Schweizer Schiedsrichter

10. Dezember 2017 04:15; Akt: 10.12.2017 09:03 Print

«Ja, ich bin schwul»

Der Solothurner Pascal Erlachner sorgt als Super-League-Schiedsrichter auf dem Platz für klare Verhältnisse. Jetzt räumt er auch mit dem Tabuthema Homosexualität im Fussball auf.

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Er macht in der Schweiz den Anfang, um das grosse Tabuthema zu brechen: Homosexualität im Fussball. «Ich hoffe, dass ich mit meinem Outing eine öffentliche Diskussion anrege. Spricht man nicht über ein Thema, ist das Stillstand. Und Stillstand ist Rückschritt», begründet Pascal Erlachner im «SonntagsBlick» seinen Schritt an die Öffentlichkeit. Der 37-jährige Schiedsrichter bricht das Tabu, indem er hinsteht und sagt: «Ja, ich bin schwul – na und? Ich bin reif für diesen Schritt und gespannt, was ich damit auslöse.»

Es ist das erste Outing im Schweizer Profi-Fussball. Für den Solothurner ist es nun der richtige Zeitpunkt, «weil für mich persönlich und mein nächstes Umfeld meine Homosexualität mittlerweile normal ist.» Er befinde sich in einer tollen Beziehung, habe eine tolle Familie und fühle sich unter den Schiedsrichtern sehr wohl. «Ich habe gute Kollegen.» Dennoch hat der Super-League-Schiedsrichter seine Neigung jahrelang versteckt. «Die ewige Lügerei ist wahnsinnig anstrengend», sagt er im «SonntagsBlick». Er habe sich auch mit Frauen verabredet und sogar eine Freundin gehabt. «So nach dem Motto: Vielleicht kommt es ja noch.»

Bloss nicht auffallen

Erlachner spielte früher selber in der ersten und zweiten Liga Fussball und gesteht, dass innerhalb der Mannschaft ein gewisser Druck herrschte. «Wenn in der Garderobe jemand gesagt hat: Hey, du schwuler Siech! oder Schau nicht so schwul!, lachte ich mit und tat so, als fände ich diese Sprüche auch cool. Dabei dachte ich jeweils: Pasci, sag ja nichts dazu, sonst fällst du noch auf! Ich habe mich in der Kabine verstellt. Nach den Trainings bin ich oft sehr traurig nach Hause gekommen.»

Erlachner ist jedoch überzeugt, dass er auch als Profifussballer den Mut fürs Outing und den Schritt an die Öffentlichkeit aufgebracht hätte. «Das ist mein Weg, mit 30 war ich so weit. Aber bei den Schiedsrichtern fühle ich mich jetzt wohler als damals in der Fussballmannschaft.»

Kritiker sehen Geltungsdrang

Am 21. Dezember will das Schweizer Fernsehen (SRF) einen Dokumentarfilm über den Schiedsrichter, Sekundarlehrer und FDP-Gemeinderat aus Wangen bei Olten SO zeigen. Der Schweizerische Fussballverband und die Schiedsrichter-Verantwortlichen wollten laut «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche», dass der Dok erst zu Beginn der längeren Winterpause ausgestrahlt wird. Damit sich ein allfälliger Sturm der Reaktionen bis zum Start ins neue Fussballjahr wieder etwas legen könne.

Freunde und Begleiter äusserten sich demnach unterschiedlich. Die einen erzählen, Erlachner oute sich, weil es Zeit dafür sei, gesellschaftlich, aber auch persönlich. Kritische Beobachter sagten ihm Geltungsdrang nach. Er wolle mit diesem Schritt über den Fussball hinaus bekannt werden.

(foa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Caroline W am 10.12.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No outing

    Gleichheit ist erst da wenn man sich nicht mehr outen muss. Ich muss ja auch niemandem gestehen, dass ich hetero bin. Erst dann werden alle sls normal angesehen! Hoffentlich ist das noch in diesem Jahrhundert auch in anderen Religionskreisen der Fall! Go for it!!

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  • Brigit G. am 10.12.2017 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nötig?

    Es ist schlimm genug, dass sich Homosexuelle outen müssen. Es wäre an der Zeit, dass das nicht mehr nötig ist. Wir kommen alle so auf die Welt, wie wir sind. Das macht das Leben bunt und interessant. Leben und leben lassen.

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  • Christine am 10.12.2017 07:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schiedsrichter

    Endlich wagt einer den ersten Schritt zu tun.Deswegen sind sie nicht schlechtere Menschen. Da finde ich Leute , die ihre Position ausnützen und sich an Kinder vergreifen viel schlimmer. Hoffentlich haben andere auch diesen Mut. Meinen Respekt hat er.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • a.c.m am 10.12.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    Gratulation zu diesem mutigen Schritt. Wer folgt ihn.........?

  • S.Dällenbach am 10.12.2017 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Missbrauch

    Mein Sohn über 30 der erst jetzt über ein Ereiniss spricht, wo er im Eishockeilager in der 5.Klasse erlebt hatte dass der Trainer ihn missbraucht hatte,ich als Mutter komme fast nicht darüber hinweg.

  • Kd50 am 10.12.2017 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwul na und

    Warum ist das einen Beitrag wert. Es ist doch völlig egal, welche sexuelle Ausrichtung jemand hat. Wichtig ist einzig und allein der MENSCH

  • Minnie Mouse am 10.12.2017 15:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Who cares?

    Ich finde es traurig, dass man sich in der heutigen Zeit noch Gedanken ums Outing machen muss! Ist doch schnurzpiepegal, wie jemand tickt! Jeder muss auf seine Art glücklich und zufrieden sein und niemand hat das Recht, jemanden wegen seiner sexuellen Orientierung zu verurteilen! Ich würde mir wünschen, dass die Fußballer selbst auch den Mut finden, sich zu outen!

  • Fussball Fan am 10.12.2017 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstmal kein Rassismus gegenüber Dunkelhäutige im

    Liebe Leute wir leben im Jahr 2017. Ich finde man sollte zuerst mal den Rassismus gegenüber dunkelhäutige Menschen bekämpfen. Keine Affenlaute oder Bananenwürfe im Stadion bevor man sich so intensiv um das Outing der Homosexuelität kümmert. Meiner Meinung nach, würde man auch nur 10 % der Energie wo man für die Homosexualität einsetzt für Rassismus gegenüber dunkle Menschen investieren würde, gäbe es kein Rassismus mehr. Aber hier in der Schweiz ist immer nur die Rede von Homosexualität. Vergisst eins nicht die Hautfarbe kann man genauso wenig aussuchen wie die sexuelle Neigung. Danke