08. Juni 2006 16:46; Akt: 08.06.2006 19:34 Print

«Schande von Basel»: Geisterspiele für den FCB

Der FC Basel wurde von der Disziplinarkommission der Swiss Football League für die Vorfälle nach dem verlorenen «Finalspiel» gegen den FC Zürich mit Geisterspielen und einer Geldbusse bestraft. Auch der FCZ wird zur Kasse gebeten.

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Der FC Basel wurde von der Disziplinarkommission der Swiss Football League für die Vorfälle nach dem Spiel gegen den FC Zürich mit mehreren Massnahmen bestraft. Als Hauptstrafe müssen die ersten beiden Heimspiele der Saison 2006/07 vor vollständig leeren Rängen ausgetragen werden.

Zudem muss in den Heimspielen drei, vier und fünf die Muttenzer Kurve geschlossen bleiben. Des Weitern wurde der FCB mit 80 000 Franken gebüsst. Eine Geldstrafe hat auch der FC Zürich zu entrichten. Der Meister haftet für das «ungebührliche Verhalten seiner Fans», wie die SFL-Disziplinarkommission um Präsident Odilo Bürgy verlauten liess, und muss eine Busse von 30 000 Franken zahlen. Beide Vereine können innert fünf Tagen gegen die Urteile Rekurs einlegen.

Der FC Basel erhält nach den schwersten Krawallen im Schweizer Fussball also auch die härteste Strafe, die je gegen einen hiesigen Verein ausgesprochen wurde. Bisher war erst einmal ein Stadion komplett gesperrt worden. Im Frühjahr 2001 musste der FC Sion die Finalrunden-Partie gegen Servette vor leeren Rängen wiederholen. Der FCB selbst trug im Frühjahr 2003 ein Meisterschaftsspiel vor geschlossener Muttenzerkurve aus.

Die Disziplinarkommission wirft dem FC Basel nur pflichtwidriges Verhalten vor. «Dem Verein kann kein Verschulden angehängt werden, ein Vorsatz ist auch nicht auszumachen. Und es handelt sich auch nicht um Grobfahrlässigkeit», sagte Bürgy. Bestraft wird der FCB für die Mängel in der Organisation des Spiels am 13. Mai. Nach dem Siegestreffer und «Meisterschuss» des FC Zürich in der 93. Minute waren Hunderte von Basler Fans auf das Spielfeld gerannt, um zu randalieren und FCZ-Spieler zu attackieren.

Die wenigen Security-Ordner konnten den Mob dabei nicht hindern, und auch die Polizei, die zu diesem Zeitpunkt den FCZ-Sektor bewachte, konnte nur mit Verzögerung eingreifen. Die Krawalle ausserhalb des Stadions hielten danach noch Stunden an. Über 100 Menschen wurden dabei leicht verletzt. 15 Zuschauer mussten vorübergehend ins Spital gebracht werden, die Polizei nahm 25 Randalierer fest.

Für den FCB wirkte strafverschärfend, dass er schon vor rund dreieinhalb Jahren wegen Ausschreitungen in der Muttenzerkurve (beim Spiel Basel - Grasshoppers im Dezember 2002) mit einer Stadionsperre belegt worden war. Die Rekurskommission hatte diese Strafe später reduziert und nur die Muttenzerkurve für eine Partie schliessen lassen.

UEFA-Urteile beigezogen

Für die Festlegung der Strafe hat die Disziplinarkommission diesmal die Praxis der UEFA beigezogen. «Inter Mailand musste im letzten Herbst in der Champions League vier Geisterspiele austragen, nachdem im Derby gegen Milan ein Spieler (Milan-Goalie Dida - Red.) von einer Petarde getroffen und verletzt worden war. Und die AS Roma musste drei Partien im Europacup unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen, nachdem Schiedsrichter Frisk von einer Münze getroffen worden war. Stellt man diese Quervergleiche an, haben wir ein durchaus faires Urteil gefällt.»

Während die UEFA den beiden italienischen Vereinen eine Bewährungsfrist auferlegte (bei Inter Mailand beträgt diese 14 Partien), sieht das Reglement der SFL eine solche nicht vor. Allerdings wurde der FCB auf seiner Aussage behaftet, dass er Abonnenten der Muttenzerkurve für die betreffenden Spiele so weit wie möglich vom Kauf von Tickets in anderen Sektoren des Stadions ausschliessen wird.

Mit der stufenweise Bestrafung - zwei Spiele im vollständig leeren St.-Jakob-Park, drei weitere Partien mit geschlossener Muttenzerkurve - will die Disziplinarkommission vor allem die eigentlich Schuldigen, die Fans aus der Muttenzerkurve nämlich, empfindlich treffen.

Grosser finanzieller Schaden für FCB

Empfindlich getroffen ist gemäss FCB-Präsidentin Gigi Oeri aber vor allem der Verein selbst. «Die Strafe ist massiv zu hart. So denkt jeder mit gesundem Rechtsempfinden, denn es wurde uns kein Verschulden vorgeworfen.» Oeri war überrascht über den schnellen Urteilsspruch. «Erst gestern (am Mittwoch - Red.) hatten wir noch mit der Kommission zusammen gesessen und unseren Standpunkt erklären dürfen. Und jetzt liegt schon das 25-seitige Urteil vor.» Nachdem der FCB seinen Standpunkt dargelegt hatte, habe sie ein gutes Gefühl gehabt und gedacht, es würde nicht zu einer Sperre des gesamten Stadions kommen.

Den finanziellen Schaden für den FCB beziffert Oeri auf mindestens drei bis vier Millionen Franken. «Es kann aber auch viel mehr sein. Wir müssen nun hoffen, dass daraus nicht ein riesiger Rattenschwanz entsteht. Ein solches Urteil kann für einen Verein fast ruinös sein.» Trotz der harschen Kritik am Urteil wird der FC Basel auf einen Rekurs verzichten. «Das wäre völlig sinnlos. Wir wurden von der Football League während des Verfahrens fair behandelt und konnten vor dem Urteilsspruch unseren Standpunkt darlegen. Würden wir rekurrieren, könnten wir nicht mehr sagen, als wir bereits getan haben.»

(sda)