Joggeli-Greenkeeper

19. April 2019 19:44; Akt: 19.04.2019 19:44 Print

«Ich habe den schönsten Rasen der Schweiz»

von Matthias Gröbli - Marc Studach (45) ist der Hüter des heiligen Grashalms im Basler St.-Jakob-Park. Er liebt seine Arbeit – doch Helene Fischer und Regen können sie zunichtemachen.

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Marc Studach (45) ist Leiter Greenkeeping beim FC Basel und als solcher mit seinem Team verantwortlich für den Rasen im St.-Jakob-Park. Die Länge der Grashalme auf dem Spielfeld soll genau 24 Millimeter betragen. Unter der Muttenzerkurve befinden sich die benötigten Gerätschaften. Mit Spezialmähern wird das Terrain im Streifenmuster gemäht. Das hilft dann den Schiedsrichtern beim Entscheiden über Offside-Situationen. Alle Rasenmäher werden von Hand geschoben. Die Fläche des Spielfelds beträgt 7200 Quadratmeter. Bei der Arbeit im Stadion ... ... ist Präzision gefragt. Ein solches Bild bekommen die Rot-Blau-Fans in der Regel im Stadion nicht zu sehen. Marc Studach demonstriert die Arbeit mit der Zeichnungsmaschine. Mit einer englischen Spezialmaschine werden die Linien mit Hilfe von Lasertechnik gezeichnet. Zur Regeneration von beanspruchten Rasenbereichen kommen Wachstumszelte zum Einsatz. Studach kontrolliert die Anzeige eines Zelts im Strafraum. Der Chef-Greenkeeper hat zuvor mehrere Jahre als Werkhofleiter gearbeitet. In den Wachstumszelten müssen die perfekten Bedingungen für die Rasen-Regeneration herrschen. CO2-Gehalt, Temperatur, Feuchtigkeit und Licht werden angezeigt. Ein Blick ins Innere des Zelts. Die Mustersäule zeigt an, was sich zwischen der Rasensode und der Betondecke der Tiefgarage befindet. Um Wind und Sonnenlicht im Stadionkessel zu simulieren, kommen Ventilatoren und UV-Lampen zum Einsatz. Einer der acht grossen Ventilatoren. Marc Studach ist seit 2011 für das Greenkeeping im Joggeli verantwortlich. Marc Studach als Schaltstelle: Manchmal sind schnelle Entscheide gefragt. Das Tor zur Werkstatt unterhalb der FCB-Fankurve. Hier verrichtet der gelernte Metallbauschlosser Studach auch nötige Unterhaltsarbeiten. Die Tafel oberhalb der Werkbank erinnert an den Europa-League-Final 2016 im St. Jakob-Park zwischen Liverpool und Sevilla (1:3). Ein Blick in die Maschinenhalle. Die sechs Hand-Spindelmäher. Ehre, wem Ehre gebührt: Uefa-Gütesiegel für den St.-Jakob-Park.

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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Zwei Tage nach dem Match des FC Basel 1893 gegen den FC Lugano und vier Tage vor dem Heimspiel gegen die Grasshoppers wird der Rasen des St.-Jakob-Parks gepflegt. In den beiden Strafräumen steht je ein so genanntes Wachstumszelt. LED-Lampen, eine Heizung und Kohlendioxid sorgen darin dafür, dass sich der Rasen optimal regenerieren kann.

Marc Studach (45), als Leiter Greenkeeping seit 2011 für die Unterlage im Joggeli verantwortlich, kontrolliert die Digitalanzeige am Zelt. Alles im Grünen. «Der Strafraum ist der am meisten beanspruchte Bereich des Spielfelds», erklärt der Laufentaler. Je nach Schäden, die Stollen verursacht haben, kommen die Zelte auch anderswo zum Einsatz.


Marc Studach ist seit 2011 als Leiter Greenkeeping für den Joggeli-Rasen verantwortlich. (Bild: Stevan Bukvic)

Doch diesmal braucht der Rasen keine Intensivpflege. Der Match gegen Lugano hat lediglich die üblichen Spuren hinterlassen. Die kleinen Löcher überall auf dem Feld sind gestopft und mit einer Handvoll Saatgut versorgt worden. Bei grösseren Schäden wird der betreffende Teil sauber ausgestanzt und ein Stück Rasensode eingesetzt. Es sind drei Zentimeter dicke Rasenpflaster, die in einer speziellen Anlage ausserhalb des Stadions gezüchtet werden und wie in einem Ersatzteillager ständig zur Verfügung stehen.

Marc Studach über seinen Job und schöne FCB-Tore. (Video: Stevan Bukvic/Philipp Stirnemann)

Um für das Spielfeld im Stadionkessel Sonne und Wind zu simulieren, kommen regelmässig Batterien von UV-Lampen und grosse Ventilatoren zum Einsatz. Ausserdem wird der Rasen vier- bis fünfmal im Jahr besandet, alle zwei Woche erfährt er eine Tiefenlockerung und wird pro Quartal einmal übersät. Und natürlich wird er von Studach und seinen vier ständigen Mitarbeitern regelmässig gemäht. Wenige Stunden vor einem Spiel werden die Halme noch einmal auf genau 24 Millimeter Länge getrimmt. Ein kurzer Schnitt ermöglicht schnelleres Spiel, bessere Ballkontrolle.

«Der Rasen ist ein Spitzensportler»

«Der Rasen ist ein Spitzensportler», sagt Marc Studach. «Er wird ständig stark beansprucht und ist deshalb auch anfälliger für Krankheiten.» Der Chef-Greenkeeper und sein Team, das auch für die Trainingsplätze und unterstützend für den Nachwuchs-Campus sowie einen Grossteil der Unterhaltsarbeiten im Stadion verantwortlich ist, müssen deshalb auch immer ein Auge auf möglichen Pilzbefall des Rasens haben – ein verbreitetes Problem in Fussballstadien. Studach und seine Berufskollegen von anderen Clubs tauschen sich deshalb regelmässig aus. «Natürlich kommt in einem solchen Fall auch Fungizid zum Einsatz», sagt der Greenkeeper. «Aber ich übertreibe es nicht. Der Rasen soll sein natürliches Abwehrsystem behalten.»

Selbstredend verfügt der FC Basel und damit auch Studach nicht über die finanziellen Mittel wie etwa Paris St-Germain, das sich den britischen Star-Greenkeeper Jonathan Calderwood mit 20’000 Euro Monatsgehalt leistet.

Der Krösus


Sei es in Wimbledon, auf den Golf-Courts oder im Fussball: Die Briten sind die Branchenleader, wenn es um die Pflege von Rasen geht. Allen voran Jonathan Calderwood (43): Der Nordire arbeitete jahrelang als Chef-Greenkeeper bei Aston Villa und ist seit 2013 bei Paris St-Germain als Groundsmanager tätig. Zweimal wurde er bereits als Bester seines Fachs in Frankreich ausgezeichnet. Im Schlaraffenland der katarischen Geldgeber verdient er 20'000 Euro im Monat und ist damit der Krösus unter den Greenkeepern. Nach Fertigstellung des neuen Trainingsgeländes Camp des Loges wird er 55 Angestellte in seinem Team haben. (mg/Bild: AFP)


Doch auch der koche nur mit Wasser, sagt Studach. «Er hat halt noch mehr Lampen, noch mehr Ventilatoren, noch mehr dies und das. Aber ich habe hier alles, was ich brauche», so der FCB-Greenkeeper. «Calderwood würde den Job hier in Basel wahrscheinlich auch nicht besser machen als ich.» Dennoch die Frage: Wäre es für Marc Studach ein Traum, ein Angebot von PSG zu erhalten? «Ich glaube nicht, dass ich nach Paris gehen würde. Sowieso nicht nur wegen des Geldes. Ich bin verwurzelt hier und habe einen wunderbaren, abwechslungsreichen Job», antwortet er.


Alle Rasenmäher werden von Hand geschoben. (Bild: Stevan Bukvic)

«Hier in Basel kann ich in Ruhe arbeiten. In Paris würde es mir wohl nicht gefallen. Ich würde nicht einfach nur Hälmli biegen wollen.» Und meint damit: Calderwood lässt ein grosses Team für sich arbeiten und ist selber kaum an der Rasenfront im Einsatz.

«Nach dem Helene-Fischer-Konzert mussten wir den ganzen Rasen ersetzen»

Bei allem Herzblut für seine Arbeit im grössten Stadion der Schweiz gibt es für Studach und sein Team auch die ganz bitteren Momente. Etwa dann, wenn er mit ansehen muss, wie sein liebevoll gepflegter Rasen während einer 90-minütigen verregneten Schlammschlacht übel zugerichtet wird. So geschehen am 12. November 2017, als sich die Schweizer Nationalmannschaft gegen Nordirland mit dem 0:0 in Basel zwar für die WM in Russland qualifizierte, der Joggeli-Rasen danach aber ersetzt werden musste. Und zwar schnell, denn nur zehn Tage später stand das Uefa-Champions-League-Spiel gegen Manchester United an.


Nicht nur der Regen, auch Helene Fischer kann für Studach zum Albtraum werden. Nach dem Konzert im vergangenen Juli im St. Jakob-Park musste erneut ein neuer Rasen her. Weil es im Joggeli im Gegensatz etwa zum Zürcher Letzigrund-Stadion keine Tartanbahn rund um das Spielfeld gibt, hinterliessen die für die Sattelschlepper verlegten Ladeplatten sowie die Schwerlast-Platten für die Bühne irreversible Schäden.

«Wir mussten den ganzen Rasen ersetzen», so Studach. «Alles andere wäre untaugliches Flickwerk gewesen.» Die Gesamtkosten von ungefähr einer Viertelmillion Franken für die Neuverlegung des Rasens musste der FCB glücklicherweise nur teilweise übernehmen.


Präzision ist gefragt: Der Greenkeeper demonstriert den Einsatz der Zeichnungsmaschine. (Bild: Stevan Bukvic)

«Ich pflege den Joggeli-Rasen, wie wenn es mein eigener wäre»

Doch auch die neue Unterlage aus deutsch-holländischer Zucht erfährt die gleiche hingebungsvolle Betreuung durch Marc Studach und dessen Team wie jene, die wegen Helene Fischer ins Gras beissen musste.

«Ich pflege den Joggeli-Rasen, wie wenn es mein eigener wäre», sagt der gelernte Metallbauschlosser und ausgebildete Greenkeeper. Und er hofft, dass er so bald nicht wieder einen «Totalschaden» des Joggeli-Grüns miterleben muss.


Der Basler St.-Jakob-Park ist das grösste Stadion der Schweiz. (Bild: Stevan Bukvic)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wigorand am 19.04.2019 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Helene Fischer

    Und ich dachte zuerst, der Rasen hätte wegen ihres Gesangs so gelitten.

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  • Walter Borpa am 19.04.2019 20:12 Report Diesen Beitrag melden

    Trostpreise

    Ich stelle mir grad vor, wie Streller, Frei, Stocker und Burgener auf diesem herrlichen Rasen hocken und jassen.

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  • Condorman am 19.04.2019 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vom Fach

    der Schönste Rasen was nützt das wenn nicht gut genug gespielt wird und nicht mehr Meister Werden? Trotzdem verstehen sie etwas von eurem Metier und das mag ich gönnen!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Avicii am 20.04.2019 16:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Congrats!

    Super Bisler! Ihr könnt ja auch etwas was mit dem Sport zu tun hat. Gratulation!

  • BananeBieger am 20.04.2019 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Basel

    Ich bin der grösste FCB Fan und seit etwa einem Jahr auch YB-Sympathisant und seit einer Woche nun auch offiziell YB-Fan. Ich fand den Joggeli Rasen am besten als wir Man City und Bayern aus der CL eliminieren konnten. Mo Elyou und Vali hatten es damals allen gezeigt. Ich muss aber zugeben, dass auch YB einen schönen Rasen hat. Ich würde dort gerne mal mit meinem Sohn und mittlerweile leidenschaftlichem Rasenmäh-Gehilfen gärtnern gehen.

    • Voyeur am 20.04.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

      Kunstrasen

      Da möchte ich dabei sein, wenn ihr versucht einen Kunstrasen zu mähen!

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  • Tom am 20.04.2019 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Top

    Top Maa, alles fescht im Griff, ich bi immer gärn bi ihm gseh mit Quarzsand, Sand. ex Surer. Lg Tommy

  • Nirmal Soh am 20.04.2019 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Einsatz...

    Ach so, die Spieler hatten bloss Angst den schönen Rasen kaputt zu machen. Darum kein Kampf in den Spielen

  • Diego am 20.04.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötig..

    so ein riesen Aufwand wegen einem Rasen.. traurig..