Fussball-Wettbetrug

31. Juli 2018 20:54; Akt: 31.07.2018 21:01 Print

Albanischer Serienmeister für 10 Jahre gesperrt

Skenderbeu Korca soll in acht Jahren 53 Spiele manipuliert haben. Nun erhält der albanische Club die Quittung durch die Uefa.

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Der Ton der Uefa-Disziplinarkommission war ausgesprochen forsch: «Dieser Verein hat Fussballspiele verschoben, wie es noch keiner in der Geschichte des Spiels getan hat.» Die Mitteilung aus Nyon VD ging an den albanischen Topclub Skenderbeu Korca, der in den vergangenen acht Jahren siebenmal national Meister wurde, wie welt.de festhält.

Der bestrafte Club setzt sich zur Wehr und wirft Giftpfeile in Richtung Uefa. «Ich glaube nicht, dass die Uefa solche Massnahmen gegen ein westliches Land erheben würde, nur aufgrund von Zweifeln bezüglich der Wettquoten und deren Bewegung», sagt der umstrittene Vereinspräsident Ardian Takaj.

Ein «Todesurteil für den Club»

Die Strafen der Uefa gegen den albanischen Serienmeister sind drakonisch. Skenderbeu Korca wird für zehn Jahre für alle europäischen Wettbewerbe ausgeschlossen, die Busse beträgt 1 Million Euro – bei einem Vereinsbudget von 2,5 Millionen Euro. Insgesamt sollen die Albaner seit dem Jahre 2010 53 Partien manipuliert haben, Freundschaftsspiele und Partien der nationalen Meisterschaft inklusive. Dass Takaj mit dem Uefa-Entscheid nicht einverstanden ist, versteht sich von selbst. Er sieht seinen Verein von der Existenz bedroht. Das sei nichts weiter als ein Todesurteil für den Club, schimpft er. Fakt ist zudem, dass diese Strafen dem albanischen Fussball grossen Schaden zufügen werden.

Die Uefa hat allerdings schon seit Jahren wegen Wettmanipulationen gegen Skenderbeu ermittelt, die in der Gruppenphase 2017 der Europa League unter anderem auch auf die Young Boys trafen. Exemplarisch für die Anschuldigungen stehe ein Spiel am 21. Juli 2015, schreibt welt.de. Damals gastierte das albanische Team im Rückspiel der 2. Runde der Qualifikation zur Champions League beim nordirischen Verein Crusaders. Das Hinspiel hatte Skenderbeu mit 4:1 für sich entschieden, im Rückspiel lagen die Gäste vom Balkan in der Schlussphase mit 2:1 vorne. Gemäss der Uefa seien gegen Ende des Duells plötzlich «Hunderttausende Euro» darauf gewettet worden, dass in diesem Spiel mindestens vier Tore fallen.

Präsident im Zwielicht

In der Tat, nach zwei schweren Fehlern der albanischen Abwehr und des Goalies, siegten die Crusaders 3:2. Schon damals twitterte der nordirische Keeper Sean O'Neill unmittelbar nach dem Schlusspfiff, dass irgendetwas «falsch gelaufen» sei, wenn die Uefa noch in der Nacht des Spiels keine Untersuchungen aufnehmen werde.

Eine führende Rolle beim Skandal soll Takaj spielen, ein Hotelbesitzer und ehemaliger Chef eines TV-Senders. Der 54-Jährige sieht seinen Club stattdessen in die Opferrolle. Die Uefa wolle «ein kleines Land, einen kleinen Verein mit kleinem Budget» benutzen, um sein Sicherheitssystem BFDS zu rühmen. Die Uefa führte dieses System ein, um Wettbetrug zu erkennen.

Der ehemalige Torhüter des Clubs, Orges Shehi, sagt, dass er beleidigt sei, da der Bericht «nicht auf Beweisen, sondern auf Gerüchten» basiere. «Der Fussball ist keine exakte Wissenschaft, wir sehen immer schlimmere Fehler», erklärt Shehi, dem gemäss welt.de Beteiligungen an 46 der 53 manipulierten Spielen angelastet wird.

Albanien gilt als glücksspielverrücktes Land. Bei einer Einwohnerzahl von 2,8 Millionen existieren 4000 Wettbüros.

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(fal)