Markus Lüthi

15. Oktober 2016 09:32; Akt: 15.10.2016 09:32 Print

«Etwas machen, anstatt nur darüber zu reden»

von E. Tedesco - Vom 15. bis 23. Oktober machen Schweizer Fussballclubs die Integration zum Thema. Der FC Thun ist der Spitzenreiter, wenn es um soziales Engagement geht.

Markus Lüthi, Präsident FC Thun: «Manchmal muss man auch einfach mal 'dr Grind' zum Fenster raus halten und etwas machen, statt nur darüber zu sprechen.» (Video: Youtube)
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In der Saison 2015/16 besassen 222 der 597 Profis in der Super und Challenge League keinen Schweizer Pass. Insgesamt waren Spieler aus 52 verschiedenen Ländern in den beiden Profiligen engagiert. Auch die Schweizer Nationalmannschaft ist einer der kosmopolitischsten Auswahlen der Welt. Im EM-Kader 2016 kämpften 14 Spieler mit Migrationshintergrund für die Schweiz um Punkte und Ehre.

Die Eingliederung von Menschen aus fremden Kulturkreisen, aber auch von Menschen mit einer Beeinträchtigung kann nur passieren, wenn man aufeinander zugeht und miteinander spricht. Das geschieht in den Vereinen tagtäglich, von den Junioren bis zu den Veteranen. Tue Gutes, und rede nicht darüber – ansonsten wäre die Handlung ja nicht uneigennützig. Manchmal darf man darüber reden, denn Fussballclubs sind mehr als nur ein Tummelbecken für Millionarios.

Clubverantwortliche, Spieler und Trainer äussern sich in eigens produzierten Videos zur aktuellen Kampagne #Together2016, welche die Swiss Football League und die Clubs (Basel, Luzern, St. Gallen, Thun, Vaduz, Winterthur, Wohlen, YB, FCZ) mit der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, dem Staatssekretariat für Migration und dem UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge durchführen.

Der «kleine» FC Thun (Video oben) ist seit Jahren Spitzenreiter, wenn es um das soziale Engagement geht. Und auch der Kickoff zur Themenwoche findet in Thun statt. Am Samstag (ab 15.45 Uhr) lancieren die Berner Oberländer rund um das SL-Spiel gegen Lausanne diverse Aktivitäten im Zusammenhang mit «Together2016». Auf der Esplanade vor dem Stadion wird die Schweizerische Flüchtlingshilfe die Gefahren einer Flucht für interessierte Personen erlebbar machen. Für die Partie gegen Lausanne sind 600 Flüchtlinge aus regionalen Asylzentren eingeladen.

Adrian Knup, Vize-Präsident FC Basel: «Aktuell sind wir in einem Flüchtlingsprojekt in Jordanien engagiert, wo wir die sogenannten «Young Coaches» ausbilden.»

Nicht direkt für die Integration, aber der FCB bietet Unterstützung im Ausland an. Der FCB und Bayer Leverkusen haben in der letzten Septemberwoche das erste Projekt der Football Club Social Alliance (FCSA) für Flüchtlinge gestartet. Sechs Tage lang bilden Instruktoren im Flüchtlingscamp Azraq in der jordanischen Wüste 39 syrische Frauen und Männer zu Kinderfussballtrainern aus und unterstützen sie dabei, das Kriegstrauma zumindest ein wenig zu verarbeiten. Der Schweizer Meister ist mit Instruktor Willy Schmid vor Ort. Zudem versteigert der FCB im Rahmen der Kampagne die Matchtrikots der Startelf vom SL-Spiel am Samstag gegen den FC Luzern.

Ancillo Canepa, Präsident FC Zürich: «Gelebte Integration betrifft nicht nur die Spieler, sondern auch ihre Familien, die jeweils an die Spiele kommen. Dabei entwickeln sich Freundschaften.»

Der FCZ hat 15 Flüchtlinge in sein derzeit durchgeführtes Kids Camp eingeladen. Während einer Woche lernen die Flüchtlingskinder von erfahrenen Trainern das Einmaleins des Fussballs. Zudem sind regelmässig Spieler der ersten Mannschaft – zum Beispiel Oliver Buff, Adrian Winter, Gilles Yapi und Roberto Rodriguez – zu Besuch.

Andreas Mösli, Geschäftsführer FC Winterthur: «Der Fussballplatz ist die Welt im Kleinformat.»

Der FC Winterthur unterhält eine Partnerschafte mit der Caritas und ist der einzige Fussballclub im Kanton Zürich, der die Kulturlegi (Vergünstigungen für Menschen mit tieferem Einkommen) anerkennt. Zudem unterstützt der FCW die Brühlgut-Stiftung (begleitet Menschen mit Beeinträchtigung) mit Inseraten, Gratis-Matchbesuchen und anderen Aktionen und unterstützt zusammen mit dem Lions Club Winterthur-Eulach ein Trinkwasserprojekt in Kamerun.

Claudio Lustenberger, Captain FC Luzern: «Ich bin mir als Captain der Verantwortung bewusst. Ich versuche, alle in der Mannschaft – egal wo her sie kommen, egal welche Hautfarbe sie haben – zu vereinen. Damit wir zusammen für unsere Siege kämpfen.»

Der FCL setzt sich seit langem auch für Menschen mit einem Handicap ein und vergibt kleinere Arbeiten. Wie zum Beispiel das Einpacken der Saisonkarten für den Versand, wofür die Stiftung Brändi zuständig ist. Zum Heimspiel gegen den FC St. Gallen in einer Woche haben die Zentralschweizer nicht nur zwei Flüchtlingsgruppen aus Ruswil, sondern auch vom Blinden-Fürsorge-Verein Innerschweiz und von der Stiftung Brändi betreute Menschen eingeladen. Zudem spielen seit dem letzten November in verschiedenen Mannschaften erfolgreich junge Leute aus Eritrea oder Afghanistan mit. Es sind Jugendliche aus dem Zentrum für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Kriens.

Leonardo Bertone, YB-Mittelfeldspieler: «Nicht alle haben das Glück, Träume verwirklichen zu können.»

Der Fokus bei YB liegt auf der Förderung von sozialer Integration, Bewegung und Persönlichkeitsentwicklung von wirtschaftlich und sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen, sowie auf der direkten Unterstützung von kranken Kindern im Inselspital Bern. Zudem sammelt YB mit diversen Aktionen Geld für den Arche-Fonds, aus dem jährlich eine Woche ärztlich begleitete Ferien für Familien mit krebskranken Kindern der Uniklinik für Kinderheilkunde finanziert werden. Einmal pro Jahr besuchen die Spieler Kinder in den Kinderkliniken des Spitals. Die Berner beteiligen sich u.a. auch am jährlichen Suppentag, eine Spendenaktion für Bedürftige in der Schweiz.

Alp Gürsu, Juniorentrainer U11 FC Wohlen: ««Wir auch mit den Kindern, die gerade in die Schweiz gekommen sind, Deutsch zu sprechen. Die Fussballregeln sind bekannt und wenn der Ball einmal im Spiel ist, dann funktioniert es.»»

Peter Jehle, Goalie FC Vaduz: «Der Fussball hat eine starke Kraft, er kann kulturelle und sprachliche Barrieren überwinden. Wir wollen den Flüchtlingen ein Partner sein.»

Hakan Yakin, U21-Trainer FC St. Gallen: «Ein Ball oder etwas Rundes kann viele Menschen verbinden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peschä am 15.10.2016 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Dann ist der FC Thun leider auch das beste Beispiel dass sich ein solches Engagement nicht auszahlt. All die Schulterklopfer und netten Worte die du dafür kriegst, nützen am Ende nichts sonst würde ihnen finanziell das Wasser nicht dauernd bis zum Hals stehen.

  • Reto am 15.10.2016 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    Und für uns Schweizer gibt's gar nix. Ein Büezer mit 2-3 Kindern kann sich ein Ticket ja locker leisten, klar...

    einklappen einklappen
  • Mister G. am 15.10.2016 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hart aber wahr

    Was nützen Dir all die guten Taten und Gedanken, wenn der Laden schlussendlich doch pleite geht.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fritzli am 16.10.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderfussball zu grosse Belastung.

    Als erstes sollten ALLE Schweizer Fussballvereine die Mitgliederbeiträge für Kinder abschaffen! Eine Familie mit drei Kindern kann sich diese eventuell für alle nicht leisten! Zudem wenn einer davon Gross raus kommt, verlangen sie noch Transfergeld, was teilweise verständlich ist. Die Familie welche Jahrelang Mitgliederbeitrag bezahlt hat, bekommt evtl. nichts.

  • Waterpolo1s am 15.10.2016 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    "Thun, die Tun was!". :-)))

    Markus Lüthi hat absolut recht. Jetzt muss jeder in die Hosen steigen. Tipp: 1. Jedes Vorstandsmitglied und jeder Profi-Spieler bringt mindestens einen Geld-Sponsor! :-)) 2. Es wird sofort ein 20-Minuten-Lauf organisiert und alle Profi-Spieler machen mit! :-))) 3. und und und Jetzt müssen alle Hand in Hand hanelt und es muss in der Presse heissen: "Thun, die Tun was!" Viel Glück und raschen Geld-Regen :-)))

  • Thomas de Meziere am 15.10.2016 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdigkeit völlig verloren

    Für mich ist der FC Thun gestorben. Bin deutscher Investor und ein grosser Freund der Schweiz, besonders des Oberlandes. Aber wenn ich sehe, dass ein Wolfgang Unger immer noch beim FC Thun arbeitet, dann wundert mich nichts mehr. Unger ist in Deutschland kein unbeschriebenes Blatt, er wurde vor ca. 15 Jahren wegen Betruges gesucht und angeklagt. Die deutschen Medien berichteten darüber. ("die story", WDR)

  • Monika Gerber am 15.10.2016 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch

    Heuchlerisch so heuchlerisch. Ich engagiere mich ehrenamtlich seit Jahren sozial. Es gibt viele wie mich, aber wir präsentieren uns nicht in einer Zeitung, um von unserer Misswirtschaft abzulenken.

  • kurt küng am 15.10.2016 11:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weiter so....

    nur weiter so mit "gutgeglaubtem und geredeten" geldeinsatz" der konkursdruck für diesen hochgelobten einsatz wird sich dank unerer ch-sozialmaschinerie schon rechtzeitig einschalten...