Coup auf Asche

09. Februar 2011 16:40; Akt: 09.02.2011 17:02 Print

Als Malta die Deutschen schockte

von Reto Fehr, Malta - Zu Maltas Fussball gehören viele Niederlagen. Doch einmal reichte es für die riesige Sensation.

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Auf Asche stolperte Deutschland mit Klaus Fischer (r.) und Co. über Malta.

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318 Spiele hat Maltas Fussballnationalmannschaft seit 1957 ausgetragen. 229 davon gingen verloren, nur 39 Siege konnten gefeiert werden. In WM- oder EM-Qualifikationen gab es gar erst zwei Vollerfolge: 1993 gegen Estland (1:0) und 2006 gegen Ungarn (2:1).

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Ansonsten ist Malta die Schiessbude Europas. Im Fifa-Ranking steht die Mannschaft noch 16 Positionen hinter Liechtenstein und ist umgeben von Sri Lanka und Vanuatu. In Europa sind einzig Andorra und San Marino noch schlechter klassiert. Den letzten Sieg gabs vor eineinhalb Jahren gegen Georgien in einem Freundschaftsspiel (2:0).

30 Spiele, ein Torverhältnis von 9:127 und ein Coup

Nein, es gibt nicht viele Indizien, welche auf ein Scheitern der Schweiz auf der Mittelmeerinsel hindeuten würden. In bisher sechs Partien erzielte die Schweiz 17 Treffer und kassierte deren drei. Allerdings steht den fünf Siegen auch ein Remis gegenüber. Das war in der EM-Qualifikation 1987, als es Heinz Hermann, Marcel Kohler, Thomas Bickel und Co. nur zu einem 1:1 auf Malta reichte. «Auswärts sind die Spiele gegen Kleine meist knapp», weiss denn auch der aktuelle Captain Alex Frei.

Doch selbst Malta, welches aktuell vor allem aus Spielern des Valetta FC – der die heimische Liga ohne Niederlage überlegen anführt – besteht, hat seine eigene Erfolgsstory gegen eine Fussballmacht. Dies obwohl die allgemeine Bilanz höchstens Zyniker für gut befinden. Das Torverhältnis aus den bisher 30 Partien gegen Holland, Italien, Frankreich, Spanien, England und Deutschland steht bei 9:127, 29-mal setzte es eine Pleite ab. Doch am 25. Februar 1979 schockte der Inselstaat in der EM-Qualifikation Deutschland.

«Fussball auf Malta ist wie in der Sahara»

Als haushoher Favorit reiste die DFB-Elf damals nach Malta. Sepp Maier hütete das Tor und vor ihm spielten Grössen wie Karl-Heinz Rummenigge oder Karlheinz Förster. Doch die 10 000 Zuschauer in Gzira erlebten ein Wunder: Malta trotzte Deutschland auf einem Ascheplatz ein 0:0 ab. Schon fünf Jahre zuvor machten die Deutschen mit jenem Spielfeld Bekanntschaft. Damals schrieben die Berichterstatter von einem «Tennishartplatz» oder «dem Ärgsten, was je in einem europäischen Wettbewerb einer Profitruppe zugemutet worden ist».

Englands Bobby Charlton erklärte einmal: «Fussball auf Malta ist wie in der Sahara.» Das hat sich mittlerweile geändert. Der Rasen im Ta’Qali ist einwandfrei und auch die Trainingsbedingungen sind mit diversen Kunstrasen optimal. Trotzdem gilt das 0:0 als eine der grössten Blamagen der deutschen Nationalmannschaft. Die Rache folgte jedoch ein Jahr später im Heimspiel: Deutschland siegte 8:0 und qualifizierte sich für die Endrunde. Dort holte das DFB-Team 1980 dann den Europameistertitel.