Ursachenforschung

27. März 2011 08:02; Akt: 27.03.2011 08:02 Print

«Wir haben keinen Messi oder Ronaldo»

von E. Tedesco & R. Fehr, Sofia - Nach der Hälfte der EM-Qualifikation ist für die Schweiz der Mist praktisch geführt. Woran liegts? Eine Suche nach Gründen.

Blerim Dzemaili, Stephan Lichtsteiner und Marco Wölfli über die Gründe für die bisher schwache EM-Qualifikation.
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Die Spieler der Schweizer Nati wissen, wie man sich in solchen Situationen in der Mixed-Zone verteidigen muss. Soeben endete das von allen als Finalspiel angekündigte Duell mit Bulgarien 0:0. Damit ist der Zug für die EM 2012 praktisch abgefahren. Zweckoptimismus und Standartfloskeln geben die Kicker von sich. Rechnerisch sei noch nichts verloren, man hoffe auf eine Sensation in England, man wolle nach vorne blicken.

Alles schön und gut. Aber nach der Hälfte der EM-Qualifikation lohnt sich vielleicht auch einmal ein Blick zurück. Gegen ein ersatzgeschwächtes England spielte die Schweiz zu passiv, ein 0:1 in Montenegro darf nicht passieren, die Leistung gegen Wales war gut, in Bulgarien muss man aufgrund der Tabellensituation gewinnen. Für eine Endrunde qualifiziert sich die Schweiz weiterhin nur, wenn Big Points realisiert werden. Diese fehlen bisher total. Marco Wölfli sagt: «Wichtig ist, dass man die Spiele gut analysiert.» Ja gut, woran liegts denn, dass die Schweiz aus vier Partien nur vier Zähler holte? «Wenn wir das wüssten», so der YB-Keeper. Auch Alex Frei mag die Gründe so kurz nach dem wahrscheinlichen EM-Aus nicht suchen. Er drückt sich um eine konkrete Antwort: «Man muss der Mannschaft eine Chance geben, solange rechnerisch noch etwas möglich ist.»

Das fatale 0:1 in Montenegro

Etwas konkreter wird Blerim Dzemaili: «Wir müssten noch mehr die drei Punkte wollen.» Gegen Bulgarien konnte man dem Team diesen Willen zumindest in der zweiten Halbzeit nicht absprechen. Aber gegen Montenegro oder England? «Wenn wir gegen Montenegro ein Unentschieden geholt hätten, wäre jetzt alles anders. Dann hätten wir locker noch 60 bis 70 Prozent Chancen auf das Weiterkommen.» Auch Stephan Lichtsteiner sieht in der Pleite auf dem Balkan die Hauptursache: «Wenn man dort einen Punkt holt, könnten wir auch gegen Bulgarien mit dem Punkt zufrieden sein.»

Harmlose Standards

Der Lazio-Söldner spricht aber noch einen anderen wichtigen Punkt an? «In der WM-Qualifikation 2010 waren Standards unsere grosse Waffe», so der Verteidiger. «Grosse Spieler wie Huggel, Nkufo, Senderos oder Djourou haben wir jetzt nicht mehr. Da haben wir etwas an Qualität verloren.» Das trifft es ziemlich gut. Seit Jahren predigen die Trainer aus aller Welt, dass die Standardsituationen immer wichtiger werden. Christian Gross sagt dazu: «50 Prozent aller Tore im Fussball fallen direkt oder indirekt durch Standards. Viele Eck- und Freistösse werden aber nur jenem Team zugesprochen, das zwingend und gefährlich nach vorne spielt und sich Chancen erarbeitet, welche die gegnerische Abwehr so zu Fehlern zwingt.» Und ein Blick auf die Statistik bestätigt: In den letzten elf Partien erzielte die Schweiz nur zwei Tore mit Standards. In der erfolgreichen WM-Qualifikation waren es deutlich mehr.

Zu wenig Tore

Allgemein ist seit längerem bekannt, dass die Schweizer nicht Tore am Laufmeter erzielen. Auch hier fällt der Blick auf die letzten Partien ernüchternd aus. Seit dem WM-Sieg gegen Spanien traf die Nati in elf Partien neunmal. Fast die Hälfte der Treffer fielen dabei beim 4:1 gegen Wales. Sechsmal blieb die Mannschaft von Ottmar Hitzfeld – unter anderem gegen Teams wie Honduras, Montenegro oder Malta – ohne Torerfolg. «Man schiesst nicht immer locker vom Hocker Tore», versucht Lichtsteiner zu erklären und meint fast etwas hilflos, «wir haben keinen Messi oder Ronaldo, der den Unterschied machen kann.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nani58 am 26.03.2011 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    es braucht keine nati mehr....

    eigentlich habe ich etwas mühe damit, wenn die aussage kommt. wir habe zuviel falsch gemacht. wie wäre es, wenn wir mal 11 pfahlbauer nämen, die gemeinsam einer runden steinkugel nachrennen - und den gegner niederringen. und diese ohne finanzielle aufwände... mir stehen die haare zu berge, wenn ich sehe, was ein fussballer verdient - und was er dafür leisten muss. alle achtung für all jene, die für 5'000.-- CHF. brutto (oder weniger)über 40 stunden pro woche den rücken wund schuften. ich wäre dafür, dass die CH-nati aufgelöst wird. die japaner können das geld gebrauchen.

  • Harry am 26.03.2011 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schämt Euch!

    Das x-te Spiel unter Hitzfeld wo nur Unfähigkeit auszumachen war. Aber der Fussballverband hat ja schon lange den Vertrag mit Hitzfeld verlängert, ihm kann es egal sein und er kann weiterhin seine unfähigen Freunde Frei, Streller+Co. aufbieten.

  • Valnes am 27.03.2011 01:28 Report Diesen Beitrag melden

    Besser so

    Jetzt hat die Nati endlich mal die Zeit für einen umfassenden Neuaufbau mit den nötigen personellen Wechseln.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Köbi Kuhn am 29.03.2011 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wechsel

    Hitzfeld weg (ersetzen durch Chregu Gross), Frei weg, Streller weg, Grichting weg (sie waren gut und haben viel geleistet. Aber es braucht einen Umbruch, deshalb weg) Yakin rein, Derdijok rein, Stocker rein, Djourou rein, Senderos rein, Shaquiri rein - in die Start 11! Dann mal schauen wie's läuft!

  • Bekim B am 28.03.2011 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Qualität und Quantität

    Qualität ist das einte, Quantität das andere!! Die Nati hat internationale Spieler in den Besten europäischen Ligen. Nur wenn man einen Yakin auf der Bank vor sich hinschimmeln lässt und einen Fehlpass-spielenden Inler der nicht's nach vorne macht ständig einsetzt, muss man sich nicht wundern das ein Spiel zu 0 ausgeht. Deshalb Inler raus, Yakin rein!

  • p.egli am 28.03.2011 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Es fehlt an Qualität

    Unsere Nati bietet ganz einfach zu wenig Qualität. In der Schweiz wird so viel Geld in den Fussball investiert, da sollte man einfach bessere Spieler haben. Man kann sich ein Vorbild an die deutsche Nationalmannschaft nehmen. Es braucht einen Radikalumbruch. Was auch passieren würde, Viel schlechter kann man gar nicht mehr spielen

  • Kritiker am 28.03.2011 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    enttäuscht

    Bis jetzt hat mich die schweizer nati (bis auf das Spiel gegen Wales) während der Quali restlos enttäuscht. Wir haben es gar nicht verdient, an der Endrunde zu spielen.

    • insider am 28.03.2011 09:09 Report Diesen Beitrag melden

      wales?

      ach ja, und beim spiel gegen wales war der beste mann auf dem platz ... gareth bale! ein schweizer? natürlich nicht ...

    einklappen einklappen
  • p.weber am 27.03.2011 18:07 Report Diesen Beitrag melden

    wohl ein witz

    zum glück herrscht in der schweiz glaubensfreiheit ;)