YB-Captain Marco Wölfli

02. Mai 2012 07:18; Akt: 02.05.2012 07:24 Print

«Wir haben das sicher nicht extra gemacht»

von Eva Tedesco - YB kehrt ausgerechnet im Spiel eins nach Christian Gross zum Siegen zurück. Die Berner wirkten beim 1:0-Heimsieg gegen den FCZ – zumindest eine Halbzeit lang – befreit und locker.

«Die Entlassung von Trainer Gross ist auch eine Niederlage für uns Spieler», sagt YB-Captain Marco Wölfli nach Spiel eins ohne Gross. (Video: 20 Minuten Online)
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Auf den entlassenen Trainer muss der Sieg der Berner wie Hohn wirken, wenn er vom Resultat gegen den FCZ hört, liest oder sich die Partie am TV angesehen hat. YB siegte beim ersten Auftritt unter dem Interims-Trainerduo Piserchia/Häberli gegen den FCZ 1:0. Raúl Bobadilla, Wunschspieler von Gross, war der einzige Torschütze am Abend des 1. Mai. Beim Torjubel zeigte er sein Unterhemd, auf das der Gaucho «Gracias por todos, Señor Gross» geschrieben hatte. Vielen Dank für alles, Herr Gross. Auch damit blieb der Stürmer allein.

Bei den Fans war Erleichterung erkennbar. Vor allem nach dem ersten Vollerfolg nach vier sieglosen Spielen in Serie. Das Thema Trainerentlassung wurde am Dienstag rauf und runter und auch kontrovers diskutiert. Wobei die zur Entlassung kritischen Stimmen nach Kickoff weniger wurden. Der über weite Strecken befreite Auftritt der Gelbschwarzen liess sie in ihrer Meinung wanken. «Es ist doch egal, wer an der Seite steht», versucht Moreno Costanzo das Thema herunterzuspielen, «gegen den FCZ waren wir Spieler gefragt. Wir müssen nach vorne schauen und dazu hat der Sieg allen gut getan.»
Die YB-Fans diskutieren die Entlassung von Trainer Christian Gross kontrovers. (Video: 20 Minuten Online)

Die Entlassung ist auch eine Niederlage der Spieler

War es der Trainereffekt oder tatsächlich eine Art Befreiung vom autoritären Coach, dessen harter Stil bei den Spielern gar nicht gut angekommen ist? Das Aufatmen ist vergleichbar mit dem der FCB-Spieler im Sommer 2009. Auch das Team des FC Basel wirkte nach der Trennung von Gross wie ausgewechselt. Mit dem Wechsel zu Thorsten Fink kam der Spass am Spiel zurück – dem Siegeswillen tat das (bekanntlich) keinen Abbruch.

Captain Marco Wölfli: «Ich bin keiner, der im Nachhinein über Vergangenes spricht. Ich schaue nach vorne. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Saison gut abschliessen – auch für die Fans. Es ist immer hart, wenn jemand entlassen wird. Aber eine Trainerentlassung ist auch eine Niederlage für uns Spieler, denn das heisst, dass wir die Leistung nicht gebracht haben.»

Der YB-Keeper weiter: «Wir haben das sicher nicht extra gemacht und wollten auch unter Gross gewinnen. Leider haben wir das nicht geschafft und es ist für uns auch nicht schön, wenn der Trainer entlassen wird. Aber wir sind Profis und Fussball ist ein schnelllebiges Geschäft. Wir haben noch vier wichtige Matches zu spielen und ich bin froh, dass der Start unter dem neuen Trainerduo positiv verlaufen ist. Wir wollen unbedingt in die Europa League und mit dem Sieg am Dienstag haben wir einen kleinen zwar, aber wichtigen Schritt gemacht.»

Sutter hatte es schwer unter Gross und sagt das auch

Ein Opfer der Personalpolitik von Christian Gross ist einer geworden, der zwar noch YB gehört, am Dienstag aber auf der Seite der Verlierer stand: Scott Sutter kam in der Vorrunde mit Gross gar nicht klar und wurde für die Rückrunde an den FCZ ausgeliehen. Er sei schon ein wenig überrascht gewesen, als er von der Freistellung gehört hatte. Aber das gehöre halt auch zum Geschäft und sei ja nicht das erste Mal vorgekommen. Die Vorwürfe im Raum, dass einige Spieler mit dem harten und autoritären Stil des Zürchers nicht zurecht gekommen seien, überrascht ihn aber nicht.

Sutter: «Gross ist ein sehr dominanter Trainer. Er will über jedes kleinste Detail die Kontrolle haben. Das ist nicht bei allen Spielern gut rübergekommen. Einige haben es schwer gehabt mit ihm. Ich auch. Und dann ist es so: Wenn du als Trainer keinen Erfolg hast, wirst du bestraft.» Für den FCZ kam der Trainerwechsel wohl zum dümmsten Moment. Sutter weiter: «Das hat YB einen Schub verliehen. YB schien erleichtert und befreit aufzuspielen. Sie waren bereit und das hat man auch gesehen.»
FCZ-Verteidiger Scott Sutter spricht über die Entlassung von YB-Trainer Gross. (Video: 20 Minuten Online)