Favre und die Medien

17. Februar 2011 22:51; Akt: 18.02.2011 07:14 Print

«Grüezi, Super-Hirnli»

von Sandro Compagno - Wenn deutsche Medien über Lucien Favre (53) berichten, bedienen sie sich oft plumper Klischees.

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Konzentration auf das Wesentliche: Borussen-«Retterli» Lucien Favre. (EPA)

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Den Anfang machte natürlich die «Bild». Das «Super-Hirnli» solle Borussia Mönchengladbach retten, schrieb die auf­lagenstärkste Zeitung des Landes am Montag in ihrer Online-Ausgabe. Dass Favre französischer Zunge ist, störte die Schreiber nicht. Das Schweizer «Retterli», das so wert auf Taktik legt, ist ein «Super-Hirnli». Punkt. In einer Liga, die bei Trainerprüfungen bis vor wenigen Jahren auf Fragen nach der Viererkette noch «Halsschmuck» als korrekte Antwort durchliess, darf so etwas kaum wundern.

Doch auch die seriöse Agentur dpa kam nicht ohne Klischee aus. «Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk» habe Favre am Dienstag um 10 Uhr das erste Training geleitet. Also ob deutsche Trainer regelmässig zu spät auf dem Übungsgeländer auftauchen würden.

Favre lassen solche Stereotypen kalt. «Ich komme momentan kaum dazu, Zeitung zu lesen», sagte der 53-Jährige gestern zu 20 Minuten. «Ich konzentriere mich auf die Trainings und auf das Spiel am Sonntag.» Dann kommt Schalke 04. Favres entlassener Vorgänger Michael Frontzeck zeigte sich derweil als fairer Verlierer. «Lucien Favre ist eine ausgezeichnete Wahl. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass sich die Borussia rettet», so Frontzeck im Interview mit dem «Kicker». Das ist sportliche Grösse.