Bestechungen im Kinderfussball

26. Februar 2019 16:14; Akt: 27.02.2019 08:36 Print

«Finanzieller Aspekt wird leider immer wichtiger»

von Fabian Sangines, Daniel Krähenbühl - Wie üblich sind Bestechungen im Juniorenfussball? Experten nehmen Stellung.

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GC hat einen Trainer freigestellt, der Geld von Eltern annahm. Die Eltern wollten damit ihren Kindern Vorteile erkaufen. Es ging um Probetrainings, Plätze in Juniorenteams, aber auch Einsatzzeiten. Es ist der Tiefpunkt einer längeren Entwicklung, wie GC-Nachwuchschef Roman Hangarter sagt: «Es gibt im Nachwuchsbereich eine spürbare Tendenz, dass Eltern und immer häufiger auch Spielerberater ihre eigenen Söhne und Spieler pushen, damit diese im Junioren-Spitzenfussball Fuss fassen. Es sind ihnen dabei viele Mittel recht.»

Auch Heinz Russheim, seit 2013 Leiter der FCZ-Nachwuchsabteilung «FCZ Academy», zeigt sich vom Bestechungsfall nicht überrascht: «Im Fussball ist viel Geld im Spiel, im Juniorensport wird der finanzielle Aspekt leider immer wichtiger.» Das grosse Problem: «Viele Väter definieren sich über den Erfolg des eigenen Kindes und erhoffen sich für sie eine bessere Zukunft», sagt Russheim. Werde das Kind aber zum wirtschaftlichen Faktor, tue man ihm keinen Gefallen.

So wird Einfluss einzelner Personen reduziert

D. A.*, ein früherer Nachwuchstrainer bei mehreren Super-League-Clubs, hält es für nahezu ausgeschlossen, dass solche Bestechungen gängige Praxis sind: «Gerade bei Stufen ab U-15 und U-16 sind dafür zu viele Personen involviert.» Schon bei jüngeren Kindern entscheide ein Gremium, welche Nachwuchsfussballer ins Team integriert würden. So reduziere sich der Einfluss einzelner Personen. Russheim ergänzt: «Dass Trittbrettfahrer Kontrolllücken ausnutzen, kann man nie ganz ausschliessen.» Der Leistungsdruck habe beim Nachwuchs in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich zugenommen. Dabei komme der Druck nicht nur vom Verein, sondern auch von den eigenen Eltern.

Doch nicht nur Super-League-Clubs scheinen betroffen. Wie Leser M. B.* schreibt, habe er in der Challenge League ähnliche Erfahrungen gemacht. Zehn Jahre lang habe er bei einem Verein gespielt, von Junioren bis erste Mannschaft. «Es gab Eltern, die haben Trainingslager und Trikots bezahlt, damit ihre Kinder spielten», erzählt er.

Beim Schweizerischen Fussballverband (SFV) war der Fall um GC noch nicht bekannt. Gemäss Raphael Kern, Ressortleiter Breitenfussball, wird er aber aufgearbeitet: «Wir müssen wir diesen Fall ernst nehmen».

*Namen der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pirat2222 am 26.02.2019 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    *grins

    Wieviel man denn heute zahlen, damit man nicht für GC spielen muss?

  • Samoibel am 26.02.2019 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    KESP

    Echt jetzt? Es gibt Leute die Geld zahlen das ihr Kind bei GC spielen darf? Wo ist die KESP in solchen fällen? Unglaublich

  • Hugi am 26.02.2019 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts Neues

    Ist bekannt, auch bei anderen Grossclubs. Schade für die Talente die wegen dem Stutz der anderen rausfliegen. Selbst erlebt wie offensichtlich bessere Talente rausgeflogen sind nur weil der Papi des anderen Kohle hatte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • APL am 27.02.2019 10:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Football Leaks

    Als eigentlicher Fussball Liebhaber wird einem seit längerer Zeit bloss noch übel, was alles in diesem doch so schönen Sport geschieht (FIFA, Steuerbetrug, etc.). So richtig werden einem die Augen geöffnet beim Buch "Football Leaks"! Und geändert hat sich dennoch nicht viel was die mafiöse Verwobenheit in Politik und Wirtschaft noch mehr unterstreicht...

  • Paolo am 27.02.2019 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Ich als Vater kann aus eigener Erfahrung reden.Als mein Sohn bei GC spielte mussten sie zu 2 für einen Stammplatz im Team kämpfen (was auch richtig ist) aber das Problem war das mein Sohn den Stammplatz nicht bekam weil der andere die Eltern Geld hatten.Und dieser Spieler kamm nur so immer weiter Oder sie versprachen meinem Sohn einen Profivertrag als wir den Vertrag unterschreiben wollten.war kein Vertrag mehr vorhanden. usw.Ab diesem Moment hörte mein Sohn mit Spitzen Fussball auf.Und solche fälle gibt es viele.Nur gibt es wenige Ehrliche Kompetente Leute. Bei GC gibt es nur 1 Mathias Walter

  • Roman am 26.02.2019 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinderschutz

    Ist nicht nur bei GC, sondern in fast alle Clubs. Vitamin B. Spielt auch eine Rolle Vater Präsident oder Trainer. Es gibt Eltern die geben Aufputschmittel an Kindern. Es fängt schon beim Kinderfussball, Mann sollte auch bei Kinderfussball bei Nachwuchsbereich Dopingkontrollen machen. Eltern Schäden Kindern.

  • rene kollegger am 26.02.2019 18:46 Report Diesen Beitrag melden

    zerfall

    moralisch ist GC schon ganz unten angekommen. und sportlich stehen die bekanntlich an Abgrund...

  • Mario am 26.02.2019 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja..... Geld regiert

    Kenne sogar hier im Kanton Luzern welche Leute die Geld annehmen, wie auch Gelb bezahlen würden...... :-) Weil gewisse Eltern einfacht nicht einsehen, dass es für den eigenen junior nicht genügt.....