Machos zu Frauenfussball

28. Juni 2011 20:28; Akt: 29.06.2011 08:34 Print

«Lieber treffe ich Frauen in der Disco»

Die Fussball-WM 2011 wird in Deutschland zu einem Mega-Event hochgejubelt. Doch der Frauenfussball kämpft auch gegen üble Klischees.

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Den Vereinen wird untersagt, Frauen aufzunehmen oder ihnen Sportplätze zur Verfügung zu stellen. Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand. (Deutscher Fussballbund, 1955) «Fussball ist kein Frauensport. Wir werden uns mit dieser Angelegenheit nie ernsthaft beschäftigen.» (Dr. Peco Bauwens, DFB-Präsident von 1950-1962) «Ich bin ehrlich: Fussball ist nichts für Frauen. Wenn Mädels auf dem Rasen rumtoben wollen, sollen sie ein Netz aufstellen und Tennis spielen» (Mario Basler vor der WM 2011) «Wenn ihr die ersten Spiele gewonnen habt, zappe ich auch mal bei euch rein. Versprochen!» (Mario Basler, auf Wiedergutmachungskurs) «Es knallten haushohe Kopfbälle von Dauerwelle zu Dauerwelle» (Der «Münchner Merkur» in einem Bericht über ein Frauen-Länderspiel 1957) «Von Frauenfussball halte ich nichts. Er passt höchstens in die gerade abgelaufene Karnevalszeit.» (Der ehemalige Goalie der DDR Horst Weigang im Jahr 1971) «Es ist noch nie gelungen, Frauen Fussball spielen zu lassen, wohl aber Korbball, Hockey, Tennis und so fort. Das Treten ist wohl spezifisch männlich; ob darum das Getretenwerden weiblich ist, sei dahingestellt. Jedenfalls ist das Nichttreten weiblich.» (Der holländische Psychologe Fred J.J. Buytendijk im Jahr 1953) «Wenn meine Frau spielt: Scheidung!» (Uwe Witt, ehemaliger Profi von Hertha Berlin) «Viele haben erst durch mein Tor erkannt, dass selbst Frauen in der Lage sind, einen Ball weiter als fünf Meter zu schiessen.» (Bärbel Wohlleben, die 1974 das erste «Tor des Monats» einer Frau schoss) «Wir empfehlen Schwimmen, Leichtathletik, Turnen oder Skilaufen. Das sind eher frauliche Betätigungen.» (Max Morloch, Endspieltorschütze und Weltmeister von 1954 im «kicker» 1955) «Das ist eine tolle Mannschaft. Nicht nur, was das Fussballerische betrifft - auch das Optische. Und was das Schöne am Frauenfussball ist: Es sieht nicht mehr so nach Frauenfussball aus wie vor 20, 30 Jahren, als man - in Anführungszeichen - noch über den Ball gefallen ist.» (Lothar Matthäus, Weltmeister 1990) «Ich akzeptiere den Frauenfussball, aber lieber treffe ich Frauen in der Disco.» (Mladen Krstajic, ehemaliger Schalke-Spieler) «An sich bin ich gegen Damenfussball. Es gibt so viele schöne Sportarten. Warum ausgerechnet Fussball für die Dame?» (Berti Vogts, Europameister-Trainer 1996) «Ich will den Frauen nicht zu nahe treten. Aber der Schiedsrichter pfeift wie beim Frauenfussball.» (Rudi Völler, Weltmeister von 1990, nach der Partie Leverkusen - Köln im März 2011) Fussball ist keine Sportart, die für Frauen geeignet ist, eben schon deshalb, weil er ein Kampfsport ist.» (deutsche Trainerlegende Sepp Herberger) «Im Bett kann eine Frau so herrlich sein. Auf dem Fussballplatz wird sie mir aber immer schrecklich vorkommen.» (Rudi Gutendorf, Fussball-Weltenbummler im Jahr 1982) «Decken, decken - nicht Tisch decken! Mann decken!» (Wim Thoelke, 1970 kommentierte er im ZDF-Sportstudio ein Frauenfussballspiel) «Junge, Junge. Ja, die brauchen sich gar nicht aufzuregen, die Zuschauer. Die Frauen waschen doch ihre Trikots selber. Wenn die Männer in den Schlamm fallen würden, das wäre schlimm. Denn dann müssten die Frauen zu Hause waschen.» (Wim Thoelke, 1970 kommentierte er im ZDF-Sportstudio ein Frauenfussballspiel) «Ich glaube nicht, dass dieser Sport genauso populär wird wie unser traditioneller Fussball. Warum sollen auch Frauen hinter dem Ball herlaufen? Sie gehören doch hinter den Kochtopf. Meiner Frau würde ich nicht erlauben, Fussball zu spielen.» (Gerd Müller im Jahr 1980) «Und wie soll dann bitte so ein Stadion heissen? Vielleicht Ernst-Kuzorra-seine-Frau-ihr-Stadion?» (Der ehemalige deutsche Bundespräsident Johannes Rau auf die Frage, ob Fussballstadien auch nach Frauen benannt werden sollen) «Aufgrund der Verzerrungen durch die Anatomie kamen wir zu dem Entschluss, dass durch Werbung im Brustbereich der Trikots keine neuen Einnahmequellen für den Damenfussball liquiiert werden können.» (Die Begründung des DFB 1986 für sein Verbot für Trikotwerbungen bei den Frauen) «Ich wusste, heute ist nicht unser Tag, als ich im Links Park ankam und sah, dass eine Frau Schiedsrichterassistent war. Sie sollte zu Hause sein und Tee kochen oder das Abendessen für ihren Mann zubereiten, nachdem er beim Fussball war. Dies ist ein professioneller Männersport, und ich bin tiefster Überzeugung, dass eine wie sie nicht hier sein sollte.» (Peter Hetherston, Trainer der schottischen Albion Rovers im Jahr 2003) «Männer haben 100 Gramm mehr Gehirn als Frauen - da ist unter anderem die Abseitsregel drin.» (Komiker Dieter Nuhr) «Ist Fussball wirklich eine Frauensportart? Darüber kann man diskutieren, ich bin ein toleranter Mensch. Bitte, wenn's ihnen Spass macht.» (Oliver Kahn, Torhüter-Legende im Jahr 2010) Auf Facebook gibt es verschiedene Gruppen mit dem Titel: «Frauenfussball ist wie Pferderennen mit Eseln». Die beliebteste hat 1615 Mitglieder.

Machosprüche über den Frauenfussball.

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Surft man aktuell auf Newsportalen in Deutschland, man hat des Gefühl, dass es im Sport nur noch ein Thema gäbe: Die Frauen-Fussball-WM. Wimbledon interessiert ohne starken Deutschen niemanden, die Tour de France rollt erst ab Samstag und die männlichen Fussballkollegen geniessen die Ferien oder stecken in der Vorbereitung. Und mehr noch: Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt ihren Gefühlen auf der Tribüne freien Lauf.

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Aber nicht alle finden Frauenfussball spannend. Mario Basler – schon zu seiner Aktivzeit für markige Sprüche bekannt – meinte kurz vor dem Eröffnungsspiel: «Ich bin ehrlich: Fussball ist nichts für Frauen. Wenn Mädels auf dem Rasen rumtoben wollen, sollen sie ein Netz aufstellen und Tennis spielen.» Aber eben: Wimbledon haut unsere nördlichen Nachbarn auch nicht aus den Socken. Mit Sabine Lisicki kämpft nur noch eine Deutsche um den Major-Titel in London.

DFB verbot Frauenfussball bis 1970

Darum zurück zum Frauenfussball. Der Deutsche Fussballbund (DFB) schwärmt 2011 zwar vom Frauenfussball. Das war vor nicht mal 60 Jahren noch ganz anders. Damals hiess es: «Den Vereinen wird untersagt, Frauen aufzunehmen oder ihnen Sportplätze zur Verfügung zu stellen. Im Kampf um den Ball verschwindet die weibliche Anmut, Körper und Seele erleiden unweigerlich Schaden und das Zurschaustellen des Körpers verletzt Schicklichkeit und Anstand.» Erst 1970 wurde diese Regelung geändert. Doch der DFB tat sich weiterhin schwer mit Frauenfussball. 1986 schrieb der Verband: «Aufgrund der Verzerrungen durch die Anatomie kamen wir zu dem Entschluss, dass durch Werbung im Brustbereich der Trikots keine neuen Einnahmequellen für den Damenfussball gewonnen werden können.»

Blatters Fettnäpfchen

So ist es wenig verwunderlich, dass die kickenden Männer immer wieder ihre abschätzige Meinung zum Fussball des weiblichen Geschlechts äusserten (siehe Bildstrecke oben). Und obwohl der Frauenfussball in den letzten Jahren einen immensen Popularitätssprung gemacht hat und auch in der Schweiz immer beliebter wird, halten viele Fussball als nicht geeignet für Frauen. Jux-Gruppen wie «Frauenfussball ist so spannend wie Pferderennen mit Eseln» auf Facebook ist das eine, aber selbst Fifa-Präsident Sepp Blatter – der selber schon 1986 gewusst haben wollte, dass die Zukunft des Fussballs weiblich ist, trat an der WM in Deutschland ins Fettnäpfchen: «Ab einem gewissen Alter haben die Frauen in der Gesellschaft eine andere Funktion, als Fussball zu spielen. Sonst haben wir bald keine jungen Fussballspieler mehr», sagte der Walliser als Begründung, warum Mädchen früher gefördert werden sollen als Knaben.

Klar ist aufgrund dieser Äusserungen (siehe auch Bildstrecke oben): Bis sich der Frauenfussball den gebührenden Respekt erarbeitet, wird er sich noch viele Machosprüche anhören müssen.

(fox)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudio Brunner am 29.06.2011 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Genauer hinschauen!

    Also ich finde Frauenfussball ganz toll zum Zuschauen. Allerdings bin ich ehemaliger Aktiver, daher schaue ich vorallem auf die Technik und Taktik, welche bei den Frauen hervorragend ist! Als neutraler Zuschauer sieht man das weniger und langweilt sich ab der fehlenden Intensität, Tempo und Zweikampf.

  • muio am 29.06.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    live and let live

    lasst sie doch spielen was sie wollen. anschauen kann ichs mir aber gleichwohl nicht.

  • rawkidd am 29.06.2011 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    bitte...

    frauenfussball ist langsam und langweilig. auch wenn manch deutsches blatt gross darüber berichtet, die mehrheit interessiert's eher nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dominik am 01.07.2011 14:46 Report Diesen Beitrag melden

    Fussball ist für Frauen!!!

    Geht man nach Amerika oder Kanada sieht man nur junge Frauen mit Fussballschuhen und Shirts, die jungen Männer haben ihre Eishockey, Basketball oder Baseball Ausrüstung dabei.

  • Urs Müller am 29.06.2011 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    Ich bin mir sicher, dass die DE Frauen Nationalmannschaft die Schweizer A Herren schlagen würde. Und den Deutschen ist es egal wer spielt. Die sind so Fußballverrückt, dass sogar 45.000 zu 3. Ligaspielen kommen. Auf Schalke kommen schon alleine 8.000 wenn der Rasen gemäht wird. Also von der Fankultur nicht mal im Ansatz mit der Schweiz vergleichbar.

    • Andreas am 29.06.2011 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Urs

      Wie kommen sie auf solche Behauptungen? Die deutsche Frauennationalmannschaft verliert regelmässig gegen die U15 verschiedenster deutscher Klubs! Sie können also nicht ernsthaft behaupten, dass die Deutschen Mädels eine Chance gegen die Schweizer Nati hätten.

    • Adrian am 30.06.2011 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      null Ahnung

      Sorry, aber Urs Müller scheint echt keine Ahnung von dieser Sache zu haben. Und in solchen Fällen ist's wirkl. besser, sich mit Kommentaren zurück zu halten, also sowas vom Stapel zu lassen ;-))

    • Domenico am 30.06.2011 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      Hihi

      Ein Frauenteam gewinnt nie gegen eine Männerauswahl, wie auch eine Boxerin nie gegen einen männlichen Boxer gewinnen wird. Rein physisch ausgeschlossen.

    • Urs Müller am 30.06.2011 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      Fakten

      Die Frauennationalmannschaft hat vor Jahren gegen einen Regionalligisten 1:1 gespielt. (Damals noch 3. Deutsche Liga). Somit gar nicht so abwegig, da die Schweizer Liga bzw. Nati 3. Liga Nivau hat (Platz 29 oder 30 der FIFA!)

    • Andreas am 01.07.2011 10:48 Report Diesen Beitrag melden

      @Urs

      Das sind die Fakten: Vorbereitungsspiele vor der WM 2011: U15 Osnabrück gegen DE Frauennationalmannschaft (DE FN) 1:1 der Ausgleich für die Frauen fiel kurz vor Schluss, U15 BVB gegen DE FN 3:0. Vor ein paar Jahren: U15 VFB Stuttgart vs. DE FN 3:0 (Spiel nur über 45 Minuten). Ein Team aus der Landesklasse (=7. höchste Liga, das entspricht glaube ich der tiefsten Liga) 10:3 gegen den Deutschen Frauenmeister Potsdam.

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  • Claudio Brunner am 29.06.2011 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Genauer hinschauen!

    Also ich finde Frauenfussball ganz toll zum Zuschauen. Allerdings bin ich ehemaliger Aktiver, daher schaue ich vorallem auf die Technik und Taktik, welche bei den Frauen hervorragend ist! Als neutraler Zuschauer sieht man das weniger und langweilt sich ab der fehlenden Intensität, Tempo und Zweikampf.

  • Pete am 29.06.2011 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gebührender Respekt ist gefragt

    Gebührender Respekt liegt im Auge des Betrachters. Wenn die Frauen die gleichen Erwartungen, Ansprüche etc. wie die Männer haben möchten, müssen sie auch mit den gleichen Kritiken umgehen, da, bis auf wenige Ausnahmen, die Qualität der Spiele sehr stark hinter jenen der Männer hinterherhinkt. Falls sie diese nicht haben, sollte dies auch ganz klar gesagt werden! Und von einer WM erwarte ich auch Klassespiele, und kein Herumgegurke... Und dies ist nun mal die Realität! Respekt muss man sich verdienen, und nicht erwarten!

  • Freak am 29.06.2011 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns Spass macht...

    Soll doch jeder machen was er will!!!! Ich intressiere mich nicht für Fussball, Männer oder Frauen. Aber wenn Spass macht sollen sie spielen!