13. Mai 2006 19:49; Akt: 14.05.2006 09:29 Print

«Ich kann nicht raus, sonst bin ich tot»

Hässliche Ausschreitungen nach der Finalissima: Iulian Filipescu, der den FCZ ins Meisterglück geschossen hatte, wurde kurz nach Abpfiff von FCB-Fans attackiert. Danach gab es für die Basler Hooligans kein Halten mehr: Bis spät nach Spielende konnten die Spieler des FCZ das Stadion nicht verlassen.

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Was sich unmittelbar nach der Entscheidung in Basel zutrug, ist in als eines der dunkelsten Kapitel im Schweizer Klub-Fussball einzureihen. Blind vor Hass stürmten Hooligans nach dem Schlusspfiff aufs Feld. Den Zürcher Spielern blieb zunächst keine Minute, den grössten Triumph ihrer Karriere zu geniessen. Auf dem Rasen spielten sich unbeschreibliche Jagdszenen ab. Matchwinner Filipescu wurde mehrfach von ganzen Horden tätlich angegriffen. Einige FCZler flüchteten gar zur Fan-Kurve des Zürcher Anhangs. Erst ein massiver Tränengas- und Gummischroteinsatz der Polizei verhinderte noch schlimmere Bilder. Ausserhalb des Stadions lieferten sich unverbesserliche Chaoten eine Strassenschlacht.

Tränengasnebel vor dem Stadion

Über Stadionlautsprecher wurden die Randalierenden zur Fairness aufgerufen. Doch bereits vor dem Stadion kam es im strömenden Regen wieder zu Ausschreitungen. Die Polizei ging mit einem Wasserwerfer gegen Leuchtpetarden, Steine und Flaschen werfende Randalierer vor. Viele Eltern versuchten mit ihren Kindern, möglichst unbehelligt abzuziehen.

Die Tumulte rund um den St. Jakob-Park hielten auch in den späteren Abendstunden noch an. Die Gegend war mit Tränengasschwaden vernebelt. Über Verletzte ist bisher nichts bekannt. Mehrere Ambulanzen fuhren aber mit Blaulicht durch die Stadt.

Viele Matchbesucher strömten ins Stadion zurück. Der Stadionsprecher forderte die im Inneren noch wenige hundert Anwesenden auf, weiter auszuharren. Das Stadion sei zur Zeit der sicherste Ort für sie. Die Basler Verkehrsbetriebe stellten den Trambetrieb bis Betriebsschluss ein.

Spieler flüchteten in die Garderoben

Die Zürcher Spieler flüchteten nach Spielschluss in die Garderobe und verschanzten sich darin. Steve von Bergen äusserte gegenüber SF, dass er sich nicht hinaustraue, «sonst bin ich tot».

Iulian Filipescu wurde von FCB-Randalierern mit Fusstritten traktiert, woraufhin er sich zur Wehr setzte. Die FCB-Randalierer setzten nach und schossen eine Petarde auf den Matchwinner ab. Die Polizei konnte ihn erst danach in Schutz bringen.


(pat/mat/si)