Alex Frei

25. März 2011 15:15; Akt: 26.03.2011 11:19 Print

«Jetzt zeigt sich, wie gut das Team wirklich ist»

von E. Tedesco & R. Fehr, Sofia - Alex Frei spricht vor dem Spiel gegen Bulgarien über die Konzentration, den Spielrausch, den Elfmeter und über die Zukunft der Nati.

Alex Frei über die Bedeutung von Spielen wie gegen Bulgarien. Was Frei über die Konzentration im Team, Elfmeter und was passiert, wenn die Schweiz früh in Führung geht denkt, sehen Sie im Video unten.
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«Wenn das Licht angeht, muss du bereit sein. Egal, ob du dich gut fühlst oder nicht», sagte einmal ein berühmter Boxer. Alex Frei sagt: «Solche Spiele können herauskristallisieren, wie gut das Team wirklich ist.» Bulgarien bedeutet für die Schweiz genau so eine Partie, bei der sie bereit sein muss und welche wegweisend sein wird. Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren – am 24. März 2001 - debütierte Frei im Nationalteam in Belgrad gegen Jugoslawien. «Die Schweiz hat immer dann gut oder sehr gut gespielt, wenn es darauf ankam. Seit ich dabei bin, war das schon zwei- oder dreimal der Fall», erinnert sich der Stürmer und zählt auf: Irland vor der WM 2006, Lettland und Griechenland auf dem Weg zur WM 2010 und jetzt soll es also Bulgarien sein.

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Dabei sieht der 31-Jährige im Duell mit Bulgarien nicht nur das einzelne Spiel: «Solche Begegnungen haben eine ungemeine Bedeutung. Nicht nur vom Resultat her, sondern für die Zukunft der Nationalmannschaft.» Dabei sollen «Spieler aus dem Schatten treten, Verantwortung übernehmen und dies in Zukunft auch zeigen». Frei blickt also mit seinem Rücktritt nach dem England-Spiel vor Augen in die Zukunft. Man wird das Gefühl nicht los, dass er dieser Mannschaft extrem verbunden ist und sich die Sache mit dem Rücktritt doch noch einmal überlegen sollte. Das wäre im Sinne seines designierten Nachfolgers Gökhan Inler. Dieser erklärte gegenüber «Eurosoccer» kürzlich: «Es wäre mir lieber, wenn Frei weitermachen würde. Er ist noch so fit und gut, er braucht noch nicht aufzuhören. Ausserdem kann ich noch viel von ihm lernen, wie man das Amt eines Captains ausübt.»

Tritt Frei doch wieder den Elfmeter?

Doch zurück zum aktuellen Spiel. Das 0:0 auf Malta gab nicht gerade Anlass zur Euphorie. Warum soll jetzt alles anders sein? «Wir müssen reagieren. Ich rede gar nicht nur vom Ergebnis. Wir müssen kämpfen und alles in die Waagschale werden, dann wird man auch belohnt», ist sich der Rekordtorschütze sicher. «Man kann früh in Führung gehen und dann kennt man die Mannschaft plötzlich nicht mehr, man spielt sich in einen Rausch.» Alles schon erlebt, in der fast 15-jährigen Profikarriere. Er hat bemerkt, dass die Equipe in dieser Woche vielleicht noch etwas konzentrierter zu Werke ging als sonst: «Man merkt, dass die Mannschaft weiss, worum es geht», erklärt er. Weiss aber auch: «Man kann immer darüber sprechen, aber man muss es auch auf den Platz bringen.»

Selbst die Sache mit dem Elfmeter hat sich Frei nochmals überlegt. Nach dem Malta-Spiel verkündete er noch, dass er keinen Penalty für die Nati mehr schiessen werde. Jetzt heisst es: «Wer sich gut fühlt, soll schiessen. Wenn sich keiner getraut, fühle ich mich natürlich in der Position des Captains verantwortlich. Aber ich will mich nicht vordrängen.» In einer kapitalen Lage, hinterfragt man halt auch einmal getroffene Entscheidungen. Vielleicht gilt das Gleiche ja dann im Herbst, falls die Schweiz dann noch im EM-Rennen ist, Bulgarien in Basel gastiert und die Schweiz einen Knipser benötigt. Klar ist momentan eines: Das Licht geht in Sofia am Samstag um 18.45 Uhr (Lokalzeit) an. Dann muss die Schweiz zuschlagen.

Alex Frei über Konzentration, Elfmeter und Spielrausch