«Jetzt bin ich schlecht?»

12. Dezember 2019 12:17; Akt: 12.12.2019 17:03 Print

Favre wehrt sich gegen die Kritik

von Eva Tedesco - Der Schweizer BVB-Trainer sagt, dass er nicht nachvollziehen könne, wie schnell Trainer an den Pranger gestellt würden. Eine Spitze gegen seine Kritiker ist auch dabei.

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Als Favres Endspiel bezeichneten die Medien das Auswärtsspiel gegen die Hertha am 30. November und reichten bereits Namen von möglichen Nachfolgern herum. Favre liess sich nie aus der Reserve locken, äusserte sich kaum zu seiner Situation. Keine zwei Wochen später liegt der BVB auf Rang 3 in der Bundesliga und ist im Frühjahr in der Champions League und im Pokal noch dabei. Es scheint alles wieder im Lot und so Favre gab im Interview mit der «SportBild» gutgelaunt Auskunft. Eine Spitze an seinen Kritiker konnte sich der 62-Jährige nicht verkneifen. Auszüge aus dem Interview:

«Vor einem Jahr war ich gut, und jetzt bin ich schlecht?»
Friedhelm Funkel verteidigte Favre. Mit 505 Spielen ist der aktuelle Coach von Fortuna Düsseldorf der erfahrenste Bundesligatrainer derzeit und sagte, dass er es schlimm findet, wie mit Favre umgegangen werde. Er brach eine Lanze für den Trainerkollegen: «Das ist kaum auszuhalten. Wir müssen auch mal an den Menschen denken.» Favre sagte zu der ganzen Trainerdiskussion nur, dass die Welt völlig verrückt geworden sei. «Vor einem Jahr war ich gut, und jetzt bin ich schlecht? Soll das die Wahrheit sein? Ich habe Mühe, das zu glauben.»

«Es ist schwer, Storys zu verkaufen, wenn es nicht mal ein bisschen Blut gibt.»
Die Medien sind heute sehr schnell negativ und der Mensch habe grundsätzlich das Problem, einen Schritt zu weit zu gehen, so Favres Ansicht. Alles müsse immer schneller, höher, weiter sein. «Ich beschäftige mich aber kaum damit. Ich schaue nach vorn und und vertraue mir selbst – das ist am Wichtigsten.»

«Ich habe die gleiche Philosophie wie Rafael Nadal.»
An sich selber gezweifelt habe Favre nie. «Ich habe die gleiche Philosophie wie Rafael Nadal. Er sagt: Ich gewinne oder verliere , aber ich werde mich in jedem Spiel weiterentwickeln – und dann kommt der Rest automatisch.» Wenn man 100 Prozent – nicht nur 90 – gebe, wird man langfristig Erfolg haben, so der 62-Jährige.

«Alex Ferguson ist immer zu Pferderennen gegangen.»
Um zu entspannen, brauche jeder Trainer ein Hobby, gab Favre zur Antwort auf die Frage, wie man den Druck ausblenden könne. Er braucht dazu ein Beispiel von Sir Alex Ferguson, der während seiner Zeit als Trainer von Manchester United immer zu Pferderennen ging, um abzuschalten. Und Favre? «Ich bin gerne in der Natur, interessiere mich sehr für ökologische Fragen , wie wir in Zukunft leben wollen.» Aber derzeit reiche seine Zeit nicht einmal dazu, ein Buch zu lesen.

«Du ärgerst dich und musst dich total beherrschen.»
Es sei ihm bewusst, dass die Medien manchmal denken, dass er sie nicht mag. Aber das sei nicht die Wahrheit. Er respektiere jeden Menschen. «Natürlich ist es manchmal schwer, auf provokante Fragen zu antworten und ruhig zu bleiben, wenn es nicht läuft. Du bist unter Druck, ärgerst dich und musst dich total beherrschen. Aber Sie kennen mich: Ich kann lachen, ich kann feiern. Es bleibt manchmal nur zu wenig Zeit, dass mich alle wirklich kennenlernen.» Allerdings: Beherrschen musste er sich in den letzten Wochen häufiger, denn er stand arg im Gegenwind.

«Ich vertraue mir.»
Der Vorwurf von Experten, Medien und Fans war, dass Favre kein Titel-Trainer sei. «Ich habe gelernt, dass man auch weniger fundierte Meinungen akzeptieren und damit leben muss», so Favre in der «Sport Bild». Er habe keine Sekunde lang das Gefühl gehabt, gefeuert zu werden. «Ich vertraue mir», begründete er das.

«Im Fussball geht es manchmal schnell.»
«SportBild» zeigte Favre erst ein Foto von Jürgen Klopp mit Meisterschale. Dann Favre mit derselben Schale in der Hand. Dem ehemaligen Meistertrainer mit den FC Zürich gefiel die gelungene Bildmontage. Er gefalle sich mit der Schale in der Hand sogar einen Tick besser als das Original, sagte er lachend und Klopp habe nach drei Jahren den ersten Titel mit dem BVB gewonnen. «Das Gute ist: Im Fussball geht es manchmal schnell. In Zürich waren wir 2003 nach sechs Monaten Tabellenletzter mit einer Mannschaft, die im Schnitt 21,5 Jahre alt war. In den Jahren danach haben wir den Pokal geholt, wurden zweimal Meister.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klara am 12.12.2019 14:37 Report Diesen Beitrag melden

    Bad news sells

    Die Medien leben von schlechten Nachrichten - daher wird alles erst einmal richtig mies gemacht. Wer es sich antut und Artikel bis zum Ende liest, wird meist erfahren, dass alles nur halb so schlimm war, als der reisserische Titel vermuten lässt.

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  • Zuger am 12.12.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Trainergott Favre

    Um nach Urzeiten diesem Pendlerblättchen auch wiedermal einen Besuch abzustatten gleich noch einen Commi: Herr Favre soll doch wieder zum FCZ zurückkehren, solch einen Meistertitel hats weltweit nur sehr wenige male gegeben. Nachdem man schon abgemeldet war mit 9 Punkten Rückstand noch aufgeholt, obwohl es alle für unmöglich hielten. Nur um dann im letzten Spiel, in der allerletzten Sekunde, in der 93., als die Korken der Basler schon entzapft waren, noch den Einwurf und Rumänen beim Tor zu sehen: Stahel, Pescu, der Rest ist Geschichte...

  • J K am 12.12.2019 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Skandalpresse

    Die Bildzeitung ist so ziemlich das schlimmste Blatt das es gibt ,nicht nur im Sport sondern immer under der Gürtellinie

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sehnsucht 6 7 am 13.12.2019 08:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medien halt.

    Das ist immer so , die Medien brauchen negative Schlagzeilen und wenn keine da sind werden welche erfunden. Ein gutes Beispiel ist Petkovic der von einer namhaften Zeitung dazu aufgefordert wird aufzuhören und dem Schweizerischen Fußballverband druck macht, dabei sprechen die Statistiken eine ganz andere Sprache. Die Reaktionen der Medien ist allgegenwärtig, wenn man spurt dann ist man der Hero und wenn man halt nicht spurt wird man in der Presse fertig gemacht.

  • mm am 13.12.2019 05:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bei Vereinen wie Bayern oder Dortmund

    verliert man einmal und es ist die Rede von einer Krise... das ist völlig normal/abnormal...

  • Leo am 12.12.2019 17:20 Report Diesen Beitrag melden

    Die fremden sind für sie pinatz

    Für die deutschen und vorallem die medien/leute gib es nur die eigenen deutschen trainer wie klop tuchel nagelsmann die drei dass sind ihre lieblinge und besten trainer der welt...meinen sie. Es stimmt halt doch und immer wieder dass deutsche volk ist dass arroganteste menschlich lebewesen diese welt.

    • Badener am 12.12.2019 20:41 Report Diesen Beitrag melden

      Leo,die Schweizer Stimme?

      Jetz mal Ehrlich,andersherum ist doch wohl dasselbe,weil seit wann wird etwas gut geheißen was ein Deutscher macht.Wenn du wissen willst was seriös in D über CHler gedacht wird lies z.B. Den Kicker.Nur eines muss Dir mal wirklich klar werden,eine solche Abneigung wie viele in der Schweiz Gegen Deutsche haben,gibt es andersherum nicht.

    • Badener am 12.12.2019 20:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Leo

      Kovac von meinen Bayern nicht vergessen! Vermisse Ihn jetzt fest!

    • Danny am 12.12.2019 22:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Badener

      Kommt auch von wo her, das die Düüütschen Arrogant sind! Wie Deine Bayern eben auch!

    • Badener am 12.12.2019 22:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Danny

      Und du meinst jetzt dein Kommentar,über den FC Bayern der überhaupt nichts mit dem Artikel über Lucien Favre zu tun hat ist nicht Arrogant?

    • Sehnsucht 6 7 am 13.12.2019 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Badener

      Ach nimm es locker . Auch in Sachen Architektur und Bauweise loben sich die deutschen in den Himmel. BER, Stuttgart 21 und Elbphilharmonie sind Beispiele dafür. Sie haben die besten Torhüter, Spieler, Trainer, etc . hab ich noch was vergessen?

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  • Goalgetter am 12.12.2019 17:03 Report Diesen Beitrag melden

    Favre und der BVB

    sind wieder in der Schiene! zur Winterpause verstärkt sich der BVB wie von Watzke bereits angekündigt auf der 9er Position (Haaland) und evt. im ZM (Can?), plötzlich feiert Favre mit dem BVB den Meistertitel, und schon wird Favre zum Coach des Jahres gewählt.

    • Rarco Meus #11 am 12.12.2019 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Goalgetter

      Can btaucht der BVB nicht, ist kein ZM Spieler, def oder IV, und da ist der BVB gut aufgestellt, denke ich. Nur der BVB, freue michvauf Haaland!

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  • Ues am 12.12.2019 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    Trainer

    Immer ist der Trainer schuld. Fussball bleibt ein Dreckgeschäft.