Schweiz oder Kroatien

11. März 2011 14:09; Akt: 11.03.2011 14:45 Print

«Habe mir noch keine Gedanken gemacht»

von Reto Fehr - Mario Gavranovic katapultierte sich mit einem Tor in der Champions League auf die Fussball-Bühne. Im Interview mit 20 Minuten Online nimmt er Stellung.

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Schweizer Doppelbürger und wie sie sich entschieden.

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So schnell kann es gehen: Vom von der Öffentlichkeit fast vergessenen Ersatzspieler bei Schalke hat sich Mario Gavranovic mit einer starken Leistung gegen Valencia in den Fokus der Öffentlichkeit gespielt. Ob das Talent mit kroatischen Wurzeln dereinst auch für die Schweiz spielen wird, ist noch unklar. Beim Schweizerischen Fussballverband gibt man sich nach einem Gespräch mit Ottmar Hitzfeld Anfang Februar auf Malta optimistisch: «Wir haben einen guten Eindruck», erklärte Medienchef Marco von Ah auf Anfrage. Aber neben der Schweiz sollen auch Kroatien und gar Bosnien-Herzegowina um das Juwel buhlen. 20 Minuten Online unterhielt sich mit dem 21-Jährigen über seine Zukunft.

20 Minuten Online: Mario Gavranovic, herzliche Gratulation zu Ihrer Leistung im Spiel gegen Valencia.
Mario Gavranovic: Vielen Dank, das war sensationell. Ich bin mit meiner Darbietung zufrieden. Wichtig war aber, dass wir als Mannschaft gesiegt haben.

Was war das für ein Gefühl nach Ihrem Treffer?
Es war unglaublich. Nur schon, dass ich in der Startelf stand, war genial. Die Champions League ist schon sehr speziell und ich habe schnell gemerkt, auf was für einem hohen Niveau gespielt wird.

Ottmar Hitzfeld hat Ihnen per SMS gratuliert. Wer hat sich sonst noch gemeldet?
Ja, er hat mir geschrieben. Auch Pierluigi Tami (der Schweizer U21-Trainer, Anm. d. Red.) hat sich gemeldet. Mit Felix Magath habe ich aber noch nicht gesprochen.

Kroatiens Trainer Slaven Bilic hat sich nicht gemeldet?
Nein, ich habe nichts von Kroatien gehört. Weder vom Trainer noch vom Verband. Bisher gab es keinen Kontakt zu mir.

Aber in kroatischen Medien konnte man lesen, dass Slaven Bilic hofft, der Verband werde sie angehen und versuchen für Kroatien zu überzeugen.
Das kann sein. Es ist normal, dass sie so sprechen, wenn einer in der Champions League auffällt. Wenn sie wirklich interessiert sind, müssen sie direkt auf mich zukommen.

Im Gegensatz zu Bilic hatten Sie mit Hitzfeld kürzlich auf Malta ein längeres Gespräch. Wie lief das?
Es war ein gutes Gespräch. Wir unterhielten uns über meine Situation bei Schalke und über die Nationalmannschaft. Er sagte mir, dass ich mich für das A-Team mit konstanten Leistungen im Klub empfehlen könne. Es war sehr positiv für mich. Hitzfeld ist ein guter Trainer und ein super Mensch.

Haben Sie sich schon für eine Nation entschieden?
Darüber habe ich mir noch keine grossen Gedanken gemacht. Die Frage stellte sich gar nicht, weil Kroatien mich noch nicht angefragt hat. Ich möchte mich auf Schalke konzentrieren und versuchen dort regelmässig zu spielen.

Ihr Berater Otto Luttrop sagte uns, der Nationen-Entscheid sei Ihre Sache, aber er würde die Schweiz empfehlen. Wie sieht das Ihr engeres Umfeld, beispielsweise Ihre Eltern?
Ich habe auch mit meinen Eltern noch nicht darüber gesprochen. Ich glaube aber, sie hätten Freude, wenn ich für die Schweiz spielen würde. Sie wohnen schon lange hier und wollen auch in der Schweiz bleiben, weil es ihnen hier gefällt.

Apropos Ihre Eltern: In bosnischen Medien war zu lesen, dass Bosniens Trainer Safet Susic Sie aufbieten würde, wenn Sie einen bosnischen Pass hätten. Was ist da dran?
Meine Eltern sind in Bosnien-Herzegowina geboren. Sie sind aber Kroaten. Ich besitze den bosnischen Pass nicht und werde diesen auch nicht beantragen. Ich habe den schweizerischen und den kroatischen Pass. Das reicht mir.

Ivan Rakitic – der bis im Januar bei Schalke spielte – entschied sich vor Jahren für Kroatien und gegen die Schweiz. Auch Mladen Petric ging diesen Weg. Haben Sie mit den beiden Spielern schon über die Nationalmannschaft gesprochen?
Petric kenne ich nicht, Rakitic ist ein guter Freund. Wir telefonieren ab und zu. Ich freue mich für ihn, dass es ihm bei Sevilla gut läuft. Wir unterhalten uns aber selten über die Nationalmannschaft. Er hat mir gesagt, dass es mein Entscheid sei.

Die Schweiz spielt am 26. März gegen Bulgarien. Hoffen Sie auf ein Aufgebot?
Daran denke ich nicht. Wie gesagt, ich möchte mich bei Schalke durchsetzen. Die Schweiz steckt in einer schwierigen Situation und muss gegen Bulgarien gewinnen und auch gegen England sollte sie nicht verlieren. Hitzfeld erklärte schon in Malta, dass er momentan wenig Neues versuchen kann und mehr oder weniger auf die Spieler setzt, welche in Malta dabei waren. Aber natürlich hoffe ich, dass ich mich mit guten Leistungen in der Bundesliga für die nächste Saison empfehlen kann.

Dann sprechen wir doch noch über Schalke. Momentan gibt es ziemliche Unruhen wegen Felix Magath. Wie bekommen Sie diese mit?
Was da geschieht, müssen andere entscheiden. Magath hat mit dem Champions-League-Viertelfinals und dem Pokal-Finale einiges erreicht. Ich konzentriere mich aber auf den Fussball und möchte mich in die Stammelf kämpfen.

Der Weg dorthin wird – vor allem wenn Klaas-Jan Huntelaar zurückkehrt – nicht einfach.
Das ist mir bewusst. Aber ich möchte spielen – auch wenn er wieder zurück ist.

Werden Sie am Samstag gegen Frankfurt spielen?
Das weiss ich noch nicht. Ich hoffe es natürlich. Huntelaar ist noch nicht 100-prozentig fit. Aber man weiss nie.

Das 2:1 von Mario Gavranovic gegen Valencia

(Quelle: Sat1)