Vladimir Petkovic

24. August 2018 19:13; Akt: 24.08.2018 19:25 Print

«Wir sind alle geschüttelt worden»

von E. Tedesco, Bern - Nati-Trainer Vladimir Petkovic bricht sein Schweigen und sagt, dass er Valon Behrami nicht in Pension schicken wollte.

Nati-Trainer Vladimir Petkovic sagt, dass er Valon Behrami nicht in Pension geschickt hat. (Video: 20 Minuten)
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53 Tage oder einen Monat und 22 Tage ist es her, das die Nati im WM-Achtelfinal gegen Schweden ausgeschieden ist. Genau so lange ist es auch her, nämlich 7 Wochen und vier Tage, dass sich Vladimir Petkovic nicht mehr äusserte und in der Versenkung verschwand. Am Freitag fand der Nati-Coach den Weg durch den Gotthard wieder und brach sein Schweigen. Der Nati-Coach äusserte sich auch zum Thema Valon Behrami.

Die Causa Behrami hat Anfang August die ganze Schweiz empört. Nach einem Telefongespräch zwischen dem Nati-Coach und dem Vize-Captain der Nati gab Behrami in einem TV-Interview mit dem Tessiner Fernsehen seinen Rücktritt. Petkovic äusserte sich nie direkt zur Personalie, liess aber via einem SFV-Communiqué ausrichten, das sei alles nur ein Missverständnis. Am Freitag erklärte sich der Schweizer Selektionär vor den Medien.

Das Interview in einem emotionalen Zustand

«Wir müssen neue Akzente setzten, darüber habe ich auch mit einigen Spielern gesprochen. Ich will jüngeren Spielern die Möglichkeit geben, anzuklopfen, sich aufzudrängen und zu beweisen, um im Winter zu schauen, wer dann in der EM-Qualifikation dabei ist. Deshalb habe ich mit erfahrenen Spielern gesprochen – ohne aber definitive Entscheide zu fällen», sagt Petkovic. Vielmehr ging es darum, diese Spieler betreffend der Zukunftspläne zu sensibilisieren.

«Valon hat im emotionalen Zustand leider schon eine Stunde nach dem Telefonat ein Interview für das Tessiner Fernsehen gegeben», so der Nati-Trainer vielsagend. «Wir haben fünf, sechs, vielleicht zehn Minuten gesprochen. Mit Gelson Fernandes habe ich 45 Minuten gesprochen.» Die Resonanz von den anderen Spielern wie Blerim Dzemaili, Stephan Lichtsteiner und auch Johan Djourou sein positiv gewesen.

Risse in der Mannschaft

Und weiter sagt der Tessiner: «Ich habe als Nationaltrainer nicht das Recht, einen Spieler in Pension zu schicken, nur ihn ins Aufgebot zu nehmen oder nicht. Ich nehme mir auch nicht heraus, so eine Karriere zu beenden. Die Geschichte hat mich sehr berührt. Es tut mir sehr leid, was mit Valon passiert ist. Das hat er nicht verdient.» Warum Petkovic via Telefon mit Behrami kommuniziert habe, erklärt er damit, dass er nicht gewusst habe, dass dieser in Lugano und nicht in der Saisonvorbereitung mit Udinese sei. Zudem sei ihm wichtig, alle Spieler gleich zu behandeln und deshalb habe er mit allen am Telefon gesprochen.

Was Behrami mit Rissen oder gar einer Spaltung im Team in seinem Interview meinte, beantwortete Petkovic folgend. «Das müssen sie Valon fragen. Ich habe nicht verstanden, was er damit gemeint hat.»

Ist Petkovic noch der richtige Trainer?

Das Image des Trainers hat seit der WM gelitten. Die Nicht-Kommunikation, die Geschichte mit dem «Doppeladler» im Serbienspiel, der für Irritationen gesorgt und schliesslich nach einem Interview mit der «NZZ» und dem «Tagesanzeiger» zum Rücktritt von SFV-Generaksekretär Alex Miescher geführt hat und am Ende die unschöne «Pensionierung» eines sehr verdienstvollen Spielers lösten viel Kritik und Zweifel am Nationaltrainer aus. Ist Petkovic noch der richtige Trainer?

Das sagt der Nati-Delegierte Claudio Sulser zu den Kommunikationspannen und zur Causa Petkovic. (Video: 20 Minuten)

Für Claudio Sulser, den Nati-Delegierten und Chef des Nati-Trainers, ist klar: «Vladimir Petkovic hat uns in jeder Hinsicht überzeugt. Er hat erstmals in der Geschichte des SFV zweimal in Folge einen Achtelfinal erreicht, er arbeitet sehr diszipliniert, er denkt viel und er ist eine Persönlichkeit mit Prinzipien und Werten und einer, auf die man sich verlassen kann. Wir haben aber nun auch erfahren, wie wichtig die Kommunikation ist und werden ihn noch besser unterstützen. Deshalb ja: Vladimir Petkovic ist der richtige Trainer.»

Und wie geht Petkovic mit der ganzen Situation und den Missstimmen nach der WM um? «Wir sind alle geschüttelt worden», sagt Petkovic. «Ich bin stolz Nati-Trainer der Schweiz zu sein. Und ich bin es gerne. Meine Pläne betreffen die nächsten zwei Jahre.» So lange hat der Tessiner Vertrag - wenn er sich für die EM qualifiziert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leader am 24.08.2018 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Amateure mit Profi- Entschädigungen!!

    Jeder Turnverein, jeder Jodlerklub in der Schweiz ist besser organisiert als der SFV. Dort sind aber auch Menschen mit Herzblut und ohne grosse Entschädigungen am Werk und nicht begnadete, inkompetente Funktionäre.

    einklappen einklappen
  • Chris am 24.08.2018 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja nicht so als bringe Valo die Wm

    Mano man, hier wird ja so drüber berichtet als wäre das ende der Welt nahe. Joo er ist ein solider Spieler aber übertreiben muss man es jetzt auch nicht. Es hat echt genug Junge Spieler die es echt mal wert sind sie auszuprobieren.

  • Koni am 24.08.2018 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich.

    Hat der nun was gesagt oder nur gesprochen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donlancer am 25.08.2018 13:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Änderungen an der Mannschaft

    In anderen Ländern werden einfach neue Spieler übernommen ohne wenn und aber...

  • Kay Lust am 25.08.2018 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Neuanfang

    Ganze Nati wechseln inkl.Trainer

  • Vic am 25.08.2018 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Peto

    Verstehe Behrami überhaupt nicht, es ist doch gut, wenn in Testspielen einmal jüngere und neue Spieler zum Einsatz kommen. Bei den wichtigen EM Quali spielen hätte Behrami wieder spielen können... Je breiter das Kader aufgestellt ist, umso besser. Das einzige wo Petkovic verbessern könnte, er soll endlich an seinem Deutsch arbeiten, das ist immer noch sehr schwach.

  • Dankender am 25.08.2018 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Unbedingt auch Trainerwechsel

    Es muss auch einen Trainerwechsel geben.Nur die Million abholen und die Verantwortung nicht übernehmen.Das geht einfach nicht.

  • Res am 25.08.2018 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kommunikation

    Petkovic mag ein mangelhaftes Kommunikationstalent haben, nach Aussen und innerhal der Mannschaft. Das kann er mit einem Coaching ändetn. Dafür setzt er die Prio in einer Nationalmannschaft richtig. Er ist stolz, Trainer der Schweiz zu sein. Grosser Kontrast zu Xhaka, der Tore für seine Familie, den Kosovo und die Schweiz schiesst. Er muss seine Wurzel ja nicht verleugnen aber die Prio / Reihenfolge ändern. Hier kann er vom Trainer etwas lernen.