Transfersummen

18. September 2018 10:20; Akt: 18.09.2018 14:01 Print

577 Spielerinnen kosten so viel wie ein Spieler

von Marcel Rohner - Der neuste Transfer-Bericht der Fifa zeigt den gigantischen Unterschied zwischen Männer- und Frauenfussball.

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In den USA ist Frauenfussball massentauglich. Auch dank Aushängeschild Alex Morgan (links). Bild: Getty Images

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Der Fussball wächst immer weiter. Nicht nur bei den Männern. Spielerinnen wie die Brasilianerin Marta und die Amerikanerinnen Alex Morgan und Hope Solo sind international bekannt, die grossen Turinere finden immer mehr Beachtung. Das ist in der Schweiz nicht anders, das Interesse an der Nationalmannschaft beispielsweise steigt seit der erstmaligen WM-Teilnahme 2015 stetig.

Fifa-Präsident Gianni Infantino sagte Ende August im Rahmen der U-20-WM der Frauen, dass die Fifa bereit sei, den Frauenfussball auf ein neues Niveau zu heben. «Ob es nun darum geht, den Zugang für Mädchen auf der ganzen Welt zu verbessern oder das professionelle Elite-Spiel zu neuen Höhen zu führen.» Die Entwicklung des Sports stehe für ihn im Vordergrund, so Infantino weiter, darum sagte er auch: «Heute möchte ich das Spiel nicht mehr als Frauenfussball bezeichnen, sondern einfach als Fussball.» Generalsekretärin Fatma Samoura pflichtete bei: «Die Fifa ist auf jeden Fall bereit, sich für Modernität und Vielfalt in der Fussballwelt stark zu machen.»

Eine gigantische Differenz

Ein weiterer Schritt dieses Wegs sieht der Weltverband im Führen von Berichten. So wurden kürzlich internationale Transfers von Spielerinnen aus aller Welt ausgewertet und veröffentlicht. Soll diese Auswertung im Sinne der Fifa veranschaulichen, auf welch gutem Weg sich der Fussball der Frauen befindet, zeigt sie aber vor allem, wie gigantisch die Differenz zum Männerfussball nach wie vor ist. Oder: Wie viel Geld im bei den Männern fliesst.

Das International Transfer Matching System (ITMS), der Bericht der Fifa, besagt nämlich, dass in den ersten acht Monaten dieses Jahres genau 577 Spielerinnen transferiert wurden. Diese Zahl alleine mag noch nicht viel aussagen, angesichts davon, dass es sich bei den ausgewerteten Transfers nur um Profispielerinnen handelt und Amateurinnen nicht inkludiert wurden. Beeindruckend dafür ist, wie wenig diese 577 Profis kosteten: 493'235 US-Dollar, macht im Schnitt 855 Dollar pro Spielerin.

Natürlich ist ein Vergleich mit dem Männerfussball unfair. Die Stars dort sind globale Werbeträger, generieren Unmengen von Einnahmen, nur schon durch Verkäufe ihrer Trikots, und sind selbstverständlich einem viel grösseren öffentlichen Interesse ausgesetzt als die Frauen. Die Fifa hat über dieselbe Periode aber auch die Zahlen zu den Transfers im Männerfussball veröffentlicht: 15'049 Spieler kosteten 7,1 Milliarden Dollar, 471'792 Dollar also pro Spieler. Fast so viel wie alle Spielerinnen zusammen.

Die USA als Vorreiter

Es ist wenig erstaunlich, dass die meisten der untersuchten Transfers mit den USA zu tun haben. Aus keinem Land wechselten mehr Spielerinnen in andere Länder, nur in Kolumbien verpflichteten die Clubs mehr und fast ein Fünftel aller transferierten Spielerinnen stammt aus den Staaten. Der Fussball der Frauen ist in den USA weiter als in allen anderen Ländern, so spielt die Schweizerin Ana Maria Crnogorcevic bei den Portland Thorns regelmässig vor 20'000 Zuschauern, während Spielerinnen hierzulande sich oft nur einem Bruchteil zeigen können.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • insider am 18.09.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Angebot und Nachfrage

    Ich bin kein Anti-Feminist. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Aber das geht in gewissen Bereichen nicht auf. Es gibt auch im Männerfussball ein Gefälle. Warum? Weil die Nachfrage nicht bei allen gleich ist. Manche überzeugen mit Talent, manche mit Aussehen, manche mit beidem. Ronaldo/Messi/Neymar verdienen mehr als (fast) jeder andere Fussballer. Die Nachfrage ist bei Frauenfussball eben nicht wirklich vorhanden. Vielleicht sollte man aber auch mal vergleichen, was Männer-Models im Vergleich zu Frauen-Models verdienen. Mir fallen etliche Frauen ein (Lima, Bündchen, etc.) aber kein Mann!

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  • Marc am 18.09.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    Mhhh

    Also bei der WM in Kanada haben Sie die Tickets irgendwann gratis abgegeben und das Stadion immer noch nicht voll gekriegt.

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  • Chris am 18.09.2018 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Wer will denn frauenfussball sehen?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Frau am 18.09.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon gut so

    Oh mein Gott, da muss sofort etwas dagegen unternommen werden...! Allerdings nur, wenn Frauenfussball so populär ist wie jener der Männer. Ist er aber nicht! Also, wo ist nun das Problem?

  • Genie am 18.09.2018 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    einfache lösung

    wir sollten doch einfach alle dazu verdonnern frauen sport zu schauen, dan haben sie auch die gleichen einschaltquoten wie die männer und sie verdienen gleich viel...

  • Spielerinnen mami am 18.09.2018 14:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Männerkommentare

    Hier sind wieder nur typische Männerkommentare zu lesen. Es wird immer so sein. Solange Männer den Fussball regieren, wird es bei der Frauenfussball immer zweitrangig bleiben. Frauen spielen gleich gut wie die Männer. Aber klar kann man diese Spiele nicht miteinander vergleichen. Wie in jeder Sportart. Es fehlt, die Kraft und die Schnelligkeit. Aber ansonsten gleich. Aber eben, solange die superguten, superschlauen Männer das Sagen haben, wird sich nie was ändern. Und das ist überall so....

  • Pater Platter am 18.09.2018 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Lohngleichheit auf dem Rasen

    Und die Lohneinheitsdebatte wird kommen. Schaut euch mal die Pappenheimer in der FIFA an. Alles gewachsene Auswüchse aus Wallis Zeiten, wundert wen was?

  • Kritiker am 18.09.2018 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiche Leistung gleicher Lohn

    Keine Ahnung wie das im Fussball ist, aber im Unihockey und Handball haben Frauenteams aus der obersten Liga Probleme Herren U17/18 Teams zu besiegen. Gleicher Lohn für gleiche Leistung zieht auch hier: U18 Spieler erhalten kaum Lohn. Sollen Frauen wirklich mehr verdienen für dieselbe Leistung, nur weil sie die besten ihres Geschlechtes sind?