Wett-Pech in der 89. Minute

02. März 2017 14:34; Akt: 08.11.2017 13:24 Print

«Ronaldo brachte mich um 55'544 Euro»

Denis Smajovik steht Minuten vor dem Zocker-Glück. Dann kommt Cristiano Ronaldo und lässt seinen Traum mit zwei späten Toren platzen.

Bildstrecke im Grossformat »
Stand kurz vor dem Zocker-Glück: Der Thurgauer Denis Smajovik hätte mit einer Kombi-Wette auf sechs Fussballspiele um ein Haar 55'544 Euro gewonnen. Das ist der Wettschein, der dem 20-Jährigen fast einen Mega-Gewinn beschert hätte. Vorerst lief alles nach dem Gusto des Wetters. Bei Gladbachs 2:1 im Cup gegen Hamburg fielen mehr als 2,5 Tore, wobei der HSV erst in der Nachspielzeit traf. Villarreal schlug Osasuna in der Meisterschaft auswärts 4:1. Smajovik hatte die Gäste mit einem 2-Tore-Handicap belegt, das heisst, Villarreal musste mit drei Toren Unterschied gewinnen, um die Wette zu erfüllen. Bei Barça gegen Gijón hatte Smajovik darauf gesetzt, dass mehr als 3,5 Tore fallen. Die Partie endete 6:1 für den Favoriten. Im Cup-Viertelfinal zwischen Bayern und Schalke (3:0) fielen mehr als 2,5 Treffer. Und im FA-Cup-Duell zwischen Manchester City und Huddersfield Town klingelte es ebenfalls mehr als 3,5-mal. Die Citizens siegten 5:1. Fehlte also noch die Partie Real Madrid gegen Las Palmas, die als letzte des Zocker-Abends um 21.30 Uhr angepfiffen wurde. Smajovik hatte auf einen Sieg des Aussenseiters gesetzt. Und plötzlich kam Hoffnung auf, als Reals Gareth Bale (2. v. r.) kurz nach der Pause beim Stand von 1:1 vom Platz flog. Und siehe da, keine Viertelstunde später führte Las Palmas 3:1. Es winkten 55'544 Euro. Doch dann kam Ronaldo. Der Portugiese traf in der 86. Minute vom Penaltypunkt ... ... und glich nur drei Minuten später per Kopf aus, womit er zu Smajoviks Traumzerstörer wurde.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Er traute seinen Augen kaum. Zusammen mit Kollegen sass Denis Smajovik gestern in einer Bar in Konstanz, am Fernseher lief die Partie zwischen Real Madrid und Las Palmas. Die zweite Halbzeit war eben erst angebrochen, da flog Gareth Bale vom Platz. Keine Viertelstunde später führte die Mannschaft von den Kanaren beim haushohen Favoriten 3:1. Und Smajovik witterte den grossen Zahltag.

Umfrage
Wie hätten Sie reagiert, wenn CR7 Sie in letzter Minute um 55'000 Euro gebracht hätte?
24 %
2 %
11 %
4 %
9 %
27 %
23 %
Insgesamt 2250 Teilnehmer

Der 20-Jährige aus Erlen TG hatte wenige Stunden zuvor eine Kombi-Wette platziert, die sechs Partien einschloss – zwei des DFB-Pokals, drei der spanischen Meisterschaft und eine des englischen FA-Cups (siehe Bildstrecke). Als Real, dessen Match um 21.30 Uhr angepfiffen worden war, 1:3 in Rückstand geriet, waren die anderen fünf Begegnungen bereits beendet. Und zwar so, wie es sich der Tipper erhofft hatte. Nun musste Las Palmas nur noch erstmals im 33. Anlauf im Bernabéu gewinnen, und aus 39,50 Euro Einsatz würde ein Gewinn von satten 55'544 Euro.

«Alle hatten Mitleid»

«Die ganze Bar hat mitgefiebert», schildert Smajovik, «nach dem 3:1 für Las Palmas drehten alle durch.» Das Problem: Real drückte in der Schlussphase, selbst mit einem Mann weniger. Den kaufmännischen Angestellten, der nebenbei Betriebsökonomie studiert, beschlich ein ungutes Gefühl. «Ich dachte mir schon, dass bald ein Tor fallen könnte.» Es war Cristiano Ronaldo, der in der 86. Minute per Penalty auf 2:3 stellte. Die Anspannung stieg. Und das Unheil nahm seinen Lauf.

Es dauerte nur drei weitere Minuten, ehe der Weltfussballer per Kopf erneut zur Stelle war. Das Stadion tobte, Real jubelte – und in der Bar war es totenstill, rund 100 Leute schwiegen, «denn alle hatten natürlich von meiner Wette Wind bekommen», sagt Smajovik. «Und alle hatten Mitleid.»

Der Unglücksrabe nimmt es ziemlich sportlich, dass ausgerechnet Ronaldo – Smajovik bevorzugt Barcelona und Lionel Messi – seine Wette zerstörte. «Ich habe grössten Respekt, dass er noch für den Ausgleich sorgte. Das macht einen Superstar aus und zeigt seine Klasse», sagt er. Dass ihm über 55'000 Euro buchstäblich in letzter Minute entglitten, kommentiert der Thurgauer so: «Natürlich wäre es schön gewesen, aber es ist kein Weltuntergang.»

Die Mutter ist froh

Der Gelegenheitszocker – Smajovik wettet nur etwa einmal im Monat mit überschaubaren Beträgen – hatte sich mit dem grossen Gewinn vor Augen noch nicht ausgemalt, was er damit anstellen würde. «Sicher ist, dass ich vernünftig geblieben wäre. Bei uns in der Familie heisst es, es bringt Unglück, wenn man im Glücksspiel gewinnt und dann zum Beispiel gleich ein Auto kauft», sagt er, und fügt an: «Meine Mutter ist froh, dass es nicht geklappt hat.»

Smajovik, der mit 17 Jahren bei Amriswil in der 2. Liga interregional spielte und dann wegen einer Verletzung aufhören musste, will trotz des bitteren Mittwochabends weiter ab und zu wetten. Vielleicht übertrifft er ja irgendwann doch noch seinen bisher grössten Gewinn: 190 Euro, bei zehn Euro Einsatz.

(kai)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Al Z. am 02.03.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falscher Titel ...

    Falsch, er hat 39.50 Euro verloren. Die 55'544.-- Euro hat er nie sein Eigen nennen können. Was man nicht hat kann man nicht verlieren! Simpel!

  • faebenz am 02.03.2017 15:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche schlagzeile

    Er hat wohl eher 39.50 verloren, weil er diese zum wetten benutzt hat...

  • officialpiranha am 02.03.2017 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Unterschied

    Korrektur: Er hat das Geld nicht verloren, sondern nur nicht gewonnen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • SeppTember am 02.03.2017 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super titel

    geld das man nicht besitzt, kann man auch nicht verlieren

  • CL89 am 02.03.2017 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gewonnen

    Er hat es nicht verloren, sondern einfach nicht gewonnen. Wie wenn dir deine Freundin sagt: es kostet 5000.-, anstelle von 10000.-, du sparst also 5000.-.

  • DieZeitRennt am 02.03.2017 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hätter er fürs ticket 55k bezahlt...

    Er verlor 40 die 55k hat er einfach nicht gewonnen.

  • greenlife-ch am 02.03.2017 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ronaldos Fuss wäre besser stecken geblieben

    Tja, Pech gehabt, Lotterien basieren auf Glück, tut mir auch leid. Mit dem Geld hätte man bestimmt was schönes kaufen können!!

  • Neutral am 02.03.2017 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverdientes Geld

    Tja, so ist das nun mal mit Glücksspiele. :)