Haris Seferovic

24. Januar 2019 13:54; Akt: 24.01.2019 16:18 Print

«In Portugal nennen sie mich Styropor»

von Eva Tedesco - Für Haris Seferovic läuft es wie am Schnürchen. Im Interview erklärt der Nati-Stürmer, warum er bei Benfica nie aufgegeben hat.

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Seferovic trifft für Benfica Lissabon regelmässig. Der bald 27-Jährige ist so gut in die Saison gestartet wie noch nie: Wettbewerbsübergreifend hat er bis Januar 2019 bereits elf Tore erzielt. Der Mann des Spiels: Im entscheidenden Nations-League-Spiel gegen Belgien im November 2018 schiesst Seferovic beim legendären 5:2-Heimsieg gegen die Weltnummer 1 Belgien drei Treffer. So darf die Schweiz 2019 im Juni am Final-Four-Turnier der Nations League in Portugal teilnehmen und trifft dort im Halbfinal auf den Gastgeber. In der Nations League läuft der Mann aus Sursee heiss. Er trifft gegen Island zweimal, einmal zuhause beim 6:0 und einmal beim 2:1-Sieg in Island. Nati-Trainer Petkovic hält auch an der WM 2018 in Russland an seinem Stürmer fest. Seferovic kommt in drei von vier WM-Partien zum Einsatz, trifft aber nicht. Zwar startet Seferovic 2017 gut ins Abenteuer Benfica, es geht aber nicht im gleichen Stil weiter. Die Portugiesen scheiden in der Champions League sang- und klanglos aus, unter anderem wegen zwei Niederlagen gegen den FC Basel (0:5 in Basel, 0:2 in Lissabon). Und auch der Stürmer kommt nicht mehr regelmässig zum Einsatz. Zwar spielt die Schweiz im November 2017 in der Barrage zuhause 0:0 gegen Nordirland und qualifiziert sich so für die WM 2018, aber die Fans sind trotzdem nicht zufrieden. Stürmer Seferovic, der viele Chancen ausgelassen hat, wird in Basel ausgepfiffen. Der Luzerner legt in seiner ersten Saison für Benfica gleich los wie die Feuerwehr. In den ersten drei Meisterschaftspartien trifft er dreimal - je einmal pro Spiel. Nach drei Jahren in Frankfurt wechselt Haris Seferovic im Sommer 2017 ablösefrei von Eintracht Frankfurt zu Benfica Lissabon. Der Nati-Stürmer unterschreibt beim portugiesischen Meister einen Fünfjahresvertrag mit einer festgeschriebenen Ablöseklausel von 50 Millionen Euro. Trainer Niko Kovac, der im März 2016 die Nachfolge von Armin Veh antritt, macht aus der Eintracht ein Kollektiv. Der ehemalige Bayern-Profi sei sehr streng, aber ein guter Typ, der auch wisse, wann er lockerer lassen müsse, sagt Seferovic. Immens wichtig: Eintracht Frankfurt bleibt im Frühling 2016 dank eines Treffers von Haris Seferovic in der 1. Bundesliga. Das Abenteuer Bundesliga beginnt am 1. August 2014. Der damals 22-jährige Nationalstürmer unterschreibt einen Dreijahresvertrag in Frankfurt. Zuvor spielt der Luzerner eine Saison bei Real Sociedad San Sebastian in der Primera División. Dort kann sich Seferovic aber keinen Stammplatz erkämpfen. Auch in der Serie A war der 22-Jährige bereits tätig. Bei der AC Fiorentina steht er zwischen Januar 2011 und Juli 2013 unter Vertrag, wird während dieser Zeit aber an Lecce, Novara und Neuchâtel Xamax ausgeliehen. In Neuenburg spielt der Stürmer während sechs Monaten. In der A-Nationalmannschaft läuft Seferovic erstmals im Februar 2013 auf. Seferovic gehörte zur legendären U17-Nationalmannschaft, die 2009 den WM-Titel holte.

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Im Ligacup blieb Haris Seferovic am Dienstag gegen Porto (1:3) im neuen Jahr erstmals ohne Erfolgserlebnis. In der Meisterschaft läuft es für den Surseer aber wie geschmiert. Seferovic steht bei acht Toren (15 Spiele). Im Schnitt trifft der 26-jährige Stürmer von Benfica Lissabon alle 100 Minuten das Tor. Nur Bas Dost ist effizienter. Der Sporting-Angreifer braucht im Schnitt 95 Minuten für einen Treffer. Die Torausbeute des Schweizer Nationalspielers wettbewerbsübergreifend liegt in der laufenden Saison schon bei elf Toren.

«Wenn es läuft, traut man sich auch mehr zu»

Haris Seferovic, kann man sagen: Wenn es läuft, dann läuft es? (lacht) Ja, das kann man so sagen. Aber ich glaube, dass harte Arbeit immer belohnt wird. Mit Fleiss und Glück bekommt man alles wieder zurück, wofür man hart arbeitet. Wenn es läuft, traut man sich auch mehr zu. Die Tore tun mir gut, auch wenn es am Dienstag nicht geklappt hat.

In Lissabon nennt man Sie neuerdings «Esferovite». Was bedeutet das? (lacht) Ich weiss es nicht. Meine Portugiesischlehrerin sagte mir, es bedeutet Styropor. Ich habe keine Ahnung was damit gemeint ist.

Aber Sie können sich sicher erinnern, wann und ob Sie je so früh in einer Saison ähnlich erfolgreich waren vor dem Tor? Ja - noch nie. Bei der Eintracht hatte ich in der Saison 2014/15 auch elf Tore auf dem Konto. In der Bundesliga waren es damals zehn Treffer und acht Assists. Aber ich habe mehr Spiele gebraucht.

Haben Sie noch Kontakte nach Frankfurt? Klar, ich verfolge die Bundesliga natürlich und freue mich sehr über den aktuellen Erfolg der Eintracht mit ihren tollen Fans. Das ist Wahnsinn was die in dieser Saison abliefern. Und ja, ich habe auch mit dem einen oder anderen Spieler noch Kontakt.

«Ich wusste, dass ich mich durchsetzen kann»

Zurück zur Benfica. Sie sind geblieben, obwohl Sie phasenweise fast gar nicht gespielt haben. Wie gross muss Ihr Selbstvertrauen sein, in so einer Situation nicht aufzugeben?Selbstbewusst bin ich auf jeden Fall. Ich wusste, dass ich mich durchsetzen kann. Deshalb bin ich geblieben und habe weiter hart an mir gearbeitet. Jetzt bekomme ich meine Minuten und mache auch meine Tore.

Ganz ehrlich, haben Sie wirklich nie daran gedacht, aufzugeben?Ich habe nie daran gedacht, aufzugeben. Aber ich glaube, dass jeder in so einer Situation einmal an einen Clubwechsel nachdenkt. Aber ich hatte das Gefühl, dass ich es schaffen werde.

Hatten Sie in dieser schwierigen Zeit Unterstützung?Meine Verlobte und meine Familie stehen immer hinter mir, geben mir Kraft und stärken mich in meinem Selbstvertrauen. Sie sind immer für mich da, auch wenn es mal nicht gut läuft. Nach den Spielen spreche ich viel mit Amina und auch mit meinem Vater. Das hilft mir sehr.

Worum geht es in diesen Gesprächen?Sie sagen mir, was gut war oder was ich besser machen kann. Auch in welcher Szene ich schiessen hätte können oder eine Chance hätte nützen müssen, wenn ich mich anders verhalten hätte. Solche Dinge, aber halt nicht aus der Sicht des Trainers, sondern aus einem anderen Blickwinkel.

«Dafür bin ich Vladimir Petkovic sehr dankbar»

Welche Rolle hat Nati-Trainer Vladimir Petkovic gespielt?Der Trainer war für mich sehr wichtig, denn er hat immer an mich geglaubt, mich bestärkt und er hat mir die Chance gegeben, zu spielen und mich zu beweisen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar.

Inzwischen spielen Sie auch bei Benfica immer. Kann sich das ändern, wenn Jonas, der letztjährige Topskorer, von einer Verletzung zurückkehrt?Wir haben viele Stürmer bei Benfica. Ich muss mich jeden Tag beweisen. Das ist nun mal so im Fussball. Man hat nie einen Stammplatz auf Garantie.

Aber Portugals grösste Sportzeitung «A Bola» schrieb, dass Sie mit João Félix ein «höllisches Duo» bilden. Verstehen Sie sich mit ihm speziell gut?João ist ein super Techniker und ein Spieler, der einen sehr guten letzten Ball spielen kann. Zudem ist er vor dem Tor eiskalt. Ich weiss nicht wieso, aber es passt einfach zwischen uns. Wir verstehen uns blendend auf dem Platz.

Das wirkt sich auf die Tabelle aus. Aktuell beträgt der Rückstand auf Leader Porto nur fünf Punkte. Träumt Benfica vom Titel?Natürlich wollen wir den Titel. Aber es nützt nichts, zu träumen. Wir müssen unsere Spiele gewinnen. Dafür braucht es jeden Spieltag eine Topleistung und das schaffen wir nur, wenn wir konzentriert bleiben.

«Auch in der Nati müssen wir uns weiter verbessern»

Das wäre ja ein Ding, wenn Sie bis Juni Ihre blendende Form behalten und als Meister im Final-Four-Turnier der Nations League mit der Nati gegen Portugal spielen könnten.Das werden wir sehen. Aber es wird auch so sehr speziell werden gegen Portugal in Portugal gegen einige meiner Mannschaftskollegen zu spielen. Wir wollen in Porto gewinnen. Aber es ist noch lange bis Juni und vorher warten noch wichtige Aufgaben im Club und auch mit der Schweiz. Auch in der Nati können und müssen wir uns weiter verbessern.

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