Gökhan Inler

10. März 2011 23:46; Akt: 11.03.2011 09:45 Print

«Udinese spielt den schönsten Fussball»

von Sandro Compagno - Im Verein befindet sich Gökhan Inler im Höhenflug. In der Nati gab es zuletzt heftige Kritik am Mittelfeldspieler. Mit 20 Minuten sprach der Udinese-Star über die Champions League, über heftige Klatschen und über die Nationalmannschaft.

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Führt die Aufholjagd in die Champions League? Udinese-Star Gökhan Inler befindet sich im Höhenflug. (Foto: Imago)

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Gökhan Inler, Udinese ist im Herbst mit vier Niederlagen miserabel in die Meisterschaft gestartet, mittlerweile haben Sie sich auf Platz 5 vorgekämpft. Was passierte seit September?
Gökhan Inler: Im Grossen und Ganzen hatten wir schon damals mit Ausnahme eines 0:4 gegen Juventus gut gespielt. Es fehlte uns einfach an Wettkampfglück. Dazu kam ein Trainerwechsel im Sommer, ein neuer Staff, ein neues System. Wir haben von 4-3-3 auf 3-5-2 umgestellt. Das brauchte doch etwas Zeit.

Auch Ihre Rolle hat sich verändert.
Ja, nach dem Wegzug von Gaetano D’Agostino habe ich seine Position vor der Abwehr übernommen.

Udinese ist dieses Jahr noch ungeschlagen – träumen Sie schon von der Champions League?
Unser erstes Ziel waren 40 Punkte. Das haben wir erreicht. Wir wissen, was wir können, und wir wollen das Bestmögliche herausholen.

Sie sind jetzt 26 und seit bald vier Jahren in Udine tätig. Auf dem italienischen Mercato taucht ihr Name regelmässig in Verbindung mit grösseren Klubs auf. Hätte eine CL-Qualifikation mit Udinese Calcio Auswirkungen auf Ihre Karriereplanung?

Ich habe immer gesagt: Es muss alles stimmen, wenn ich den nächsten Schritt machen werde. Udinese ist eine gute Adresse, wir spielen den schönsten Fussball in Italien und wenn ich hier die Chance habe, europäisch zu spielen, ist das sicher eine Überlegung wert.

Italien verliert 2012 einen CL-Platz an Deutschland, liegt im Uefa-Ranking nur noch auf Platz 4. Was läuft falsch im Calcio?
Schwierig zu sagen. Die alten Stadien, verbunden mit den Fan-Ausschreitungen und den Wettskandalen, haben dazu geführt, dass die Zuschauerzahlen stetig sinken. Aber ich glaube fest an eine Renaissance hier in Italien. Es sind neue Stadien in Planung – auch hier in Udine gibt es ein Stadionprojekt, das in drei, vier Jahren realisiert werden kann.

Ende Februar haben Sie den höchsten Udinese-Sieg egalisiert und in Palermo 7:0 gewonnen. Was geht einem durch den Kopf in so einem Spiel? War da etwas faul?
Nein. Ich sage Ihnen, wie es wirklich war: Wir wussten, dass Palermo zu Hause jeden Gegner an die Wand spielen kann. Die Mannschaft ist gut, die Fans heissblütig. Wir waren bestens vorbereitet und kamen aufs Feld wie die Furien. Wir waren taktisch, technisch und mental absolut bereit und haben Palermo regelrecht geschockt. Nach einer knappen halben Stunde stand es 3:0 für uns, dann kam die erste Rote Karte gegen die Sizilianer, es war gelaufen. Wissen Sie, so ein 0:7 ist ein Schock für den Gegner. Ich habe einmal mit Aarau bei einem 2:7 gegen Basel etwas Ähnliches erlebt. Grauenhaft.

Sie erhalten in Italien für ihr taktisch intelligentes Defensivspiel stets gute Kritiken. Das war in ihren letzten Spielen für die Nati anders. Fühlen Sie sich in der Nati unwohl?

Es geht hier nicht darum, ob ich mich wohl fühle oder nicht. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben. Mit der Kritik kann ich umgehen und auch mit den Erwartungen der Leute in der Schweiz an mich.

In Udine spielen Sie vor der Abwehr, in der Nati sollen Sie als Regisseur das Offensivspiel organisieren. Werden Sie von Ottmar Hitzfeld falsch, das heisst zu weit vorn, eingesetzt?
Nein, das denke ich nicht. Ich habe schon beim FCZ in einem Mittelfeld mit Doppel-6 gespielt, die Position ist also nicht neu für mich. Und ich kann offensiv mehr bringen, als ich bisher gezeigt habe. Ich versuche jeden Tag, mich zu verbessern. Ich suche die Kombination von offensiven Impulsen und defensiver Verlässlichkeit.

Das 0:0 in Malta machte wenig Hoffnung auf eine erfolgreiche Qualifikation für die EM 2012.
Das nächste Spiel in Bulgarien müssen wir ganz einfach gewinnen. Alle wissen, worum es geht. Wir wussten, dass wir in einer schwierigen Qualifikationsgruppe sind. Aber wir werden top-motiviert antreten und alles für den Sieg geben.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema: Sie haben eine Website (www.inler.ch), Sie nutzen Facebook und Twitter. Warum der ganze Aufwand?

Ich will jenen, die mich als Sportler verfolgen, die mich schätzen, ein bisschen was zurückgeben. Ich habe so die Möglichkeit, Fragen zu beantworten, auch mal einen Wettbewerb zu machen – das ist mir wichtig.