Lucien Favre

15. Februar 2011 07:08; Akt: 15.02.2011 07:08 Print

«Gladbach war einmal wie Liverpool»

von Sandro Compagno - Lucien Favre unterschrieb gestern bei Borussia Mönchengladbach einen Vertrag bis 2013. Mit 20 Minuten sprach der Fussball-Lehrer aus der Romandie exklusiv über seine Rückkehr in die Bundesliga.

storybild

Soll es besser machen als sein Vorgänger Michael Frontzeck: Lucien Favre im Borussen-Park von Mönchengladbach. (Foto: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herzliche Gratulation zum neuen Job, Monsieur Favre. Endlich sind Sie wieder in der Bundesliga. Für wie lange?
Lucien Favre: Die Chance, die Liga zu halten, ist da. Aber alle hier wissen, dass es schwierig wird. Es sind noch 36 Punkte zu vergeben. Wir können es schaffen, aber wir müssen dafür unser Bestes, nein mehr als unser Bestes, tun.

Gladbach hat unter Ihrem Vorgänger Michael Frontzeck in 22 Spielen 16 Punkte geholt und liegt am Tabellenende mit 7 Punkten Rückstand auf den Strich. Planen Sie schon die zweite Liga?
Wissen Sie, Borussia Mönchengladbach ist ein sehr gesunder Klub. Borussia hat ein eigenes, wunderbares Stadion, der Verein ist sehr gut organisiert. Im Falle eines Abstiegs würden wir in der 2. Bundesliga einen Neuaufbau starten.

Sie gelten als Trainer, der überall erst in der zweiten Saison Erfolg hat. Wie gut sind Sie als Feuerwehrmann?

Erstens wurde ich nicht als Feuerwehrmann verpflichtet. Und zweitens habe ich in meiner zweiten Trainerstation in Yverdon im Winter eine Mannschaft im Abstiegskampf aus der NLB übernommen und danach in der folgenden Saison in die NLA geführt.

Wie wollen Sie bei Borussia Mönchengladbach den Turnaround schaffen?

Wenn man im Winter anfängt, hat man nur wenig Zeit. Man muss im Training sehr präzise arbeiten, kleine Fehler sofort beheben. Wichtig ist die Konzentration im Training, damit man seine Ideen auch auf den Platz bringen kann. Nochmals: Die Chance ist da, mit Mönchengladbach in der Bundesliga zu bleiben.

Sie waren 17 Monate ohne Job. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Bis zu meiner Entlassung bei Hertha Berlin war ich 13 Jahre lang ununterbrochen als Trainer tätig. Die Pause hat mir rückblickend sehr gut getan. Ich habe mich weitergebildet, habe Sprachkurse besucht und viele Fussballspiele gesehen – auch in Frankreich und Italien. Viele live im Stadion, viele auch am Fernsehen.

Sie wurden am Montagnachmittag als neuer Trainer vorgestellt. Kennen Sie Ihre Mannschaft schon?

Ich kenne jede Mannschaft in der Bundesliga fast auswendig. Natürlich kenne ich noch nicht jeden meiner Spieler persönlich. Am Montag habe ich die Mannschaft nicht gesehen, das kommt dann am Dienstag im ersten Training.

Sie hatten in den letzten eineinhalb Jahren Angebote aus der halben Welt ausgeschlagen, um auf Ihre neue Chance in Deutschland zu warten. Was reizt Sie dermassen an der Bundesliga?
Die Bundesliga ist mit der Primera Division und der Premier League die attraktivste Liga Europas. Der Fussball hier ist schnell und offensiv, die Atmosphäre in den Stadien ist grossartig. Vor zehn Tagen waren am Berliner Derby zwischen Union und Hertha 75 000 Zuschauer im Olympiastadion – und das in der 2. Bundesliga!

Und was reizt Sie an Borussia Mönchengladbach?
Wenn man als Schweizer ein Angebot aus der Bundesliga erhält, dann darf man nicht zögern. Ich bin einer von aktuell nur zwei ausländischen Trainern hier. Es ist also für einen Schweizer unglaublich schwierig, in einer Top-Liga zu arbeiten. Eine solche Gelegenheit musste ich einfach ergreifen, zumal Borussia ein fantastischer Verein mit einem wunderbaren Stadion und einer grossen Tradition ist. Wissen Sie, als ich 12, 14 Jahre alt war, da war Borussia Mönchengladbach wie Liverpool!

Sie haben Ihren Mannschaften schon zu FCZ-Zeiten immer gepredigt, geduldig zu spielen. Ich stelle fest, dass Sie in den letzten 17 Monaten auch geduldig gespielt und in der 93. Minute getroffen haben.
(lacht) Ja, das kann man so sagen.