Marc Janko

16. November 2015 08:35; Akt: 16.11.2015 10:40 Print

«Es ist sehr unangenehm, gegen uns zu spielen»

von E.Tedesco & S. Compagno - Ein Länderspieljahr ohne Niederlage: Das ist nur ein Grund für FCB-Stürmer Marc Janko, das Prestige-Duell gegen die Schweiz gewinnen zu wollen.

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Im Sommer 2015 wechselt der Österreicher Marc Janko zum FC Basel. Der 32-Jährige unterschreibt einen Vertrag über ein Jahr plus Option. Beim Schweizer Branchenleader soll der grossgewachsene Stürmer den zurückgetretenen Marco Streller ersetzen, und zwar als Torschütze und als Leaderfigur. «Ehrlich, anständig, bodenständig»: Für seinen Trainer Urs Fischer findet Janko nur lobende Worte. Ein Torgarant ist Marc Janko auch in der österreichischen Nationalmannschaft. Auch dank seinen Toren - 25 in 50 Länderspielen - qualifiziert sich die ÖFB-Auswahl für die Euro 2016 in Frankreich. Bevor Janko zum FC Basel wechselt, verdingt er sich in der australischen Liga. Mit dem FC Sydney wird er australischer Vizemeister. Unglücklich verläuft sein Abstecher im Sommer 2012 in die Türkei zu Trabzonspor. Trainer Tolunay Kafkas verbannt ihn nach einem halben Jahr aus der ersten Mannschaft, ohne diese Massnahme näher zu begründen. Erst unter Kafkas' Nachfolger Mustafa Resit Akcay wird er wieder eingesetzt, wenn auch sehr unregelmässig. «Ein grosser Fehler» sei der Wechsel nach Trabzon gewesen, sagt Janko rückblickend. Mit 28 Jahren unterschreibt Janko im Januar 2012 beim FC Porto, wo er portugiesischer Meister wird. Trotzdem wird im Sommer ein neuer Stürmer verpflichtet: der Kolumbier Jackson Martinez. Der Verein teilt Janko mit, er werde nur noch die Nummer 2 in der Sturmspitze sein, man werde Martinez forcieren. Janko zieht die Konsequenzen und sucht sich einen neuen Club. Marc Jankos erster Club im Ausland ist Twente Enschede. 2010 wechselt der Stürmer in die holländische Ehrendivision. Mit Twente wird er 2011 holländischer Pokalsieger. Seine Karriere beginnt Marc Janko bei Admira Wacker Mödling. Im Sommer 2005 wechselt er zu Red Bull Salzburg, wo er in 108 Liga-Spielen 75 Tore erzielt. 2007, 2009 und 2010 wird er österreichischer Meister. Das Bild zeigt ihn 2009 in der Europa League gegen Lazio Rom und einen gewissen Stephan Lichtsteiner.

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Es gibt viele Gründe für die Österreicher, gegen die Schweiz siegen zu wollen. Zum einen würden sie ein Länderspieljahr erstmals seit 1996 ungeschlagen beenden, dann spielen sie im Fifa-Ranking um Platz 9. So gut wären die Ösis seit der Einführung der Weltrangliste 1993 noch nie dagestanden. Und dann ist da auch noch Marcel Koller, ihr Schweizer Trainer, der bis in die Haarspitzen motiviert ist und zeigen will, dass sein Team besser ist als seine Landsleute.

Umfrage
Gewinnt die Schweiz das Prestige-Duell gegen Österreich?
32 %
56 %
12 %
Insgesamt 463 Teilnehmer

Marc Janko, Sie spielen mit Österreich gegen die Schweiz. Welche Bedeutung hat dieses Testspiel für Sie?
Es ist «nur» ein Freundschaftsspiel. Aber natürlich wollen wir es gewinnen. «Nur» ein Freundschaftsspiel ist es jeweils für die Mannschaft, die verliert. Man kann sich von einem Sieg nichts kaufen, aber wir wollen ihn trotzdem.

Um Ihre Weltranglisten-Position vor der Schweiz zu rechtfertigen?
Nein, damit hat das nichts zu tun. Aber seit Marcel Koller bei uns am Ruder ist, gehen wir in jedes Spiel mit dem Ziel zu gewinnen. Egal, wie der Gegner heisst. Das muss für uns zur Selbstverständlichkeit werden. Zudem wollen wir uns von den Fans versöhnlich verabschieden, die uns super unterstützt haben in dieser EM-Qualifikation. Jedes Heimspiel in Wien war ausverkauft.

Diese Begeisterung ist für uns Aussenstehende nicht ganz nachzuvollziehen. Der Österreicher gilt ja als «Grantler», als sehr kritischer Mensch.
In Österreich ist es in der Tat so: Wenn der Erfolg da ist, ist die Begeisterung riesig. Aber beim ersten Dämpfer ist oftmals gleich alles schlecht. Momentan gibt es nicht viel zu jammern. Wir haben zuletzt fast immer gewonnen und wir haben uns erstmals für eine Europameisterschaft qualifiziert. Das ist für die Schweizer anders, für sie ist es ja schon fast zur Gewohnheit geworden.

Was macht Teamchef Marcel Koller anders als seine erfolglosen Vorgänger?
Zuallererst ist er ein guter Psychologe, der jeden Spieler so anspricht, wie er es braucht. Wir haben unterschiedliche Typen in unserer Mannschaft – auch solche, die nicht unbedingt als pflegeleicht gegolten haben, Marko Arnautovic zum Beispiel. Es gab Leute, die fanden, man dürfe Arnautovic nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen, weil er das Gefüge zerstöre. Aber Koller hat von Anfang an gesagt: ‹Der Mann ist wichtig, den brauchen wir.› Und mittlerweile ist Arnautovic schon fast sein Lieblingsspieler geworden.

Die anfänglichen Vorbehalte waren selbstverschuldet. Arnautovic war ja eine Art österreichischer Balotelli.
Ja, das war selbstverschuldet. Aber früher war er wohl auch schlecht beraten. Bestimmte Dinge hätte er sich sparen können, aber das weiss er selber. Ich bin mit ihm immer sehr gut ausgekommen und glaube, dass er im Grunde seines Herzens ein guter Junge ist.

Zurück zu Marcel Koller. Wieso hat dieser Schweizer etwas zustande gebracht, das Hickersberger und Constantini beispielsweise nicht geschafft haben?
Ich muss jetzt etwas vorsichtig sein, ich möchte niemanden anschwärzen. Fakt ist, dass es Marcel Koller gelungen ist, eine Einheit zu formen. Es ist für jeden eine Freude, zur Nationalmannschaft zu kommen. Früher gab es immer wieder Absagen, von denen man nicht wusste, wie sie begründet sind. Seit Koller am Ruder ist, sind wir eine verschworene Einheit, der Mythos von den elf Freunden wird wirklich gelebt. Das ist authentisch und kommt beim Publikum auch so an. Zudem legt Marcel Koller sehr viel Wert auf Taktik. Wir haben eine klare Idee, wie wir agieren wollen. Das war nicht immer so. Es gab schon Nationaltrainer, die öffentlich sagten, Taktik sei überbewertet. Das ist leider Fakt.

In Ihrem 4-2-3-1 spielen Sie ein sehr aggressives Pressing.
Ja, das ist eine Spielidee, die uns Koller von Anfang an vermittelt hat. Das haben wir in den letzten Jahren sehr gut ausgeführt und konnten das von Spiel zu Spiel verfeinern. Mittlerweile ist es eine grosse Stärke. Egal, wie der Gegner heisst, es ist momentan sehr unangenehm, gegen uns zu spielen.

Die Spielweise ist sehr kräfteraubend. Könnte das an einer EM mit vielen Spielen in relativ kurzer Zeit nicht zu einem Problem werden?
Wir sind noch nicht im elitären Zirkel einer absoluten Weltklasse-Mannschaft. Deswegen müssen wir etwas mehr Aufwand betreiben.

Was liegt an der EM drin?
Zuallererst sind wir froh, dass wir dabei sind. Dann wollen wir die Vorrunde überstehen. Was danach kommt, ist Zugabe. Es ist eine strapazierte Floskel, aber wir schauen von Spiel zu Spiel.

Vor einem Jahr wollte der Schweizerische Fussballverband den Österreichern den Teamchef abwerben. Zuletzt soll Borussia Mönchengladbach mit Koller geflirtet haben. Wie störend sind diese äusseren Einflüsse für die Nationalmannschaft?
Das ist überhaupt nicht störend, sondern gehört zum Geschäft. Das ist für uns Spieler ja nicht anders. Und bei Marcel Koller liegt es auf der Hand. Er hat überragende Arbeit geleistet und das macht ihn interessant. Das ist logisch.

Wie gross war der Anteil der Mannschaft, dass Koller vor einem Jahr seinen Vertrag verlängert hat?
Ich denke, er hat gespürt, dass wir Spieler sehr gern mit ihm weiterarbeiten wollen. Das haben wir auch immer wieder kommuniziert. Der eine oder andere Spieler hat auf Kollers Social-Media-Kanälen augenzwinkernd Botschaften platziert. Ich habe damals auch geschrieben, so in der Art: «Marcel, hier ist dein Gewissen. Verlängere doch bei uns, es gefällt dir so gut!» Ich denke, er hat auch das Potenzial gesehen, das noch in dieser Mannschaft steckt. Wir sind sehr froh, dass er sich gegen den Job in der Schweiz und für Österreich entschieden hat. Ich bin vor allem froh, weil Marcel Koller doch eine besondere Figur in meiner Karriere war und noch ist.

Rechnen Sie damit, dass er nochmals verlängert?
Es gibt ja noch Ziele. Es ist beispielsweise ein Ziel, sich für die nächste WM zu qualifizieren. Es ist schon etwas länger her, dass Österreich das letztmals geschafft hat. Aber ob das reicht oder ob andere Angebote für ihn interessanter sein könnten, das entzieht sich meiner Kenntnis.

Im Sommer 2016 werden Sie 33. Hört gegebenenfalls mit Koller auch Marc Janko auf?
Er ist auf jeden Fall ein entscheidender Faktor. Es hängt sicher auch davon ab, wer nachkommt, falls Koller nach der EM geht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eckball am 16.11.2015 09:39 Report Diesen Beitrag melden

    Österreich hat den besseren Coach

    darum gewinnt Österreich.

  • der Zyniker am 16.11.2015 09:07 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Nati

    Die Schweiz muss langsam Leistungen bringen. Das letzte Spiel war eine Katastrophe. Mal schauen wie sie gegen sogar noch einen stärkeren Gegner spielen werden.

    einklappen einklappen
  • Gandalf am 16.11.2015 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Angst!

    Für die "Schweiz" ist jeder Gegener unangenehm, sogar der 1. FC Hinterpfupfingen!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tony am 17.11.2015 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Null Chance

    Die Ösis werden keinen Stich haben gegen die Schweizer.

  • MaxMax am 17.11.2015 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Sieg für Österreich

    Alles andere als ein 3:0 für Oesterreich, wäre für mich persönlich eine Überraschung !

  • Gaudenz Thoma am 17.11.2015 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Auch im Tourismus überlegen

    Auch im Tourismus, ist uns Oesterrech meilenweit überlegen. Sehr gastfreundlich und ein Top Preis Leistungsverhältnis! Wir freuen uns !

  • Cornel am 17.11.2015 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Typ 3:0 für Oesterreich

    Österreich, verfügt mit Marcel Koller über einen Trainer mit Charisma und einem Leistungsnachweis, was man von V.Petkovic nicht behaupten kann.

  • Jürgen am 17.11.2015 07:31 Report Diesen Beitrag melden

    Freundschaftliche Grüße

    Das sind beides sehr gute Mannschaften. Ich halte es für ein Duell auf Augenhöhe und das macht richtig Laune. Ich wünsche uns ein flottes, rassiges Spiel. Schöne Grüße aus Österreich