Infantino verteidigt sich

07. November 2018 18:07; Akt: 07.11.2018 18:07 Print

«Es gibt nichts, wofür man sich schämen müsste»

Fifa-Präsident Gianni Infantino hat auf die gegen ihn gerichteten Vorwürfe der unkorrekten Amtsführung reagiert und sieht sich als Opfer.

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Ein halbes Jahr nach seiner Wahl zum Fifa-Präsident im Februar 2016 muss sich der Walliser als Spesenritter rechtfertigen. Ein Herz für den Fussball: Gianni Infantino fordert nach seiner Wahl alle Anwesenden auf, zum Wohle des Fussballs zusammenzuarbeiten. Etwas ungläubiger Dank an alle Anwesenden. Infantino, bis 2019 gewählt, kann sein Glück kaum fassen. Er will, dass der Fussball wieder ins Zentrum rückt. Gianni Infantino bei seiner Antrittsrede als neuer Fifa-Präsident. Faire Gratulation nach hartem Wahlkampf: Scheich Salman beglückwünscht Gianni Infantino, den neuen mächtigsten Mann im Weltfussball. Hier schaut er noch skeptisch, aber wenige Minuten danach kann er jubeln: Gianni Infantino ist neuer Fifa-Präsident! Er erhielt im zweiten Wahlgang 115 Stimmen, gegenüber den 88 von Scheich Salman! Infantino konnte in seiner Kampagne auf prominente Supporter zählen. Hier bei einer Veranstaltung in London am 1. Februar mit Fabio Capello (links), Jose Mourinho (Mitte) und Luis Figo (rechts). Die Annäherung: Infantino nimmt beim Ballon d'Or im Januar in Zürich schon einmal Mass vor seinem neuen Logo. Vor der Euro 2008, damals noch Interimsgeneralsekretär, posiert Infantino mit SRG-Direktor Armin Walpen nach der Unterzeichnung des TV-Vertrags. Sein letzter Auftritt für die Uefa, beim Treffen des europäischen Kontinentalverbandes am Tag vor seiner Wahl zum Fifa-Präsidenten. Nur weil Uefa-Präsident Michel Platini gesperrt wurde, trat Infantino überhaupt zur Wahl an. Die beiden verbindet ein herzliches Verhältnis. Der Master of Ceremonies: Hier zusammen mit Luis Figo bei einer Europacup-Auslosung. Bei seiner letzten Auslosung, Mitte Dezember, im Gespräch mit Alex Frei. Infantino sieht sich Anfang November 2018 mit harten Vorwürfen konfrontiert. Football Leaks zeigt, wie der Fifa-Präsident hinter den Kulissen seine selbst gesetzten Ziele hintertreibt und die Regeln der Uefa und der Fifa verbiegt. Die Fifa weist die Vorwürfe vehement zurück.

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Der 48-jährige Walliser Fifa-Präsident Gianni Infantino sieht sich als Zielscheibe unsachlicher Kritik. In der vergangenen Woche hatte ein europäisches Journalistennetzwerk unter Berufung auf Dokumente der Plattform «Football Leaks» über unangemessene Einflussnahme Infantinos auf den Ethikcode der Fifa berichtet.

Ein Team des Recherchedesk von Tamedia und «Das Magazin» wirkte an den Enthüllungen als Schweizer Partner mit. Auch soll Infantino in seiner Zeit als Uefa-Generalsekretär Absprachen mit den Topclubs Paris Saint-Germain und Manchester City im Zuge der Ermittlungen wegen Verstössen gegen das Financial Fair Play (FFP) getroffen haben.

Verhandlungen im im Interesse der Uefa

«Es gibt nichts, wofür man sich schämen müsste», erklärte Infantino nun gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa zu den Verhandlungen mit Vertretern der Vereine im Jahr 2014. Diese Form der Verhandlungen sei im Interesse der Uefa gewesen. «Wir wollten die Clubs im Wettbewerb halten und sie nicht ausschliessen», so Infantino weiter. Das habe für alle 30 FFP-Fälle gegolten und nicht nur für die Topclubs aus Paris und Manchester. Bis zu 50 Personen seien in die Verhandlungen einbezogen gewesen. «Da kann man nichts in Hinterzimmern regeln», erklärte Infantino.

Der Walliser sieht sich als Opfer einer kontinuierlichen Diffamierungskampagne und streitet jedes Fehlverhalten entschieden ab. «Wenn es um die Fifa geht, gibt es keine illegalen Aktivitäten», sagte der Chef des Weltverbandes. In seiner Amtszeit sei «kein einziger Franken verschwunden». Seit seinem Amtsantritt im Februar 2016 werde versucht, ihn in Misskredit zu bringen.

«Sehe da nichts Merkwürdiges»

Die umstrittene Kommunikation mit dem Chef der rechtsprechenden Ethikkammer, Vassilios Skouris, in der er Vorschläge für den neuen Ethikcode gemacht hatte, bezeichnete Infantino als normalen Vorgang. «Ich sehe da nichts Merkwürdiges», betonte Infantino, der am 6. Juni beim Fifa-Kongress in Paris für eine zweite Amtszeit gewählt werden möchte.

Beim Treffen des Fifa-Councils im März in Miami will Infantino die heftig kritisierte, allerdings nicht auf seine Anordnung hin vorgenommene Streichung des Begriffs «Korruption» als ahndungswürdiges Vergehen aus dem Ethikreglement rückgängig machen. «Ich werde den Vorschlag einbringen, um ein klares Signal zu senden», sagte er.

48er-WM in Katar: Entscheid im März

In Florida werden laut Infantino diverse wegweisende Entscheide getroffen. Eine mögliche Aufstockung auf 48 WM-Teilnehmer schon beim Turnier 2022 in Katar soll dann fixiert oder fallen gelassen werden. Die Wahrscheinlichkeit der Umsetzung der von ihm favorisierten Erweiterung um 16 Teams schätzt er aber als gering ein.

Zudem erwartet Infantino beim Meeting am 14. und 15. März auch einen Entscheid über das von ihm unterstützte Mega-Projekt zur Einführung einer neuen Club-WM und einer globalen Nations League. Die im Oktober in Kigali gegründete Task Force werde – mit ihm an der Spitze – bis dahin ihre Arbeit abgeschlossen haben.

(dmo/sda)