CC verplappert sich

03. November 2015 13:35; Akt: 11.11.2015 15:29 Print

«Sepp Blatter verdient fast acht Millionen Euro»

Christian Constantin und Sepp Blatter kennen sich gut. Der Sion-Präsident hat nun das angebliche Salär des Fifa-Chefs ausgeplaudert.

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Joseph Blatter wird am 10. März 1936 in Visp geboren. Seine Schulzeit durchläut er im Wallis, studiert hat er Volkswirtschaft an der Universität Lausanne. Im Militär bringt es Blatter bis zum Oberst der Artillerie (Foto von 1966 als Oberleutnant). Der Walliser spielt selber in der 1. Liga Fussball. Hier sieht man ihn in Aktion beim Sepp-Blatter-Turnier in Ulrichen VS im Jahr 2000. 1975 tritt Blatter in den Dienst der Fifa und wird Direktor für Entwicklungsprogramme. 1981 wird Blatter Generalsekretär. Ab 1990 hat er den Status eines Exekutivdirektors. WM-Auslosung 1983 in Regensdorf. Die Ziehung dauert damals 67 Minuten und wird von über 150 Medienvertretern und rund 200 Verbandsdelegierten verfolgt. 25 TV-Stationen übertragen das Geschehen direkt. Während der Eröffnung einer Fifa-Ausstellung am 17. Mai 1994 im Olympia-Museum von Lausanne spielt Generalsekretär Blatter mit dem damaligen Fifa-Präsidenten João Havelange eine Partie Tischfussball. 1998 gibt Blatter seine Kandidatur für das Amt des Fifa-Präsidenten bekannt. Neben ihm kandidiert der schwedische Uefa-Präsident Lennart Johansson. Am 8. Juni 1998 wählt der Fifa-Kongress in Paris Joseph Blatter zum Nachfolger von João Havelange als Fifa-Präsident. In der Wahl setzt er sich mit 111 zu 80 Stimmen gegen Uefa-Präsident Lennart Johansson durch. Die Freude bei Blatter ist gross. Hier umarmt er seine Tochter Corinne. Viele bekannte Persönlichkeiten gratulieren dem Walliser zu seinem Sieg. Im Bild: Der damalige Bundesrat Adolf Ogi (l.) und der damalige Xamax-Präsident Gilbert Facchinetti. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern übt Joseph Blatter den Fifa-Chefposten nicht ehrenamtlich aus, sondern erhält 1998 ein Jahressalär von rund 750'000 Euro. Schon kurz nach sein Wahl zum Präsidenten kommt es zum ersten Skandal. Enthüllungsautor David Yallop beschreibt in einem Buch, wie Blatter bei der Wahl angeblich 22 Stimmen kaufte. Der Fifa-Chef geht juristisch gegen das Buch vor und erwirkt einen Verkaufsstopp. Umgeben von Fussballstars: Blatter bei der Eröffnung des neuen Fifa-Hauptquartiers in Zürich im November 1998 mit Michel Platini, Angel Maria Villar Llona, Pelé, Bobby Charlton und Franz Beckenbauer (v. l.). Seit 1999 ist Joseph Blatter auch Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Auf diesem Foto ist er im Gespräch mit dem damaligen IOC-Chef Juan Antonio Samaranch. Im Laufe seiner Karriere trifft Blatter viele berühmte Persönlichkeiten, z.B. im Dezember 2000 Papst Johannes Paul II. Eine seiner Errungenschaften als Fifa-Präsident: Sepp Blatter hat die Vermarktung der WM vorangetrieben. Hier sieht man eine Werbung mit Roberto Carlos, Luis Figo und Ronaldo aus dem Jahr 2002. Zu den grössten Widersachern des Schweizer Fifa-Präsidenten gehörten der schwedische Uefa-Präsident Lennart Johannson (Mitte) ... ... der einstige CEO der Uefa, Gerhard Aigner ... ... und vor allem auch der eigene Zögling Michel Zen-Ruffinen. 2002 erhebt der damalige Fifa-Generalsekretär Vorwürfe gegen Blatter wegen finanziellem Missmanagement und Korruption. Die entsprechende Klage wird durch ein Schweizer Gericht fallen gelassen. Trotz der schlechten Presse kann er sich im gleichen Jahr über seine erste Wiederwahl freuen. Der Schweizer gerät aber auch in Zukunft immer wieder in Kritik. 2006 bekommt die Fifa einen schicken Neubau am Zürichberg. Die neue Fifa-Zentrale gleicht mehr dem Hauptquartier eines Weltkonzerns als dem Sitz eines Fussballverbands. Zürich ist stolz darauf, die Fifa beheimaten zu dürfen. Daher steht sie dem Verband stets zu Diensten, etwa bei der Grundstückssuche oder bei den sehr niedrigen Fiskalabgaben. Die Stadt Zürich benennt sogar eigens für den Neubau eine Strasse nach dem Weltfussballverband. Hier posiert Blatter mit dem damaligen Stadtpräsidenten Elmar Ledergerber (M.) und dem Fifa-Generalsekretär Urs Linsi. Als enger Vertrauter und fleissiger Helfer Blatters gilt der Fifa-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Privat zeigt sich Sepp Blatter gerne in Begleitung jüngerer Frauen. Den WM-Achtelfinal 2006 besuchte er mit seiner 31 Jahre jüngeren On-off-Freundin Ilona Boguska. Trotz allem wird Sepp Blatter 2007 als Präsident der Fifa wiedergewählt. Symbolisch erhält er während des 57. Fifa-Kongresses in Zürich einen Globus überreicht. 2008 sorgt ein Autounfall des Fifa-Chefs im Berner Oberland für Aufregung. Bei einem Überholmanöver gerät Blatter auf die Gegenfahrbahn und verursacht einen Frontalcrash. Alle Beteiligten werden nur leicht verletzt. Für Aufregung sorgt, dass die Polizei die Nummernschilder entfernt, bevor Blatters Wagen fotografiert wird. Jedes Jahr überreicht der Fifa-Chef die Trophäe des besten Fussballers des Jahres. 2008 geht sie an Cristiano Ronaldo ... ... 2009 an Lionel Messi. Eines seiner Verdienste: Blatter bringt die WM 2010 zum ersten Mal nach Afrika. Überhaupt etabliert Blatter den heute üblichen Turnus: Das Turnier findet abwechslungsweise einmal in Europa und einmal auf einem anderen Kontinent statt. Herbst 2010: Joseph Blatter gerät erneut unter Druck. Drei Tage vor der Vergabe der Fussball-WM-Turniere 2018 und 2022 geraten mehrere Fifa-Mitglieder unter Korruptionsverdacht. Davon völlig unbeeindruckt gibt Blatter am 2. Dezember 2010 bekannt, dass die WM 2022 in Katar ausgetragen wird. Am 1. Juni 2011 kämpft Joseph Blatter gegen seinen Herausforderer Mohamed Bin Hammam um seine bereits vierte Amtszeit als Fifa-Präsident. Lange gilt Mohamed Bin Hammam als Weggefährte Sepp Blatters, beschafft dem Fifa-Präsidenten in zwei Wahlkämpfen wichtige Stimmen. Jetzt will der katarische Spitzenfunktionär gegen Blatter antreten. Erst in den Tagen vor der Wahl wird der Kampf um den Vorsitz der Fifa schmutzig. Gegen Blatter und Bin Hammam werden Untersuchungen wegen Bestechung eingeleitet. Während sein Konkurrent von der Fifa-Ethik-Kommission suspendiert wird, wird Blatter noch vor der Wahl freigesprochen. Bei der Wahl am 1. Juni 2011 wird Blatter - mittlerweile als einziger Kandidat - mit 186 der 208 Stimmen für vier Jahre wiedergewählt. Juli 2012: Nachdem aufgedeckt wird, dass hohe Fifa-Funktionäre Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen hatten und Blatter davon wusste, gerät der Fifa-Chef stark unter Druck. Es werden Rücktrittsforderungen laut. 17. Juli 2012: Das Exekutivkomitee der Fifa nimmt den neuen Ethikcode an, damit soll die Fifa besser gegen Korruption vorgehen können. Blatter erklärt an der Sitzung, dass ein Rücktritt (der in den letzten Tagen vermehrt wegen des ISL-Falls gefordert wurde) ausser Frage stehe. Als Gastgeber der Fifa Ballon d'Or Gala ehrt Sepp Blatter im Januar 2013 im Zürcher Kongresshaus Lionel Messi (links) und Abby Wambach (rechts) zu den Weltfussballern des Jahres. Im gleichen Jahr gibt sich der französische Schauspiel-Gigant Gérard Dépardieu die Ehre im Zürcher Kongresshaus. Blatter und Dépardieu verbindet ihre Freundschaft mit Russlands Präsident Vladimir Putin. Seit vielen Jahren kämpft Sepp Blatter gegen Rassismus im Fussball. Im März 2013 ehrt er den damaligen Milan-Star Kevin-Prince Boateng. Der ghanaische Internationale führt sein Team in einem Freundschaftsspiel gegen den unterklassigen Klub Aurora Pro Patria vom Platz, nachdem er und weitere Milan-Spieler rassistisch beleidigt wurden. 2014 findet die Fussball-WM in Brasilien statt. Im Vorfeld erschüttern soziale Unruhen den bevölkerungsreichsten Staat Südamerikas. Blatter empfängt Staatspräsidentin Dilma Rousseff im Januar 2014 in Zürich. Nicht immer bereiten Umarmungen gleich viel Vergnügen: Sepp Blatter wird von Russlands Präsident Vladimir Putin an den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi geherzt. Links der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach. 75-Millionen-Projekt in Zürich-Enge: Im April 2013 lanciert Blatter symbolisch die Bauarbeiten für das neue Fifa Museum. Das Museum der Superlative soll ab 2016 Fussball-Fans aus aller Welt nach Zürich locken. Michael Garcia (links) und Hans-Joachim Eckert, die beiden Vorsitzenden der Fifa-Ethikkommission. Chefermittler Garcia trat im Herbst 2014 unter Getöse zurück, nachdem Richter Eckert die Ausrichter der WM 2018 und 2022, namentlich Russland und Katar, vom Vorwurf freigesprochen hatte, Stimmen der Exekutivkomitees gekauft zu haben. Wieder einmal Fifa Ballon d'Or Gala. Im Januar 2014 erinnert Sepp Blatter, ein Mann der ganz grossen Geste, an die Opfer der Terroranschläge von Paris. Kandidat und Präsident: Am 29. Mai 2015 lässt sich Sepp Blatter zum fünften Mal zum Präsidenten des Fussball-Weltverbandes wählen. Der einzige Herausforderer, Prinz Ali bin al-Hussein von Jordanien (links), zieht seine Kandidatur nach dem 1. Wahlgang zurück. Der frühere portugiesische Fussballstar Luis Figo und der holländische Verbandspräsident Michael van Praag gaben schon vor der Wahl forfait. Am 2. Juni 2015, wenige Tage nach seiner Wiederwahl, kommt es zum grossen Knall: Der Walliser legt sein Amt als Fifa-Präsident überraschend nieder. Knall am 8. Oktober 2015: Fifa-Präsident Sepp Blatter (r.) und Uefa-Präsident Michel Platini (l.) sind per sofort suspendiert und 90 Tage gesperrt. Das teilt die Fifa-Ethikkommission mit. Blatter ist gemäss seinem persönlichem Berater Klaus J. Stöhlker um 7 Uhr zur Arbeit im Fifa-Büro erschienen und muss seinen Arbeitsplatz räumen. Sepp Blatter will nach seiner Suspendierung auf den Fifa-Thron zurückkehren. Seine Vertrauten arbeiten daran, dass er dann möglichst lange Zeit im Amt bleiben wird. Am 21. Dezember 2015 verkündet die Fifa-Ethikkommission ihr Urteil: Der 79-jährige Walliser wird für acht Jahre gesperrt. Ende Februar 2016 senkt die Rekurskammer der Fifa die Sperre von Sepp Blatter (und Michel Platini) um zwei auf sechs Jahre und korrigiert damit das Urteil der Ethikkommission des Weltverbandes. Wenige Tage später wird der neue Fifa-Präsident gewählt. Es ist erneut ein Walliser, Gianni Infantino. Sepp Blatters Biografie «Sepp Blatter - Mission & Passion Fussball» ist am 21. April 2016 erschienen.

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Der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. So ist er nicht nur berüchtigt dafür, Trainer am laufenden Band zu entlassen, er legt sich auch ohne Rücksicht auf Verluste mit Fussballverbänden an. Das haben in den letzten Jahren sowohl Swiss Football League als auch die Uefa zu spüren bekommen. Nun zielt CC sogar auf die Fifa.

Konkret sogar auf den suspendierten Fifa-Präsidenten, seinen persönlichen Freund Sepp Blatter. In einem Interview mit dem TV-Sender TV5 Monde hat er seinen Unmut über die wirtschaftliche Entwicklung im internationalen Fussball kundgetan. «Ich war schon immer empört über die Beziehung zwischen den Clubs und den Verbänden und Konföderationen», sagte Constantin in dem Gespräch. Die Klubs seien die Unternehmen im Fussball, Aufgabe der Fifa und der Uefa sei es, Wettbewerbe zu organisieren.

«Er wollte nie wirklich auf mich hören»

«Das Geld aus TV-Rechten, das ihnen (Fifa und Uefa, die Red.) die Kassen gefüllt hat, lässt einen schon den Kopf schütteln», sagte der Sion-Boss. «Die Gehälter haben wahnwitzige Ausmasse erreicht und der Fussball wird geplündert.» Und Constantin geht bei der Gehaltsfrage sogar ins Detail: «Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm (Sepp Blatter, die Red.). Wir haben oft über Probleme gesprochen, aber er wollte nie wirklich auf mich hören. Die Gehälter bei der Fifa sind überzogen. Der Lohn des Präsidenten ist nahe an acht Millionen Euro, der Generalsekretär verdient fast fünf.»

Solche Zahlen seien nicht akzeptabel, wenn man einfach einen Wettkampf organisiere. «Diese unzumutbaren Zustände müssen wieder in Ordnung gebracht werden.»

(ofi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PJ am 03.11.2015 13:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausbeutung durch FIFA

    Bravo CC, endlich mal einer der sagt was er denkt und die Machenschaften der FIFA untermauert!

  • Bodo Bär am 03.11.2015 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke CC

    Vielen Dank an CC, der endlich mal tacheles redet. Dies geht aber nur, weil ihm niemand wirklich weh tun kann. Hoffentlich bleibt er unabhängig.

  • Patrick am 03.11.2015 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Zur Abwechslung mal was "Schlaues" von CC zu lesen. Wenn das stimmt, wäre dies eine riesengrosse Sauerei!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pascal am 04.11.2015 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unter uns

    Mir hat CC im Vertrauen gestanden, dass er mehr verdiene als Sepp Blatter. Klar - der FC Sion ist kein Billig-Hobby. Ebensowenig wie seine Ferraris und geleaste Privat-Jets.

  • Money am 03.11.2015 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dann müsste überall gekürzt werden

    Auch bei den Spieler, wie auch fernsehrechte und und und. Aber Geld regiert die Welt, Fußball ist da nur ein Problem von vielen. Und sind wir mal ehrlich jeder würde das annehmen, reden können wir gut, aber in der Situation sieht es dann ganz anders aus!

    • willi am 04.11.2015 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      vergiss die Fernsehrechte

      und zwar muss dies andersrum laufen. Der TV oder Radio-Konsument soll für das Konsumieren der Bandenwergung und der Klub-Werbgung entschädigt werden. Die Sportveranstalter erhalten nur Werbegelder, weil diese in TV übertragen werden und davon soll der Konsument etwas haben.

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  • Wurzelnetzwerk am 03.11.2015 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3.Nov. 2015 20:17

    die Blätter sind gefallen, Josef Blatter klebt immer noch am Baum. Es blattert, hat es geheissen vor ein paar Wochen. Blatter kann gar nicht blättern, er ist der Stamm, man kann ihn nicht mal entwurzeln. Die Wurzeln reichen von Zürich durch die Erde bis nach Down Under.

  • Sepp inklusive am 03.11.2015 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein Wunder

    kommt man auf einen Schnitt von einer halben Kiste, welche jeder Schweizer auf der hohen Kante haben soll. Das ist so was von unverschämt, das Portfolio fiktiv auf die Einwohner zu verteilen, grenzt schon an Plasphemie.

  • Joseph am 03.11.2015 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir sind reich

    Wen man so was liest dan wirds eim richtig schlecht weil es heist immer wieder wir schweizer verdienen mehr pro kopf als alle anderen da bei gibtes leute die richtig hart arbeiten mssen um ber wasser zu bleiben. Reiche schweiz