GCs Alexander Merkel

18. Juli 2014 07:06; Akt: 18.07.2014 09:21 Print

«Sorry, ich bin kein Torjäger»

von Sandro Compagno - Der spektakulärste Transfer der Super League tritt durch die Hintertür ein: Kurz vor Saisonstart hat sich GC mit Alexander Merkel eine Trouvaille gesichert.

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Nein, das Wort «Trüffelschwein» möchte GC-Trainer Michael Skibbe nicht lesen: «Ich mache die Transfers nicht allein. Es ist mir wichtig, das klarzustellen.» Neben Skibbe kümmern sich Verwaltungsrat Martin Keller und der frühere Chefscout Feliciano Magro um die Transfergeschäfte des Grasshopper Clubs. Doch die jüngsten Umwälzungen in der Teppich-Etage beim Rekordmeister haben die Macht des Cheftrainers gestärkt. Erst vor wenigen Tagen verlängerte Skibbe seinen Vertrag bis 2016.

Der Präsident, der Sportchef und der Marketingverantwortliche verliessen den Campus in Niederhasli in den letzten Monaten nicht ohne Nebengeräusche, dazu verloren die Grasshoppers laut Tages-Anzeiger die Unterstützung verschiedener Geldgeber, genannt Owner. Statt 15 bis 16 seien aktuell nur noch zehn bis zwölf Owner an Bord. Der Jahresbeitrag des exklusiven Zirkels beträgt 250'000 Franken.

Skibbes Beziehungen sind wertvoll

Ein Trüffelschwein möchte Michael Skibbe nicht sein, aber die Verbindungen und der Sachverstand des 48-jährigen Deutschen sind Gold wert für die chronisch klammen Grasshoppers, die im Halbjahres-Rhythmus ihre besten Kräfte verlieren. Im letzten Sommer holte er den damals übergewichtigen Brasilianer Caio aus dem Vorruhestand in Brasilien, dieser dankte es mit 13 Toren und 7 Vorlagen. (Skibbe: «Gut, das gebe ich zu. An diesem Transfer bin zu 100 Prozent schuld.»)

Im Winter kam der Israeli Munas Dabbur, der in 15 Spielen auf 9 Tore und 4 Assists kam (Skibbe: «Den holte der damalige Sportchef Dragan Rapic.»). Und am Montag betrat der hochbegabte Spielmacher Alexander Merkel, ein früherer deutscher Junioren-Internationaler, den Campus. «Herr Skibbe hat mich angerufen, und wir hatten ein sehr gutes Gespräch», erzählt der 22-Jährige, der im zarten Alter von 18 Jahren für die AC Milan bereits in der Champions League spielte.

Holpriger Weg nach Milan-Engagement

Damals schien der Weg frei für eine grosse Karriere. Doch es kam anders: Wechsel zu Genoa, Ausleihe zurück zu Milan, dann der Transfer zu Udinese, später die Ausleihe in die englische zweite Liga zum FC Watford. Hochtalentiert sei Alexander Merkel, sagt Skibbe: «Aber in den letzten Jahren wurde er zu oft verliehen.» Auch bei den Grasshoppers ist der zentrale Mittelfeldspieler auf Leihbasis tätig. «Wir müssen davon ausgehen, dass er uns in einem Jahr wieder verlässt», so Skibbe. Aber ein Jahr als Stammkraft im selben Klub werde ihm dennoch guttun.

Als Ersatz für den zum FC Basel transferierten Shkelzen Gashi sieht Skibbe seinen jungen Landsmann nicht. Da habe GC mit Yoric Ravet (Lausanne) und Mahmoud Kahraba (Luzern) schon gehandelt. Im Gegensatz zum Flügel Gashi ist Merkel ein Mann fürs Zentrum, ein Spielmacher. Und was ist mit Toren? Mit 19 Treffern hatte Shkelzen Gashi in der letzten Saison massgeblichen Anteil daran, dass die Hoppers den Titelkampf gegen den FC Basel lange offenhalten konnten. Merkel winkt ab: «Sorry, ich bin leider kein Torjäger.» Seine Stärken liegen im schnellen Umschalten von Defensive auf Angriffsspiel, in der Kreation, nicht in der Vollendung.

Ein erstes Muster gibt es am Sonntagnachmittag im Derby gegen den FCZ. Alexander Merkel freut sich, auch wenn er kaum in der Startelf stehen dürfte: «Derby klingt gut. Da bin ich mal gespannt.» Wir auch.