Allmächtiger Weltverband

20. Dezember 2011 14:25; Akt: 20.12.2011 14:49 Print

Als Italien vor der Fifa kuschte

Die Fifa macht dem Schweizer Fussballverband die Hölle heiss. Eine Suspendierung drohte auch schon grossen Fussballnationen, wobei ein Fall stark an die Querelen mit Sion erinnert.

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Dezember 2011. Grund: Der SFV sollte den FC Sion im Transferstreit mit einem Punkteabzug bestrafen. Diesem Begehren kam die Swiss Football League am 30.12.2011 nach und zog den Wallisern 36 Zähler ab. Die Fifa akzeptierte das Urteil am 6.1.2012 und zog das Ultimatum zurück. Juni 2011. Grund: Einmischung des Staates in den Landesverband. Am 8. Juni informierte die Regierung von Belize den FFB durch das Sportministerium, dass der Verband gemäß Ministerium «nicht berechtigt ist, dieses Land in einem lokalen oder internationalen Wettbewerb oder in jedem anderen Fussballforum im Namen der Regierung, des Volks und der Nation von Belize zu vertreten», da er «die Anforderungen zur Registrierung beim Rat als dem nationalen Gremium der Fussballverwaltung in Belize nicht erfüllt hat». Belize ist bis heute suspendiert. April 2011. Grund: Die Generalsversammlung des Verbandes verabschiedete die Statuten nicht vorschriftsgemäss. Die Suspendierung wurde im darauffolgenden Mai aber wieder aufgehoben. Oktober 2010. Grund: Einmischung des Staates in den Fussball und in den Landesverband. Gerichte des afrikanischen Landes sollen hohe Verbandsfunktionäre an ihrer Amtsausübung gehindert haben. August 2010. Grund: Der neue Präsident wurde von der FIFA nicht anerkannt, weil der bisherige Amtsinhaber von der sudanesischen Regierung ausgeschlossen wurde. Die Suspendierung konnte durch eine erneute Neuwahl ohne Einfluss von Dritten verhindert werden. Juni 2010. Grund: Nach dem Debakel bei der WM in Südafrika auf und neben dem Platz erklärte Präsident Nicolas Sarkozy den Fussball gleich zur Staatsaffäre. Die FIFA duldete den Eingriff der Politik in den Sport auch bei der «Grande Nation» nicht und drohte mit Ausschluss. Mai 2010. Grund: Die Staatsführung hatte sich in Verbandsangelegenheiten eingemischt. Die Sperre dauerte zehn Tage. November 2009 und Mai 2008. Grund: Die Regierung beschloss die Auflösung des nationalen Fussballverbandes. Die Sperre wurde zwischenzeitlich aufgehoben und dann wieder verhängt. Im März 2010 endete sie erneut. Doch bereits im Juli dieses Jahres drohte die FIFA wieder mit dem Ausschluss, als es Probleme bei den Präsidentenwahlen gab. September 2009. Grund: Die Regierung löste Ende 2008 den früheren Verband auf und gründete eine gleichnamige Nachfolge-Organisation. Brunei blieb bis Mai 2011. November 2008. Grund: Anhaltende Einflussnahme der Regierung sowie Nicht-Anerkennung der Wahl des neuen Präsidenten. Die Suspendierung wurde nach einem Monat wieder aufgehoben. Oktober 2008. Grund: Wiederholte Probleme mit der Verbandsspitze sowie politische Einmischung. Der Ausschluss dauerte zwei Monate. Oktober 2008. Grund: Die Regierung suspendierte die Verbandsspitze und setzte einen neuen Präsidenten ein. Der Verband entging dem Ausschluss, indem er den neuen Führer wieder abberief. Oktober 2008 und Oktober 2007. Grund: Politische Einmischung und das Nicht-Umsetzen von Beschlüssen. Der erste Ausschluss dauerte einen Monat, der zweite zwei Monate. Juli 2008. Grund: «Missachtung des beschlossenen Aktionsplans» zwischen der FIFA, dem CAF und dem EEP, der zur Normalisierung der Lage innerhalb des äthiopischen Verbandes vereinbart wurde. Die Afrikaner verpassten aufgrund des Ausschlusses die Qualifikation zur WM 2010. Die Sperre wurde nach rund einem Jahr im Juli 2009 aufgehoben. März 2008. Grund: Staatliche Einmischung in den Fussball und in den Verband. Dauer der Suspendierung: Anderthalb Monate. März 2008. Grund: Die Regierung löste den nationalen Fussballverband auf. Nach dem Rückzug des Entscheids hob die FIFA die Suspendierung zwei Monate später wieder auf. März 2008. Grund: Staatliche Einmischung. Nach sechs Wochen wurde die Suspendierung wieder aufgehoben. Februar 2008. Grund: Die Regierung hatte beschlossen, dass alle Verbände, deren Sportler sich nicht für die Olympischen Spiele in Peking qualifizieren konnten, Neuwahlen in den Führungsgremien durchführen sollen. November 2006. Grund: Staatliche Einmischung in den Verband. Verbandspräsident Mohammed Dagdan war infolge politischen Drucks abgesetzt worden. Die Sperre dauerte knapp drei Wochen. Oktober 2006. Grund: Nichteinhalten von Vereinbarungen zur Bereinigung der Lage im kenianischen Fussball sowie von grundlegenden Prinzipien wie der Einhaltung von Sportregeln, der Integrität der Wettbewerbe sowie der Statuten, Reglemente und Beschlüsse der FIFA. Die Suspendierung wurde nach rund einem Monat wieder aufgehoben. August 2006. Grund: Als Juventus Turin im Rahmen des Manipulationsskandals im italienischen Fussball den Zwangsabstieg vor einem Zivilgericht bekämpfen wollte, drohte die FIFA dem italienischen Verband und somit den Nationalmannschaften mit dem Ausschluss. Streitfragen hätten von der Sportjustiz geklärt zu werden. Juli 2006. Grund: Politiker mischten sich in die Verbandsangelegenheiten des damaligen Europameisters ein. Die Sperre wurde 9 Tage später aufgehoben, nachdem das Parlament eine Änderung des nationalen Sportgesetzes verabschiedete. August 2005. Grund: Staatliche Einmischung in Verbandsangelegenheiten. Die Sperre dauerte vier Monate. Januar 2004. Grund: Staatliche Einmischung in Verbandsangelegenheiten. Die Sperre war nur von kurzer Dauer.

Die Fifa hat schon zahlreiche Landesverbände suspendiert oder ihnen zumindest den Ausschluss angedroht.

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Grundsätzlich suspendiert die Fifa nationale Fussballverbände vor allem aus einem Grund: Wegen der Einmischung des Staates in den Landesverband. Damit ist beim Weltfussballverband nicht zu spassen. Schon so manchem Land wurde eine Zwangspause verordnet – vor allem afrikanischen Staaten. Im Oktober 2010 traf es zum Beispiel Nigeria, weil Gerichte hohe Verbandsfunktionäre an ihrer Amtsausübung gehindert haben sollen.

Frankreich und Spanien schrammen am Skandal vorbei

Aber der lange Arm der Fifa traf bei weitem nicht nur Staaten des «Schwarzen Kontinents». Nach dem skandalösen Auftritt der Franzosen an der WM 2010 geriet der frühere Weltmeister unter Druck. Präsident Nicolas Sarkozy erklärte den Fussball nach dem Debakel zur Staatsaffäre. Die Fifa duldete diesen Eingriff nicht und drohte sogar mit dem Ausschluss. So weit kam es am Ende nicht und auch einer Suspendierung konnte die «Grande Nation» entgehen. Ähnlich erging es 2008 auch Spanien, nachdem seine Regierung im Februar beschlossen hatte, dass alle Verbände, deren Sportler sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren, Neuwahlen in ihren Führungsgremien durchzuführen haben.

Ein Fall, der an Sion erinnert

Grosse Fussball-Nationen sind in der Vergangenheit oft mit einer Androhung eines Ausschlusses durchgekommen. So auch Italien: Als Juventus Turin 2006 im Rahmen des Manipulationsskandals im italienischen Fussball den Zwangsabstieg vor einem Zivilgericht bekämpfen wollte, hatte die Fifa genug. Sie vertrat die Meinung, dass diese Streitfrage von der Sportjustiz zu klären sei. Die Fifa drohte – wie im Schweizer Fall – auch mit dem Startverbot für italienische Vereine in europäischen Wettbewerben.

Die Vereinsführung von Juventus wollte sich zuerst nicht einschüchtern lassen, entschied am 31. August aber, doch keine Berufung einzulegen und das Urteil der Sportgerichtsbarkeit zu akzeptieren. Die Parallelen dieses Falls zu den Sion-Querelen sind augenscheinlich. Nur dass sich Sion-Präsident Christian Constantin bereits an die zivile Gerichtsbarkeit gewandt hat und überhaupt keine Anstalten macht, das Urteil des Sportgerichts CAS zu akzeptieren.

(fbu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Klaus am 20.12.2011 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Hart Durchgreifen

    Warum beklagt Ihr euch? Wenn der schweizer Verband nicht fähig ist eine Manschaft zu bestrafen, die immer Quersteht? Von mir aus ist dies völlig OK. Es kann nicht sein das andere Klubs die sich an die Regeln halten schlechter dahstehen. Schickt Sion in die 1. Liga und das Problem ist gelöst! Regeln sollten immer für alle gelten, dann braucht es auch kein Richter!

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  • Karim am 20.12.2011 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die Fifa ist ja Gott der allmächtige!!!

    Das heißt die Fifa ist ja Gott der allmächtige!meine Kinder fragen mich immer wo ist den Gott! jetzt weiß ich es.Vielen Dank Fifa schmeißt eure Bibel weg jetzt könnt Ihr Direkt dort hin gehen und eure fragen stellen die Ihr immer schon fragen wollten.

  • Simon Klauser am 20.12.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ein neuer Verband wird nötig werden!

    Die FIFA hatte sich ja sowieso schon einmal der Weltgerichtsbarkeit gebäugt nachdem der EU-Gerichtshof ja diesen Fall in Holland beurteilt hatte. Also wird sich die FIFA wohl früher oder später auch einem Bundesgericht oder auch einem EMRK Urteil beugen müssen. Wenn nicht, ja dann wird es Zeit, dass sich ein neuer neutraler und den zivilen Gesetzen verpflichteter Verband organisieren. Und wenn dieser sich richtig aufstellt, dann hat er auch grosse Chancen es zu etwas zu bringen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • alex am 21.12.2011 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    juve hatte recht

    juventus hatte recht! und nach 6 jahren gehen sie rechtliche schritte gegen den italienischen verband. weil sie damals im recht wahr! das problem ist jetzt nur mit einer rechtsprechung für juve, würde der italienische verband insolvenz anmelden müssen! über 400 millionen euro ist ein krasser betrag.

  • Stefan Inderkum am 21.12.2011 09:48 Report Diesen Beitrag melden

    Im Interesse des Geldes

    Warum unternimmt die FIFA nichts gegen hoch verschuldete Vereine? In den Statuten der Landesverbände steht, dass man nur eine gewisse Verschuldung zulassen darf. Wenn dies nicht eingehalten wird, müssten Sanktionen folgen. Aber eben, da müsste halb Europa ausgeschlossen werden und die FIFA würde nicht mehr so viel Geld verdienen.

    • Trap am 22.12.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      ja Geld ist intressant

      Hast du schon mal etwas vom Finaz.Fairplay gehört? Nein hast du nicht... In Zukunft werden nähmlich die Vereine mit zuhoher Verschuldung aussgeschlossen, egal ob Real, Barca, ManU oder sonst wer... Der Grund Wettbewerbsverzerrung! 2. auch alle Klubs haben interesse dabei sein zu dürfen, um Geld von der (FIFA) UEFA zu bekommen. musst dich besser informieren....

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  • Simon Klauser am 20.12.2011 18:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ein neuer Verband wird nötig werden!

    Die FIFA hatte sich ja sowieso schon einmal der Weltgerichtsbarkeit gebäugt nachdem der EU-Gerichtshof ja diesen Fall in Holland beurteilt hatte. Also wird sich die FIFA wohl früher oder später auch einem Bundesgericht oder auch einem EMRK Urteil beugen müssen. Wenn nicht, ja dann wird es Zeit, dass sich ein neuer neutraler und den zivilen Gesetzen verpflichteter Verband organisieren. Und wenn dieser sich richtig aufstellt, dann hat er auch grosse Chancen es zu etwas zu bringen.

  • Makai am 20.12.2011 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafmass

    Die fifa ist eine monopolistin und versucht dies mit allen mitteln zu verteidigen, wie es alle monopolisten tun. Und als monopolistin kann sie sih scheinbar auch alles erlauben. Klar, sion hat einen fehler gemacht, der auch bestraft werden sollte, aber die frage ist, mit welchem strafmass? Einen ausschluss aus den europaeischen ligen bedeutet eine mehrfache millionenstrafe - aus meiner sicht voellig unverhaeltnissmaessig! Daher gogogo CC, mach den monopolisten die hoelle heiss!

  • Kristian Konstantin am 20.12.2011 17:16 Report Diesen Beitrag melden

    Heieiei

    schon komisch, die Politik soll sich nicht ins Fussballgeschäft einmischen, aber die FIFA darf Politik machen?!? Eigentlich sollte die NATO durch die FIFA ersetzt werden, die werden ja immer mehr die Weltpolizisten..