Neue Technologien

05. Februar 2011 10:25; Akt: 05.02.2011 10:25 Print

«Fussball lebt von Fehlern und Emotionen»

von Reto Fehr - Die Fifa testet ab nächster Woche neue Torlinien-Technologien. Eine Umfrage bei einigen Schweizer Spielern und Schiedsrichtern zeigt: Zu viel Technik ist nicht erwünscht.

Die grösste Fehlentscheidung der letzten Jahre: Solche aberkannte Tore gibt es womöglich bald nicht mehr.
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Die Empa testet in der nächsten Woche für die Fifa 13 Torlinien-Technologien. Diejenigen, welche 100 Prozent verlässlich sind und dem Schiedsrichter innert einer Sekunde mitteilen können, ob der Ball im Tor war oder nicht werden dem International Football Associaton Board (IFAB) vorgelegt. Dieses entscheidet am 5. März, welche Methoden weiter verfolgt werden.

Umfrage
Sind Sie für eine Torlinien-Technologie im Fussball?
87 %
13 %
Insgesamt 1642 Teilnehmer

Die Schweizer Fussballer sind grundsätzlich für solche technischen Neuerungen. «Ich finde es gut, wenn man im Notfall auf solche Technologien zurückgreifen kann», sagt beispielsweise Tranquillo Barnetta gegenüber 20 Minuten Online und Bellinzonas Gürkan Sermeter glaubt an den Mehrwert: «Die Schiedsrichter und ihre Assistenten sind auch nur Menschen und machen Fehler, wie wir Fussballer auch.» Auch Hakan Yakin würde Regelanpassungen begrüssen: «Ich finde es richtig und sinnvoll, dass man versucht mögliche Fehler auf ein absolutes Minimum zu reduzieren.» Nicht zuletzt die Schiedsrichter werden von der neuen Technologie profitieren.»

Urs Meier will kein «Big Brother»

Einer dieser Schiedsrichter ist Massimo Busacca. Dieser sagt: «Grundsätzlich sind zusätzliche Hilfen immer gut.» Der Tessiner möchte jedoch noch nicht urteilen, ob er die neuen Technologien gut findet: «Das ist schwierig zu sagen, ich müsste es erst einmal ausprobieren.» Klar ist der Fall dagegen für den ehemaligen Spitzenreferee Urs Meier: «Ich bin seit Jahren ein Befürworter. Das, was wir an der WM hatten, sollte nicht sein. Technologien geben dem Schiedsrichter eine Sicherheit. Wenns 100 Prozent funktioniert, ist das eine unglaubliche Hilfe.»

Meier will allerdings kein «Big Brother», wobei alle Szenen videoüberwacht werden. «Technische Hilfsmittel nützen nur bei «Schwarz-Weiss»-Bereichen.» Also beispielsweise bei der Frage, ob der Ball drin war oder nicht. «Aber im Graubereich wie Fouls oder roten Karten nützen sie nicht viel.» Denn dort zählt kann teilweise auch das Betrachten von unzähligen Wiederholungen nicht klar auflösen, wie der Entscheid fallen müsste.

«Es soll alles bleiben, wie es ist»

Und schliesslich spricht St.-Gallen-Keeper Daniel Lopar das aus, was viele Fans denken: «Es gibt dafür und dagegen. Der Fussball lebt von Fehlern und Emotionen.» Über Szenen wie das Wembley-Tor diskutieren die Leute heute noch – auch wenn diese Szene schon über 50 Jahre alt ist. Auf der anderen Seite weiss Lopar auch: «Es geht auch um viel Geld. Wenn die Technik ausgereift ist, hab ich keine Probleme damit.» Gar keine Neuerungen möchte dagegen WM-Teilnehmer Albert Bunjaku: «Es soll alles bleiben, wie es ist. Im Verlauf einer Saison hast du mal Glück und sicher auch mal Pech.»

Für Gesprächsstoff werden die neuen Technologien also sowieso sorgen – ob sie bald eingeführt werden oder nicht. Was ist ihre Meinung? Soll der Schiedsrichter mit technischen Hilfsmitteln unterstützt werden? Finden Sie die Torrichter gut, welche aktuell in der Champions League getestet werden? Oder sollen der Schiedsrichter und die Linienrichter alleine gelassen werden?

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Levit Petrowski am 05.02.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Schummel Leben

    Fussball ist doch das Spiel des Lebens und deshalb ist das Schummeln, Betrügen, manipulieren, ...eben das falsche Spiel derart beliebt!

  • Martinn am 05.02.2011 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Für mich ist eines klar. Egal wieviel Technik dem Schiri zur Verfügung steht, die Zuschauer zuhause am Fernseher dürfen nicht über bessere Möglichkeiten verfügen. So wie es heute ist wird es immer Diskussionen geben. Jeder Beni Tunheer kann sieht von zuhause auf dem Sofa mit der Super Slowmotion, ob es Offside war oder nicht. Der Schiri konnte es vielleicht garnicht sehen.

  • fussballfan am 03.02.2011 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    juhu

    Wurde auch entlich Zeit!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fussballfan am 07.02.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich!!!

    Es ist doch völlig überzogen, dass durch Einsatz eines schnellen "drin/nicht drin"-Systems der Fussball nicht mehr emotional sein soll. Es geht doch "nur" um die Torlinienfrage. Abseits oder Fouls sollen lt. Fifa nach wie vor ohne Hilfsmittel entschieden werden, weil das ein System sicher nicht klar entscheiden kann. Aber doch mal ehrlich: Die Emotionen beziehen sich doch weniger auf die Ergebnisse ob Tor/nicht Tor, sondern vielmehr, warum man diese Technik nicht endlich einführt?

  • Dejan am 07.02.2011 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Tötet das Spiel nicht!

    NEIN NEIN NEIN Fussball lebt von Emotionen!!! Von der Dramatik!! Von den Schiedsrichter die Fehler machen und Spieler die simulieren, lügen und betrügen. Das ist das Herz dieses Spieles. Natürlich können wir alles perfektionieren, bis das ganze spiel emotionslos wird... Wieso müssen wir alles kontrollieren wollen??? sagt mir das! Wieso? Weg mit der Technik im Fussball!!!!Lasst uns unser Speil nicht töten!!! Die Technik wird unser Spiel töten. Ich will das meine Kinder den gleichen Fussball sehen wie ich!!!

  • Bob am 06.02.2011 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Für die Torlinie soll endlich eine Technologie her

    welche den Schiedsrichtern hilft. Es kann nicht sein, dass wenn der Ball hinter der Linie ist, dass es kein Tor gibt. Für alles andere sollte es jedoch keine Hilfsmittel geben. Das Abseits soll weiterhin eine Aufgabe des Linienrichters bleiben und ab und zu auch für Gesprächsstoff sorgen. Das ist ja zum Beispiel im Eishockey auch nicht anderst und es ist gut so.

  • Rolf Scheibler, Oberentfelden am 06.02.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

    Äusserst fair ...

    Gerade die Schweiz steht doch für Präzision! In der heutigen Zeit sind bewusste, oder unbewusste "Fehlentscheide" nicht mehr zeitgemäss. Das Hawk-Eye im Tennis finde ich so gut. Und vor allem fair. Hoffentlich wird dieses System möglichst bald eingesetzt.

  • M. Riesen am 06.02.2011 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    gar nicht Fussballfan!

    ich halte nichts von Fussball, aber wenn sich möglichkeiten biten die zur besseren entscheidung der Ref's führen sollte man diese annehmen, die sind ja auch nur Menschen und können nicht immer alles sehen und überall auf dem Spielfeld sein. Weiterhin noch schönen und Fairen Sport.