Ottmar Hitzfeld

05. Juni 2011 17:48; Akt: 05.06.2011 20:33 Print

«Wir sind in einer guten Position»

von Eva Tedesco, London - Das Experiment mit den Jungen ist geglückt. Nati-Coach Ottmar Hitzfeld zieht nach einer spannenden Woche, die mit dem 2:2-Remis gegen England endete, Bilanz.

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Achtungserfolg für die Schweizer Nati. Sie trotzt den «Three Lions» ein 2:2 ab. Die beiden Trainer blicken gespannt auf das Geschehen. Schreckensmoment für die Schweizer. In der 74. Minute muss Stürmer Eren Derdyiok verletzt vom Platz. Admir Mehmedi ersetzt ihn und kommt so zu seinem Nati-Debüt. Wenige Minuten nach Wiederanpfiff Jubel bei den Engländern. Ashley Young gelang der Treffer zum 2:2. Die Schweizer sind gefordert. Die Engländer machen Druck. Fabio Capello peitscht sein Team an. Ein kleiner Seitenhieb in Richtung Sepp Blatter und die Fifa. Ein jubelnder Tranquillo Barnetta ... ... Er schiesst die Nati in der 32. und 34. Minute mit zwei Toren in Führung. Die Schweizer sind samt den rund 9000 mitgereisten Fans aus dem Häuschen. Nur drei Minuten später wird Jack Wilshere von Johan Djourou im Schweizer Strafraum gefoult - Frank Lampard verwertet den Penalty zum 1:2 aus britischer Sicht. Früher Wechsel bei den Engländern. Leighton Baines kommt für Ashley Cole (l.). Nati-Goalie Diego Benaglio muss eingreifen. Stephan Lichtsteiner holt sich Anweisungen bei Ottmar Hitzfeld. Die «neue» Schweizer Nati verkauft sich in der ersten Halbzeit im Wembley gut. Voller Einsatz bei Lichtsteiner ... ... und Ziegler. Ottmar Hitzfeld schaut der Partie gegen England kurz vor Anpfiff zuversichtlich entgegen. Die englische Startelf. Gute Stimmung bei den Schweizer Fans im Stadion - zumindest vor dem Spiel. Imposant: Das Wembley-Stadion kurz vor dem Spiel. Auf dem Weg ins Stadion. Haben alles unter Kontrolle: Die Schweizer Fans und die berittene Polizei. Auch Spongebob ist ein Schweizer. Die Schweizer nehmen Central London ein. Hunderte Fans versammelten sich schon am Nachmittag im Zentrum der Hauptstadt. Die Stimmung stieg - auch unterstützt durch einige Getränke. 9000 Fans sollen aus der Schweiz angereist sein. Ob die Eidgenossen den Briten trotzen können?

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Ottmar Hitzfeld, hatten Sie nie Bedenken, dass das Risiko mit so vielen jungen Spielern gegen England zu gross sein könnte?
Nein. Es ist wichtig, dass man den Jungen vorbehaltlos das Vertrauen schenkt. Ich war sicher, dass das klappen wird. Vor allem ist die Gefahr im ersten Spiel nicht so gross wie dann in den folgenden Partien, wenn die Erwartungshaltung dazu kommt. Nein, ich war sehr zuversichtlich.

Umfrage
Wie sind Sie mit der Schweizer Nati gegen England zufrieden?
48 %
36 %
10 %
6 %
Insgesamt 2864 Teilnehmer

Sind Sie nach dem Remis erleichtert, dass alles so gut aufgegangen ist?
Manchmal gibt es wichtigeres als das Resultat. Die Mannschaft hat geordnet und sehr ruhig gespielt und war immer in Bewegung. Jeder hat in der Defensive mitgearbeitet, jeder wollte den Ball. Die Mannschaft hat Rochaden gezeigt, zum Beispiel mit Xhaka mal links, mal rechts, und sie hat die Positionen gut besetzt. Wir hatten die Partie spielerisch weitgehend im Griff, ausser in den 15 bis 20 Minuten nach der Pause, in denen der Gegner umgestellt hat. Da haben wir uns zu weit zurückgezogen und hätten aggressiver das Forechecking suchen müssen.

Wie erklären Sie sich diese Wandlung der Nati vom letzten Spiel im März in Bulgarien zu der Begegnung gegen England?
Man kann diese zwei Spiele nicht miteinander vergleichen. Vor dem Bulgarien-Spiel lastete der ganze Druck auf der Mannschaft. Alle haben einen Sieg gefordert. Diesmal hatten wir nichts zu verlieren.

Bulgarien heisst auch der nächste Gegner wieder. Was erwarten Sie für einen Auftritt im September zu Hause?
Bulgarien zu Hause oder auswärts ist ein grosser Unterschied. Ich erhoffe mir die gleiche Spielfreude wie gegen England. Wir müssen mit der gleichen Unbekümmertheit in die Partie gehen und Akzente setzen. Es ist nicht mehr ein Müssen. Wir können auch da nur gewinnen.

Demnach haben Sie die EM-Qualifikation noch nicht abgeschrieben?
Als Trainer hoffe ich bis zum Schluss. Wir wurden ja schon abgeschrieben, aber jetzt sind wir in einer guten Position. Natürlich sind wir von Montenegro abhängig und müssen hoffen, dass sie gegen Wales und England Punkte abgeben. Gegen England ist die Chance ja realistisch. Trotzdem müssen wir unsere Spiele gewinnen.

Nach dem Rücktritt von Alex Frei haben Sie Gökhan Inler zum neuen Captain der Nationalmannschaft ernannt. Wie waren Sie mit seinem Auftritt auf dem Platz zufrieden?
Wir haben als Mannschaft überzeugt, aber Gökhan hat seine internationale Erfahrung gut umgesetzt. Dabei ist er von Valon Behrami gut assistiert worden, der läuferisch sehr wichtig gegen England war. Aber auch Blerim Dzemaili hat nach der Auswechslung von Behrami, der sich im Zweikampf mit Ashley Cole verletzt hat, seine Rolle sehr gut interpretiert.

Und als Captain einer jungen Mannschaft neben dem Rasen?
Er hat sich sehr gut geschlagen. Bevor wir auf den Platz raus sind, hat er noch ein paar Worte zur Mannschaft gesprochen. Die Spieler haben auch unter der Woche viel geredet und Gökhan hat versucht die Gruppen zusammenzuführen. Er wird sich als Captain weiterentwickeln und in sein Amt hineinwachsen.