Albanische Schweizer

10. September 2012 08:45; Akt: 10.09.2012 09:04 Print

«Kann sein, dass wir provoziert werden»

von Eva Tedesco - Fünf Schweizer Nationalspieler müssen am Dienstag gegen die Heimatnation ihrer Eltern spielen. Ein emotionsgeladenes Unterfangen für Shaqiri, Xhaka und Co.

Xherdan Shaqiri kann sich vorstellen, dass es im Spiel gegen Albanien Pfiffe geben wird. Brenzlig könnte es aber erst im Rückspiel werden. (Video: 20 Minuten Online)
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Es gibt keine offizielle Zahl, wie viele Albaner tatsächlich in der Schweiz leben. Es sollen rund 200 000 sein. So erstaunt es auch nicht, dass sie im Schweizer Fussball eine gewisse Rolle spielen. Fünf Spieler stehen am Dienstag im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien in Luzern speziell im Fokus: Valon Behrami, Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Admir Mehmedi und Blerim Dzemaili treten für die Schweiz gegen die Heimatnation ihrer Eltern an.

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Behrami ist in Mitrovica im Kosovo geboren, ehe seine Familie 1990 ins Tessin auswanderte. Granit Xhakas Familie ist aus Pristina nach Basel geflüchtet, wo Granit geboren wurde und in Kleinbasel aufwuchs. Xherdan Shaqiri ist in Gjilan, im südöstlichen Kosovo, geboren. Er wohnte mit seiner Familie erst in Augst, dann in Kaiseraugst (AG).

Blerim Dzemaili ist Albaner mit Geburtsort Tetovo, im heutigen Mazedonien. Admir Mehmedi ist ebenfalls Albaner, hat aber wie Dzemaili seine Wurzeln nicht im Kosovo. Mehmedi ist in Gostivar im heutigen Mazedonien geboren und war zwei Jahre alt, als seine Familie nach Bellinzona auswanderte. Heute sind die Mehmedis in Winterthur zuhause.

Kosovo beantragt Aufnahme bei der Fifa

Natürlich wird und wurde im Vorfeld der Partie viel über diese Spieler gesprochen und geschrieben. Zudem ist das Thema seit dem Antrag auf Aufnahme als Fifa-Mitglied zusätzlich aktuell. Seit 2008 ist der Kosovo unabhängig. Die Nationalmannschaft darf bis zur definitiven Aufnahme im Weltfussballverband aber nur Freundschaftsspiele austragen. Als Fifa-Mitglied könnten Spieler wie Shaqiri, Behrami und Co. mit einer Sondergenehmigung eventuell zur kosovarischen Nationalmannschaft wechseln dürfen, obwohl sie schon für die Schweiz gespielt haben. Noch ist aber nichts entschieden.

Für Behrami ist der Wechsel kein Thema. «Ich habe mich für die Schweiz entschieden und das bleibt so.» Granit Xhaka macht sich über ungelegte Eier keine Gedanken. «Es kann noch drei bis fünf Jahre dauern, bis der Kosovo eine schlagkräftige Nationalmannschaft hat. Wer weiss, was bis dahin noch alles passiert.» Xherdan Shaqiri allerdings gibt zu, dass er sich mit dem Thema noch einmal auseinandersetzen würde, «aber erst, wenn es tatsächlich aktuell wäre».

Gewappnet gegen Pfiffe und Provokationen

Xhaka, Shaqiri und Behrami sind auch gewappnet gegen Albanien, denn sie rechnen mit Pfiffen und Provokationen im Spiel gegen Albanien. «Das wird fast ein Auswärtsspiel. Es kann schon sein, dass wir provoziert werden, aber nicht nur vom Publikum, sondern auch von den gegnerischen Spielern. Aber wird dürfen nicht auf das hören, was die Fans oder der Gegner sagt, sondern zeigen, was wir können. Wenn wir gewinnen, haben wir dann doppelt gewonnen», sagt Xhaka.
Granit Xhaka vor dem Spiel gegen das Heimatland seiner Eltern. (Video: 20 Minuten Online)

Auch Xhakas ehemaliger Teamkollege beim FCB rechnet mit nicht nur freundlichem Empfang. Shaqiri: «Es kann gut sein, dass es Provokationen gibt und sicher auch, dass der eine oder andere Spieler aggressiver einsteigen wird, aber wir lassen uns nicht nervös machen. Warten wir mal ab, was passiert. Ich glaube eher, dass es im Rückspiel in Albanien brenzliger werden kann.»

Emotional, aber nur bis zum Anpfiff

Auch für Behrami birgt die Begegnung viel Brisanz – aber nur im Vorfeld. «Wenn das Spiel beginnt, wird es ein ganz normales Fussballspiel für mich sein. Und das bedeutet auch, dass ich unbedingt gewinnen will.» Das wollen Xhaka und Shaqiri auch. «Ich freue mich riesig auf das Spiel und ich will unbedingt gewinnen», sagt auch Shaqiri. Wenn er aber ein Tor schiesst, wird er wohl eher nicht jubeln. Die Schweizer Fans würden das wohl verkraften.
Nati-Keeper Diego Benaglio ist vorbereitet, falls es in Luzern mehr albanische als Schweizer Zuschauer hätte. (Video: 20 Minuten Online)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Kann perfekt deutsch reden, perfekt deutsch schreiben was viele schweizer nicht können, habe noch nie geklaut, habe noch nie eine Schlägerei gehabt, habe noch keine Geschwindigkeitsbusse erhalten etc...= ein integrierter Secondo oder?? Würde den Schweizerpass verdienen, aber...wenn ich etwas umsonst verdienen würde, dann bezahle ich sicher nicht dafür. Obwohl man integriert ist, fühlt man sich selten willkommen. Ich werde DESHALB für immer ein anständiger, respektvoller Albaner bleiben, denn ich bin so geboren. Trotzdem mag ich die Schweiz sehr und werde ihr bestimmt nie einen Schaden zufügen! – gjergj kastrioti

Ich kann das ganze Geschrei und Gelaber nicht mehr hören. Es ist doch egal von wo jemand in die Schweiz einwandert! Sobald er hier ist, hier die Schule macht, hier arbeitet, hier das Handwerk gelernt hat, soll er doch auch hier für die Nationalmannschaft spielen, er wurde ja von den Clubs hier soweit gebracht. Wir sind nun mal ein Einwanderer Land, gleich wie viele andere Länder auch. Respekt zollen von wo man her kommt ist OK und verständlich, doch gejubelt darf gleichwohl werden, den das gehört zum Fussballspiel. Also lasst sie in Ruhe spielen und freuen wir uns am Spiel. Hoop Schwiiiiiiz – Daniel de Maddalena

Das ganze Nationen-"Gschtürm" geht auf die Nerven. Das Wichtigste für das Spiel in Luzern scheint mir, dass erstens Hitzfeld nur solche Spieler einsetzt, die wirklich alles daran setzen um zu gewinnen und nicht solche, die dem Gegner ausweichen. Und dass zweitens die Sicherheitskräfte im Stadion verdoppelt werden. Eine eher triste Ausgangslage für ein Länderspiel. – Geni Meier

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vlora am 10.09.2012 09:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Er hat das Recht dazu!

    Den Kommentaren hier zufolge, könnte man meinen die Schweiz sei ein wenig rassistisch. Leute es ist nur Fussball. Ihr sucht nur wieder einen anderen Fehler falls die Schweiz verlieren soll. Ich sehe der Schweizer Nati oft beim Spielen zu und muss sagen, das es zu 75% kein Fussball ist! Ihr versteht das nicht wie es Shaqiri geht wenn er gegen sein Vaterland spielt!

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  • Julian am 10.09.2012 18:09 Report Diesen Beitrag melden

    Er ist doch Kosovare nicht Albaner??

    Ich dachte Kosovo sei ein eigener Staat? Oder ist es nur eine zu anektierende Provinz Albaniens? Ich sehe schon, man verwendet die Nationalität Kosovare gar nicht, da es automatisch als Albaner verstanden wird. Ich bin dafür dass Biel unabhängig wird und dass Deutsch und französisch abgeschafft werden.

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  • fttt am 10.09.2012 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    hehe

    Es ist immer wieder ein Geben und Nehmen.. Nie will man einfach geben ohne was dafür zu bekommen... (Diesen Satz werden wahrscheinlich nicht viele verstehen) :) Resultat 3-1 Tore: xherdan, Inler,Derdiyok

Die neusten Leser-Kommentare

  • Argusauge am 11.09.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sich bis zur roten Karte provozieren

    lassen. Wir dürfen gespannt sein, ob und wer von den Spielern der Eidgenossen vom Platz gestellt wird. Herr Hitzfeld wird wohl die potentiellen Risiken in seiner Mannschaft kennen.

  • sid kid am 11.09.2012 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Lächerlich

    Völlig lächerlich diese Diskusionen. Sie alle wurden fussballerisch gesehen in der Schweiz entdeckt, gefördert und unterstützt von den jeweiligen Vereinen und besonders wichtig vom "Schweizer Fussballverband"das muss einfach jeder anerkennen. Die Nati wiederspiegelt schlicht die Solidarität in Sachen Integration der aller meisten Bewohner dieses Landes! Weiss nicht, weshalb wir uns bei irgend jemandem bedanken sollten, dass er für unser Land spielt.

  • DrHelvetius am 10.09.2012 22:19 Report Diesen Beitrag melden

    was verpasst?

    Es gibt keinen Jugoslawienkrieg mehr. Warum werden die Flüchtlinge von damals nicht ausgewiesen?

  • ZWEIKOPFADLER am 10.09.2012 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind ein stolzes Volk!!!

    Schon klar sind wir stolz, Albaner zu sein. Ehre, Mut, Stolz, Zusammenhalt, Reines Blut, Da muss man Stolz sein.

  • Hegi Dakaj am 10.09.2012 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grossalbnien

    Ich finde die Schweizer sollten sich nicht die ganze zeit motzen sondern bei Albanien für die guten Spieler bedanken!