Hertha erwägt Protest

16. Mai 2012 10:58; Akt: 16.05.2012 11:18 Print

«Weitergespielt, um ein Blutbad zu verhindern»

Die Fussball-Schande von Düsseldorf wird Konsequenzen haben. Welche? Das ist momentan noch unklar. Es stehen verschiedene Möglichkeiten im Raum. Der DFB ermittelt bereits.

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Die Fans von Düsseldorf hätten am 15. Mai 2012 beinahe das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin zum Abbruch gebracht. Die Fortuna-Fans stürmten zu früh den Platz, da sie glaubten, der Aufstieg sei bereits perfekt. Dabei waren noch zwei Minuten zu spielen. Hunderte mussten von den Sicherheitsleuten wieder vom Platz geschafft werden. Erst nach einer halben Stunde konnte die Partie zu Ende gepspielt werden. Schon zuvor gabs Randale: Hertha-Fans zünden nach dem 2:1-Führungstreffer der Fortuna Pyros. Die Brandsätze fliegen auf den Platz und die eigenen Spieler müssen die Chaoten beruhigen. Doch nicht nur nach dem 2:1 kippte die Stimmung. Ein TV-Mikrofon... Hertha-Spieler räumen die Pyros selbst weg. Die letzten Minuten konnten nur dank imenser Polizeipräsenz gespielt werden. Die Polizisten versuchen die Fans - die vor dem Abfpiff das Feld stürmten - wieder auf die Tribünen zu treiben. Natürlich gabs auch Verhaftungen. Spieler wie Adam Bodzek drehten beim grob fahrlässigen Verhalten der eigenen Anhänger fast durch. Ranisav Jovanovic - nach seiner vergebenen Chance stürmten hunderte Fans den Platz. Konsternation pur. Die Fortuna jubelt über den Aufstieg in die 1. Bundesliga. König Otto muss mit Hertha Berlin in die 2. Bundesliga. Die junge Fortuna-Fans freuen sich auf ein Fussballfest. Nicht Campino von den Toten Hosen, aber sonst ein Punkrocker, der Fortuna-Fan ist. Dann wars tatsächlich geschafft: Goalie Michael Ratajczak lässt sich feiern. Und auch Verteidiger Assani Lukimya. Der Platz wurde jetzt endgültig gestürmt. Souvenirjagd. Mitten im Aufstiegstaumel: Andreas Lambertz, der von der vierten bis in die oberste Liga aufsteigt.

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Nach dem verfrühten Platzsturm der Fortuna-Fans, die ihre Mannschaft in der 97. Minute bereits in der Bundesliga sahen, herrschte pures Chaos in der Düsseldorfer «EspritArena». Erst nach einer halben Stunde, als der Platz wieder geräumt war, bat Schiedsrichter Wolfgang Stark die Mannschaften wieder aufs Spielfeld.

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Die Herthaner blieben jedoch lange in der Kabine, bis sie doch noch auf den Platz zurückkehrten. Laut Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt sassen die Berliner Spieler geschockt und mit Todesangst in der Garderobe. Nur auf Bitten der Polizei kehrten sie offenbar auf das Spielfeld zurück. «Der Schiedsrichter hat die Mannschaft nicht wegen des Fussballs auf den Platz zurückgeführt, sondern nur auf Bitten der Polizei, um eine Eskalation – man hat von einem Blutbad gesprochen – zu verhindern», sagte Schickhardt im ARD-Morgenmagazin.

Was, wenn Hertha ein Tor geschossen hätte?

«Die Sicherheit der Spieler war unter diesen Umständen nicht mehr gewährleistet», sagte Hertha-Manager Michael Preetz. «Man muss sich nur vorstellen, was hier passiert wäre, wenn wir in den zwei Minuten noch mal ein Tor gemacht hätten.» Die berechtigte Angst vor einem eigenen Treffer wird ein wichtiges Argument sein, wenn juristische Schritte eingeleitet werden.

Die Hertha-Verantwortlichen geben noch keine Auskünfte, ob sie wirklich Protest einlegen wollen. «Ich kann das jetzt nicht beantworten. Wir werden eine Nacht darüber schlafen», sagte Preetz nach der Partie. Hertha-Anwalt Schickhardt wird schon konkreter. «Im Gesetz steht: Wenn Einflüsse von aussen auf ein Spiel treffen, die nichts mit dem Spiel zu tun haben, muss wiederholt werden», sagte er dem Fernsehsender «Sky» nach Spielschluss. «Wir entscheiden aber erst am Mittwochmittag. Zuerst werden wir unsere Rechte abwägen.»

Fortuna-Manager: «Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden»

Fortuna Düsseldorf ist dagegen fest davon überzeugt, dass der Aufstieg nicht nachträglich am Grünen Tisch aberkannt wird. «Ich gehe fest davon aus, dass wir aufgestiegen sind», sagte Fortuna-Manager Wolf Werner im ARD-Morgenmagazin. «Es ging ja nicht um Gewalt. Die Fans sind nach einem geglaubten Abpfiff auf das Spielfeld gelaufen. Das sind unschöne Szenen, die sind unnötig», meinte Werner. Aber der Schiedsrichter habe für die letzten 90 Sekunden die Begegnung wieder angepfiffen. «Der Spielablauf kann nicht infrage gestellt werden.»

Ein Protest der Berliner ist trotzdem mehr als wahrscheinlich. Bis Donnerstag hat die Hertha Zeit, Einspruch gegen die Wertung des Spiels einzulegen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fussball-Bundes DFB hat die Ermittlungen bereits aufgenommen. Die wahrscheinlichste Variante wäre ein Wiederholungsspiel. Offenbar wird aber auch eine Aufstockung der Bundesliga auf 19 Teams diskutiert.

(pre)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 16.05.2012 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klarer fall

    Ganz klar forfait sieg für die hertha berlin. Aus sportlicher sicht ist ein wiederholungsspiel das richtige. Aber ohne zuschauer! Die aussage der spielverlauf sei nicht gestört worden ist lächerlich. Der schiri hätte die partie gar nicht erst wieder anpfeiffen dürfen.

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  • DaDude am 16.05.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfache Sache

    Fussball verbieten! Problem gelöst! Die tausende von Fans können dann ihre energie in was sinnvolleres investieren, was ja nicht gerade schwierig sein wird

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  • Anti-Kommerz am 16.05.2012 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    Sport ist nur noch Nebensache

    Gestern sah man, dass es vielen "Anhängern" nicht um den Sport geht. Die Hertha-Pyrowerfer gefährdeten bewusst die Sicherheit der Leute und interessierten sich einen Deut für "ihre" Mannschaft, die sie bat damit aufzuhören. Viele Fortuna-Anhänger gingen frühzeitig auf den Rasen, um sich ein "Souvenir" zu ergattern, dass sie dann wahrscheinlich im Internet verhöckern wollten oder suchten einfach einen Grund um sich zu besaufen und sich selbst darzustellen. Diese Egomanen-Kultur und die Kommerzialisierung des Sports drängt denselben in den Hintergrund. "Moderner" Fussball eben!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • jode am 16.05.2012 14:27 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist, wie es ist!

    Es ist wie es ist. Hertha gehört in die 2. Bundesliga und Fortuna in die 1. Ganz einfach. Das ist immer noch die fairste Möglichkeit. Immerhin hat spielerisch Fortuna einfach gewonnen und Hertha verloren! Beide Fangruppierungen haben Müll gebaut, also einfach das Resultat stehen lassen.

  • blbla am 16.05.2012 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Alles im Griff?

    Und unsere Politiker meinen sicher immer noch, dass in den deutschen Stadien alles besser ist als hier.

  • HH Jung am 16.05.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

    Kirche im Dorf lassen

    Allein schon die Aussage im Titel dieses Artikels verdient den Preis der Übertreibung des Jahres! Früher nannte man sowas "Aufstiegsfeier", heute spricht man von einem Blutbad! Allein schon die Tatsache dass es möglich war, die KOMPLETTE Meute auf dem Feld wieder auf die Tribüne zu bekommen zeigt doch, dass es sich lediglich um eine unglücklicherweise zu früh initiierte, friedliche Feier handelte und bei Weitem nicht um irgendeinen Krawall...

    • Fussballfan am 16.05.2012 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      Schade eigentlich

      Richtig! Man könnte doch eine völlig andere Schlagzeile bringe wie:"Fortuna zwei Mal aufgestiegen", oder "Fortuna nach zu früher Feier trotzdem oben". Aber solcher Schlagzeile polarisieren nicht und sind nicht Boulevard-Zeitung-fähig. Schade eigentlich, dass man wahre Fans (und ja, die wahren Fans sind auch die, die Fackeln zünden) nicht mehr respektiert und nur noch kriminalisiert.

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  • Heiri Nussmüller am 16.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Security nicht existent

    Wer war für die Sicherheit im Stadion verantwortlich? Die Fortuna! Pyros wurden von Hertha-Fans geworfen. Aber wieso sind die überhaupt in's Stadion gekommen. Security versagt = Fortuna versagt! Auch wenn nur "freudige" Fans den Platz stürmten: Security versagt = Fortuna versagt. Und wenn ich Fortuna sage, dann meine ich nicht die Mannschaft sondern den Verein (Führung) als solches. Bin für ein Wiederholungsspiel auf neutralem Platz ohne Zuschauer im Stadion.

    • Hans mit Dampf am 16.05.2012 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      Ja, aber...

      Ich verstehe ihre Gedanken, aber eines ist zu bedenken: Sollte der Berliner Fackelwurf wirklich zu einer Wiederholung des Spiels führen, würden in Zukunft Fans deren Manschaft bei Auswärtspielen am verlieren ist, genau das gleiche machen, um eben eine Wiederholung zu erzwingen. Da darf man jetzt kein Präzedenzfall schaffen.

    • Stef Zaugg am 16.05.2012 14:08 Report Diesen Beitrag melden

      dito!

      Gleicher Meinung! Auch wenn die Mannschaft nichts dafür kann, muss der Verein bestraft werden. Nur so können sogenannte "fans" welche dem Verein nur schaden, gestoppt werden.

    • Huhligän am 16.05.2012 14:38 Report Diesen Beitrag melden

      Danke für die Idee :-)

      Danke für ihre Idee, wenn an zukünftigen Auswärtsspielen meine Mannschaft am verlieren ist, schmeisse ich einfach schnell ein paar Pyros auf's Feld, damit das Spiel wiederholt wird... ;-)

    • Sepp Müller am 16.05.2012 14:41 Report Diesen Beitrag melden

      Noch nie in einem Stadion

      Hallo Heiri Nussmüller Sie waren wahrscheinlich noch nie in einem Stadion! Wenn Sie schon einmal gesehen hätten, wie eine Kontrolle stattfindet, würden Sie keinen Augenblick verwenden um solche Zeilen im Netz zu platzieren. Sollen die Vereine Nacktscanner einsetzen?

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  • j.d. am 16.05.2012 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Naja!

    Was Hertha gemacht hat, ist nicht tolerierbar! Pyros auf das Spielfeld werfen geht einfach nicht, vorallem weil sie damit sogar Ihren eigenen Spielern schaden können. Was die Düsseldorfer gebracht haben, kann ich nicht viel dazu sagen. Ein Kumpel von mir war am Spiel und sagte, dass es wirklich aussah, als hätte der Schiri abgepfiffen, deshalb sind alle aufs Spielfeld gerannt. Warum sollten die Fans von Düsseldorf das Spiel unterbrechen? Immerhin waren sie ja die, die aussteigen würden.