vor Ort sein?
Ottmar Hitzfeld:
Nein. Ich werde die Partie am Fernseher verfolgen.

Aber mit einem Sieg wäre Ihr Ex-Klub, mit dem Sie 1997 Champions-League-Sieger wurden, kaum mehr zu stoppen?
Dortmund muss schon sehr vieles falsch machen, ja.

Glauben Sie, dass die sogenannten Grossen wie Bayern oder Schalke das Feld noch von hinten aufrollen werden?
Vieles hängt natürlich vom Start in die zweite Saisonhälfte ab. Ich traue den Bayern eine Aufholjagd zu, aber denke, dass es nicht mehr zum Titelgewinn reichen wird.

Konkret, wer holt die Schale – wer steigt ab?
Ich tippe auf Dortmund als Meister. In Sachen Abstieg wird es für Gladbach ganz eng. Aber in den Abstiegskampf sind noch acht Teams involviert. Und der Fussball ist ist ja auch deshalb so spannend, weil Mannschaften, die in der Krise sind, oft unglaubliche Schwächen zeigen. Das hat weniger mit der sportlichen Klasse, sondern vielmehr mit dem Kopf zu tun. Ich gehe aber davon aus, dass Wolfsburg und Bremen nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden, denn Sie haben eigentlich das Potenzial, um an der Spitze mitzuspielen.

Welchen Stellenwert hat Ihrer Meinung nach die Bundesliga im Vergleich mit den grossen Ligen?
Deutschland hat zusammen mit England und Spanien eine der drei Topligen Europas. Die Bundesliga hat die Serie A überholt, sportlich und wirtschaftlich. Sie setzt ja mittlerweile pro Saison zwei Milliarden Euro um.

A propos Serie A: Blerim Dzemaili zeigt bei Parma konstant gute Leistungen. Ist er in Ihrem Aufgebot für das Spiel am 9. Februar in Malta dabei?
Er steht unter permanenter Beobachtung. Darum weiss ich sehr genau, wie er spielt, und wie er in Form ist.

Was beschäftigt Sie vor diesem letzten Test vor dem wichtigen EM-Quali-Spiel in Bulgarien am meisten?
Die Partie am 26. März in Bulgarien ist das Spiel des Jahres für die Schweiz. Im einzigen Test gegen Malta geht es natürlich darum, das mögliche Kader zu sichten. Um so genauer verfolge ich jetzt die Vorbereitungsspiele und den Start jener Spieler ins neue Jahr, die ich im Auge habe.

Ihre unbestrittene Nummer 1 Diego Benaglio hat sich in der Hierachie bei Wolfsburg nach oben gearbeitet und steht sogar als Captain zur Diskussion. Wird er auch für Sie als Nachfolger vom abtretenden Alex Frei zum Thema – oder halten Sie an Gökhan Inler als künftigen Spielführer fest?
Mein Captain ist Alex Frei. Ich sehe derzeit keinen Anlass, mich mit der Captain-Frage zu beschäftigen.

Sie wurden am Mittwoch 62 Jahre alt. Hand aufs Herz: Denken Sie an den Ruhestand oder werden Sie ihren laufenden Vertrag bis 2012 vorzeitig mit dem SFV verlängern?
Ruhestand? Das ist noch weit weg! Meine Leidenschaft für den Fussball ist zu gross, mein Ehrgeiz grösser den je. Und ich habe mit der Schweiz noch hohe Ziele, die ich erreichen will.