U-17-Weltmeister

15. November 2019 08:45; Akt: 15.11.2019 10:56 Print

Xhaka, Chappuis & Co –
10 Jahre nach WM-Triumph

von E. Tedesco - Heute vor zehn Jahren stürmten die jungen Schweizer zum U-17-WM-Titel. Manche sind nun Stars, andere aus dem Rampenlicht verschwunden.

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31. Januar 1992, Torhüter Siegrist gewann an der U17-WM in Nigeria den Goldenen Handschuh als bester Torhüter des Turniers. Der Goalie bestritt an der WM 2009 alle Partien. Heute spielt er nach Stationen unter anderem bei Aston Villa und beim FC Vaduz in der schottischen Championship bei Dundee United. 19. Dezember 1992, Torhüter Spiegel kam an der WM 2009 nicht zum Einsatz. Der Zürcher hütet derzeit das Tor des FC Winterthur. Nach drei Jahren bei GC wechselte er 2012 zu West Ham, wo er sich nicht durchsetzen konnte und nach Portugal zu Boavista Porto ausgeliehen wurde, aber nur ein knappes Jahr verbrachte. 6. April 1992, Torhüter Auch der Luzerner kam an der WM nicht an Siegrist vorbei und blieb ohne einen Einsatz. Kiassumbua ist heute bei Servette Ersatztorhüter, ist bisher auch in Genf ohne Einsatz. 13. Dezember 1992, Verteidiger Kam an der WM 2009 zu sechs Spielen und erzielte ein Tor. Der Tessiner spielte danach unter anderem bei Locarno, Servette und Lugano in der Challenge League und verdient seine Brötchen heute beim FC Chiasso. 23. Januar 1992, Verteidiger Er spielte in allen Spielen der Schweizer an der WM und erzielte ein Tor. Nach Jahren beim FC Schaffhausen läuft der schweizerisch-portugiesische Doppelbürger seit Sommer 2019 im Trikot des 1. Ligisten FC Linth 04 auf. 12. Januar 1992, Verteidiger Auch der ehemalige Hopper bestritt an der WM alle sieben Partien. Der schweizerisch-thailändische Doppelbürger kommt aus der Juniorenabteilung von GC. 2013 ging er zu Buriram United nach Thailand und spielt heute für die Thailändische Nationalmannschaft. Seit Sommer 2017 ist der gebürtige Zürcher bei Muangthong United, einem Verein in Pak Kret in der Nähe von Bangkok. In seiner zweiten Heimat ist Chappuis ein Star. Auf Instagram hat er 1,4 Millionen Follower. 20. November 1992, Verteidiger War Captain der Schweizer 2009 und bestritt sechs von sieben WM-Partien, weil er Rot sah. Aktuell spielt der 26-Jährige bei Empoli. Während der WM spielte er für die Jugendabteilung von Manchester City und wechselte drei Jahre später zum Stadtrivalen United. Später auch noch für Ipswich Town und Port Vale. 4. Juni 1993, Verteidiger Der Innenverteidiger spielte in sechs der sieben WM-Spielen in Nigeria. Er wechselte 2009 von den GC-Junioren zum FC Arsenal auf die Insel, kam aber nur im Reserveteam zum Einsatz. 2013 kam der Bruder von Izet Hajrovic (Zagreb) für ein Jahr zu GC zurück. Weitere Stationen waren Winterthur und Wohlen. Aktuell spielt Hajrovic wieder für den FC Winterthur. 25. August 1992, Verteidiger Drei WM-Tore durfte sich der damalige FCZ-Verteidiger gutschreiben lassen in sechs Spielen. Über seinen weiteren Werdegang muss man nicht viel erzählen: Es ging steil aufwärts. Der Zürcher war in der Bundesliga bei Wolfsburg Stammspieler und spielt derzeit bei der AC Milan. «Rici» hat zudem schon 69 Länderspiele (8 Tore) für das Schweizer A-Team absolviert. 27. September 1992, Mittelfeldspieler Spielte in Nigeria sieben von sieben WM-Partien und erzielte ein Tor. Der Basler machte unbestritten die steilste Karriere der WM-Helden von 2009. Xhaka wechselte schon bald nach der WM vom FC Basel in die Bundesliga. Bei Gladbach wurde er rasch Stammspieler und später auch Captain. Nach vier Jahren zog es den defensiven Mittelfeldspieler in die Premier League. Arsenal musste für Xhaka 47 Millionen Euro an die Deutschen überweisen. Bis heute ist der Schweizer Internationale (80 Länderspiele/11 Tore) der teuerste Schweizer Transfer. 3. August 1992, Mittelfeldspieler Spielte in sechs von sieben WM-Partien und schoss ein Tor. Im Oktober 2019 - 10 Jahre nach dem sensationellen Titel - unterschrieb Buff bei GC. Ausgerechnet er, der einstige FCZ-Junior. 12 Jahre war er beim Stadtrivalen, eher er via der spanischen 2. Liga (Real Saragossa) und Zypern (Anorthosis Famagusta) erst arbeitslos und dann zu GC kam. 2. Juni 1992, Mittelfeldspieler Wie Oliver Buff spielte er sechs Partien und traf einmal. Der Mittelfeldspieler ist wohl der meistgereiste: Vor der WM spielte er bei den Junioren des FC Liverpool. Danach ging es nach Italien (Lazio, Palermo), England (Fulham, Nottingham) und Griechenland (Olympiakos Piräus). Derzeit steht Kasami aber in der Schweiz beim FC Sion unter Vertrag. 26. Februar 1992, Mittelfeldspieler Absolvierte in Nigeria sechs Partien. Beim FCB, in Biel und Wohlen konnte sich Kamber nicht so richtig durchsetzen. Bei Xamax ist er langjähriger Stammspieler. 15. Februar 1992, Mittelfeldspieler Ein Einsatz in Nigeria. Der heutige Thuner spielte unter anderem bei Locarno. Lugano und bei YB - aber nie im Ausland. 22. Februar 1992, Stürmer Haris Seferovic erzielte an der WM 2009 fünf Tore – so viele wie kein anderer Schweizer. Er schoss den Siegestreffer im Finale gegen Gastgeber Nigeria. Heute ist der Benfica-Stürmer ein wichtiger Mann in der Mannschaft von Nati-Coach Vladimir Petkovic, hat in 64 Länderspielen 18 Treffer erzielt. Gespielt hat der «Mann aus Sursee» nach der WM auch in Italien, der Bundesliga (Frankfurt) und wurde 2019 Torschützenkönig in Portugal. 13. Januar 1992, Stürmer Erzielte in Nigeria in sieben Partien vier Tore und lieferte sich ein heisses internes Duell mit Haris Seferovic - das Ben Khalifa verlor. Der Stürmer galt wohl als grösstes Talent im WM-Kader, hat sein Potenzial aber nie ausgeschöpft. 2009 spielte Ben Khalifa für GC. Nach acht Wechseln wurde er auch in St. Gallen aussortiert und schloss sich zuletzt wieder GC - diesmal in der Challenge League - an. 21. September 1992, Stürmer Absolvierte in Nigeria drei Partien. Der Basler blieb nach 2009 noch drei Jahre bei FCB, kam aber nie über die U21 hinaus. Weiteren Stationen: Aarau, Locarno, Wohlen, Thun, St. Gallen, Lausanne-Sport. Seit 2019 spielt er beim FC Winterthur in der Challenge League. 11. Dezember 1992, Mittelfeldspieler Der schweizerisch-ghanaische Defensivspieler stand in fünf Spielen im Einsatz. Der Weltmeister beendete seine Karriere im Sommer 2016 bei den Black Stars Basel und setzte voll auf die Karte Berufsleben. Nimeley ist Teamleiter eines Call-Centers in einem Immobilien-Unternehmen. 3. Januar 1992, Verteidiger Absolvierte in Nigeria vier Partien. Der Basler ist heute selbstständig und ist CEO eines Fitness-Unternehmens, das Leute über 50 unterstützt, die nicht in einer Fitnessstudio gehen wollen. 17. Januar 1992, Mittelfeldspieler Ohne Einsatz an der WM. Der ehemalige Mittelfeldspieler schaffte bei Sion den Durchbruch nicht und beendete seine Karriere beim FC Aigle. 21. November 1992, Stürmer In Nigeria kam er in zwei Partien zum Einsatz. Nach Anläufen bei Bellinzona und Locarno wechselte er 2012 zu Biaschesi. Der gebürtige Genfer ist heute nicht mehr aktiv.

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Am Freitag jährt sich der bisher grösste Erfolg einer Schweizer Fussballauswahl zum zehnten Mal. Der 15. November 2009 ist als goldener Tag in die Geschichte des SFV eingegangen. Haris Seferovic köpft die U-17 gegen Gastgeber Nigeria zum WM-Titel.

Am Montag kam es in Zürich auf Einladung des SFV zum Wiedersehen. Granit Xhaka und Ricardo Rodriguez stiessen direkt vom Training mit der A-Nati dazu, was verdeutlichte: Die Karrieren der Anwesenden verliefen ziemlich unterschiedlich.

Star in Thailand

Charyl Chappuis spielt heute in Thailand. Er spricht über seine Karriere und verrät wie er in seiner zweiten Heimat ein Superstar wurde. (Video: 20 Minuten/ete)

Beim Wiedersehen gab es viel Gelächter und noch mehr Gesprächsstoff. Von einem ehemaligen Kollegen war Xhaka tief beeindruckt: «Charyl ist extra aus Thailand gekommen, das zeigt, wie wichtig wir ihm sind.» Charyl Chappuis wechselte von GC erst ins Tessin – zu Locarno und Lugano – und 2013 weiter zu Buriram United nach Thailand ins Geburtsland seiner Mutter.

Der 27-Jährige ist zudem thailändischer Natispieler. Derzeit steht er bei Muangthong United unter Vertrag und ist ein Superstar. Auf Instagram hat er 1,4 Millionen Follower. «Sponsorendeals haben in Südostasien einen hohen Stellenwert», erzählt Chappuis. «Die Arbeit mit Brands wie Givenchy und Hublot haben mir viele Türen geöffnet.»

Nie mehr Fussballschuhe angezogen

Robin Vecchi hat einst beim FC Basel begonnen. (Video: 20 Minuten)

«Ich habe noch drei Jahre beim FCB gespielt, zwei Jahre in der 1. Liga und habe 2014 ganz aufgehört – und seither habe ich nie mehr Fussballschuhe angehabt», sagt Robin Vecchi. «Aber ich vermisse den Fussball nicht. Wenn die Lust und Leidenschaft nicht mehr da ist, habe ich gesagt: ganz oder gar nicht.»

Der Rechtsverteidiger entschied sich für gar nicht. Er machte sich selbstständig und ist CEO eines Fitness-Unternehmens für Leute über 50 in der Region Basel. Das 10. Jahrestag holte «verschwommene, aber schöne Bilder« hervor. Und sie machen ihn stolz. «Wir sind die einzigen Schweizer Weltmeister bisher. Das ist eine Ehre und wird es nicht so schnell wieder geben.»

Er führt nun wieder ein Team

Sie bildeten einst das Mittelfeldzentrum in den Nachwuchsauswahlen des FC Basel: Granit Xhaka und Kofi Nimeley. Im Mai 2009 war Nimeley Rechtsverteidiger und Captain der U-17-Helden. Wie sein Weggefährte und Freund träumte er von einer grossen Karriere. Sieben Jahre später begrub er den Traum.

Im Sommer 2016 beendete Nimeley seine Karriere bei Black Stars Basel, zum gleichen Zeitpunkt wechselte Xhaka als teuerster Schweizer Export für 45 Millionen Euro zu Arsenal. Heute führt Nimeley wieder ein Team – das eines Callcenters einer Immobilienfirma. Und er ist schwerer geworden. «Es sind zehn Kilo», sagt der 26-Jährige und lacht. Er hat sich vorgenommen, wieder mehr Sport zu machen.

Der Erfolgreichste ist jetzt der Chef in der A-Nati

Granit Xhaka träumt von einem nächsten Titel. (Video: 20 Minuten)

Granit Xhaka ist der Erfolgreichste aus dem Team von 2009. Seit drei Jahren ist er Stammspieler in der Premier League, auch wenn er zuletzt nach dem Zwist mit den Arsenal-Fans pausieren musste. Im Nati-Mittelfeld ist der 80-fache Internationale (11 Tore) unumstrittener Chef – und Captain, wenn Lichtsteiner fehlt.

Zu den Nigeria-Bildern sagt er: «Da kommen die schönsten Erinnerungen auf. Ich war der Einzige, der gesagt hat, dass er genug Sachen bis zum Final einpackt. Ich hatte ein gutes Gefühl, aber wenn man so etwas erreichen will, muss von A bis Z alles passen.» Gelehrt hat ihn die WM, dass Träume wahr werden können. Es sind deshalb keine leeren Worte, wenn Xhaka sagt: «Wir können das mit der A-Nati wiederholen.»

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  • Xherdan S. am 15.11.2019 18:49 Report Diesen Beitrag melden
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