Kelly Smith

28. Juni 2011 22:37; Akt: 28.06.2011 23:17 Print

«Ich soff bis zum Umfallen»

von Andy Huber - Sie gilt als eine der besten Spielerinnen der Welt: Doch Englands Stürmerin Kelly Smith musste zuerst den Kampf gegen den Alkohol gewinnen.

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Englands Topskorerin Kelly Smith (l.) war dem Alkohol verfallen. (Key)

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WM-Fahrerin Smith hat in ihrer langen, erfolgreichen Karriere für ihr Land bisher in 106 Spielen 43 Tore erzielt, ist damit Rekord-Torschützin, brach viele weitere Bestmarken und bekam dafür 2008 von Queen Elizabeth II. den britischen Verdienstorden MBE. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille im Leben der gross gewachsenen Blondine. Weil die Söldnerin von den Boston Breakers vor neun Jahren einen tiefen Bruch in ihrem Leben erlitt. Sie kickte in der damaligen Profi-Liga WUSA für Philadelphia Charge, schoss Tor um Tor – bis sie sich das Kreuzband riss.

«Dann kam plötzlich die grosse Leere», gestand Smith: «Um elf Uhr morgens war die Physio fertig und ich hatte nichts zu tun, war allein, weit weg von der Familie. Ich war dermassen frustriert, dass ich zu trinken begann.» Es wurde immer schlimmer: «Ich soff ­jeden Tag bis zum Umfallen Wodka und bekam Depressionen.» Erst ein Beinbruch 2004 habe ihr die Augen geöffnet: «Da wusste ich, dass ich ein Alkoholproblem habe.»

Kelly kehrte auf die Insel zurück und unterzog sich in der Sporting Change Clinic des Ex-Internationalen Tony Adams, der früher ebenfalls ein Trinker war, einer Entziehungskur. Mit Erfolg. «Ich hoffe, dass ich meine Sucht für immer überwunden habe», sagt Smith. Für sie ist klar: Auch wenn die Engländerinnen ihr Startspiel gegen Mexiko (1:1) verhauen haben, will sie an der WM in Deutschland und danach nur noch einen Rausch erleben – den Tor-Rausch.