Valon Behrami

06. August 2018 21:20; Akt: 07.08.2018 10:34 Print

In diesem Interview lässt er die Bombe platzen

Er war der unbestrittene Leader der Nationalmannschaft, jetzt hat ihn Vladimir Petkovic ausgemustert. Das RSI-Interview in der Übersetzung.

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Wenige Stunden sind vergangen seit dem Telefonanruf von Vladimir Petkovic mit Valon Behrami. In einem Kürzestgespräch hat der Nationaltrainer dem 33-Jährigen gesagt, er brauche ihn fortan nicht mehr. Hoch über den Gestaden des Luganersees nimmt Behrami Stellung gegenüber Armando Ceroni von Tessiner Fernsehen RSI. Die fast integrale Übersetzung.

Heute um die Mittagszeit erhielt Valon Behrami einen Anruf von Vladimir Petkovic, dem Schweizer Nationaltrainer. Und was hat er Ihnen gesagt?
Valon Behrami (lacht): Ich war überrascht, ich dachte, es sei ein Höflichkeitsanruf. Stattdessen war es ein Anruf, mit dem er mich vor die Tür der Nationalmannschaft setzen wollte. Rund einen Monat nach dem Ausscheiden der Nationalmannschaft an der WM. Es gab da sehr viele Dynamiken, die mir natürlich nicht gefallen haben.

Zum Beispiel?
Dynamiken, die gegen das liefen, was ich diesem Team immer geben wollte. Ich habe die Einheit gefördert, das Team sollte immer einig sein, egal, ob bei negativen oder positiven Ereignissen. Stattdessen war da eine Mitteilung der Spaltung. Während meiner Karriere habe ich immer den Effort gemacht, dass wir eine Einheit sind, denn das habe ich schon als kleiner Junge gelernt. Der Sport und insbesondere der Fussball einen sehr, er vereint neue Kulturen, neue Nationalitäten. Sie treten zusammen auf, neue Sprachen auch, das macht die Schweiz aus. Dafür habe ich immer gekämpft.

Verzeihen Sie mir: Mit Spaltung meinen Sie die Doppeladler-Gesten von Xhaka und Shaqiri und alles, was direkt danach losgelöst wurde?
Ja, genau. Es waren auch diese Gesten, die uns teilen. Sie zeigen eine andere Seite von uns. Wir sind Jungs, die in die gleiche Richtung gehen – und wir versuchen, rund um uns ein gutes Umfeld zu schaffen und in diesem Fall die Schweiz stolz zu machen. Und natürlich dann die Episode nach dem Ausscheiden. Da ist es immer einfach, zu kritisieren, da ist es immer einfach, genau diese Spaltung in uns allen zu suchen. Als uns gesagt wurde, eine Nation gegenüber einer anderen zu bevorzugen, währenddem wir genau bewiesen haben, dass wir nur einer Nation angehören. Wir tragen die Verantwortung als Schweizer, auch wenn wir verlieren, nicht nur, wenn wir gewinnen.

Sie haben immer versucht, ein kompaktes Team zu kreieren, eine Einheit zu schaffen. Nun fühlen Sie sich vor die Tür gesetzt. Welche Gefühle weckt dieser Entscheid in Ihnen?
Ich hatte jahrelang gedacht, früher mit der Nationalmannschaft aufzuhören, nun war ich voll in dieses Team integriert und fühlte mich auch als Leader. Und jetzt wurde ich vor die Tür gesetzt. Der Trainer kann sagen, was er will, das kann er auch in Zukunft, aber es ist ein politischer Entscheid. Es ist eine Wahl, nachdem ich mich gegen Leute aufgelehnt habe, die nicht genau verstehen, was der Fussball bedeutet, weil sie nie selber Fussball gespielt haben. Und das ist ein wenig das Problem der Schweizer Verbände allgemein. Es bestimmen Leute, die nie selber Fussball gespielt haben, die nicht wissen, was der Athlet fühlt. Der Athlet drängt sich nie so in den Vordergrund, aber immer Leute, die ihren Sessel schützen wollen. Das tut weh, ich weiss, dass es so funktioniert. Gleichzeitig ist es für mich kein riesiges Problem. Jetzt kann ich endlich meinen Mädchen und meiner Frau Zeit widmen. Für mich stand der Entscheid immer auf der Kippe, es ist also keine Frage von Egoismus. Ich bin 33, mit 35 hätte ich den Entscheid sehr wahrscheinlich gefällt, es ist also kein Problem.

«Ich bin enttäuscht»: Behrami im Interview mit RSI. (Bild: RSI)

Ich habe versucht, das zu geben, was ich hatte, und mit der Zeit hat sich meine Persönlichkeit gezeigt. Ich hatte am Anfang mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit den Jahren habe ich aber ein starkes Zeichen gesetzt und ich will es heute noch einmal sagen. Ich habe immer Verantwortung übernommen und so stehe ich auch heute mit dem Gesicht hin, um zu sagen, dass dies nicht die richtige Art ist, um den Leuten mitzuteilen, dass sie nicht mehr zum Projekt gehören. Ich hätte es vorgezogen, diese Person von Angesicht zu Angesicht zu treffen, denn ich bin so. Leider wurde das nicht gemacht. Alle haben aber gesehen, was nach dem Schweden-Spiel passiert ist und am Schluss sieht es quasi so aus, dass dies zu einem solchen Entscheid geführt hat. Auch in jenem Moment sind viele Teile auseinandergebrochen, nach jener Episode. Viele Spieler wollten damals schwerwiegende Entscheide treffen, ich habe aber nur gesagt: Ich stehe vorne hin, ich will nichts Schlechtes für euch, will nicht, dass euch etwas Negatives passiert. Da stehe lieber ich hin, denn ich bin fast am Ende meines Weges, auch in jenem Moment versuchte ich, die Wogen zu glätten. Leute, die involviert waren, haben mich angerufen und um Hilfe gebeten und ich habe genau das gemacht.

Können wir Namen nennen, Valon?
Der Generalsekretär

Miescher, der damals geschossen hatte und sich vor allem auf euch mit zwei Pässen bezog, obwohl ihr in Wahrheit ja gar nicht zwei Pässe habt. Da waren zum Beispiel Xhaka und Shaqiri, die nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen wollten, stelle ich mir vor?!
Nicht unbedingt sie, aber es gab Spieler mit starken Reaktionen. Ich habe nur versucht, sie zu beruhigen und zusammen ein Communiqué zu verfassen. Wie gesagt, hat mich dann der Generalsekretär angerufen und um Hilfe gebeten in diesem Fall. Ich solle meine Kollegen beruhigen – und das habe ich gemacht, denn ich bin so. Ich will vereinen, nicht entzweien. Er hat mir dann gesagt, dass von ihm ein Communiqué mit einem gewissen Inhalt kommen werde, das ist aber nie passiert. Dann hat sich das Ganze weitergezogen und jetzt stehen wir da.

Sind Sie mehr enttäuscht oder wütend?
Ich bin enttäuscht, weil ich auch als Mensch Gefühle für gewisse Leute entwickelt habe. Auf den Trainer und auf die ganze Gruppe, um diese Einheit zu erreichen. Als Mensch schmerzt das am meisten. Ich weiss,dass der Fussball so ist, ich weiss, dass man solche Enttäuschungen erlebt, ich weiss, dass sich die Türen schnell drehen. Ich dachte aber, ich könne Leuten vertrauen, so, dass sie einen solchen Entscheid zumindest mit mir gemeinsam fällen würden und mir dabei ins Gesicht schauen und die Hand auf die Schulter legen anstatt mit einem 30-Sekunden-Telefonat, um mir zu sagen, ich gehöre nicht mehr dazu.

Werden Sie immer für die Schweiz «fanen»?
Auf jeden Fall. Ich fane für eine Schweiz, ich fane für ein Team, das immer mehr eine Einheit ist. Das erste, was ich gemacht habe, ist einen Kollegen anzurufen, Xhaka, und ich habe ihm gesagt: Ich hoffe, das, was ich dir beigebracht habe, hilft dir, ein echter Leader dieser Mannschaft zu werden. Und er hat mir geantwortet, ich sei immer sein Vorbild gewesen, wie sehr er mich möge und dass er immer für mich da sein werde. Am Schluss bleiben solche Dinge und Personen tief drin. Und natürlich werde ich immer die Schweiz unterstützen.

Fussball

(mke)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli1966 am 07.08.2018 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sehe ich anders

    Es war höchste Zeit für eine Erneuerung. Nach einem grossen Turnier ist dies der beste Augenblick. Über die Art und Weise kann man diskutieren...

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  • Flachländer am 07.08.2018 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man sollte hinhören!

    Die Nati ist kein Scherbenhaufen, der Behrami hätte nur nicht derart unüberlegt handeln sollen und sich die Worte von Petkovic nochmals durch den Kopf gehen lassen. Der jetzige Knatsch zeigt höchstens eines; das Bildungsniveau von einigen Fussballspielern.

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  • Big Bang am 07.08.2018 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Desaster

    Das nächste PR-Desaster des Schweizerischen Fussballverbandes!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lilly Wolf am 08.08.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Behrami

    Sollen wir bei jedem Spieler Abgang , Opern Ball veranstalten? Wen ein oder andere bessere Angebot bekommt, dann soll er auch da spielen!es geht nur ums Liebes Geld! Patrioten ??? Das ich nicht lache ! Bei freiwilligen Abgang, nur weil man mehr Geld bekommt, zählen die Spieler auch kein Abschied Nachtessen! Oder An Fans Freibillet für nächsten Spiel, als Dank!

  • Erika Lang am 07.08.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Einfühlungsvermögen

    So ein Gespräch führt man einfach niemals am Telefon, auf gar keinen Fall. Das machen nur Feiglinge oder Leute ohne Einfühlungsvermögen. All zu viel von diesem Gefühl traue ich dem jetzigen Trainer sowieso nicht zu.,

  • Betrachter am 07.08.2018 18:42 Report Diesen Beitrag melden

    wer glaubt denn das....

    Liebe Leute, wer glaubt denn, dass Hr. Behrami - ein verdienter und guter Nati-Spieler von Hrn. Petkovic ausgebootet wurde? Wer war beim Telefonat dabei? Direkter Anruf, erste Mitteilung von Trainer zu Spieler, ist doch fair. Mal halblang. Ich denke Hr. Behrami ist nicht gut damit klar gekommen, dass Hr. Petkovic erstmal nicht mit Hrn. Behrami plant. Besser mal sacken lassen, ne Nacht drüber schlafen, und sich dann äussern, posten, und nicht auftreten wie ein Heisssporn. Bisschen überstürzte Reaktion. (Vlt. gibt es ja die erste Krise in der Ehe mit Lara Gut, die eh beide gut inszeniert haben)

  • Nati-Fan am 07.08.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SFV

    Der SFV sollte dringend über die Bücher. Alex Miescher und Marco von Ah haben einen desolaten Job gemacht. Wenn man für sein Amt ein Salär bezieht darf Professionalität erwartet werden. Alle Szenarien müssen geprüft werden und ein Plan zur Verfügung stehen. Petkovic hat bis zur Doppeladler-Geschichte vieles richtig gemacht. Auch mir haben Aufgebot und Spielweise nicht immer gefallen aber die Ergebnisse gaben ihm recht. Nach dem Doppeladler aber schwach und wenn du als Coach Dein Team für das Schwedenspiel nicht heiss kriegst hast du komplett versagt. Diese drei müssten überdacht werden.

  • hst am 07.08.2018 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SFV ade

    Immer wenn etwas vom SFV kommt und es einen Wirbel gibt spricht man anschliessend von Fehlinterpretation oder ähnlichem. Ich glaube es wäre langsam besser den ganzen SFV in die Wüste zu schicken als einzelne Spieler zu entlassen.