Ermittlungen

03. Juni 2011 10:29; Akt: 03.06.2011 12:14 Print

Auch Serie A von Wettskandal betroffen

Der Wettskandal in Italien zieht weitere Kreise und erschüttert auch die höchste Liga. Die Staatsanwälte ermitteln nun wegen angeblich manipulierter Serie A-Spiele der abgelaufenen Saison.

Die Serie-A-Partie zwischen Genua und der AS Roma vom 20. Februar 2011 soll manipuliert worden sein (Video: YouTube).
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Ins Visier der Ermittler ist unter anderem das am 20. Februar ausgetragene Spiel FC Genoa - AS Roma (4:3) geraten. Dabei wird ein römischer Fussballer der Manipulation verdächtigt, berichteten italienische Medien.

Der Versuch, das Serie-A-Spiel zwischen Inter Mailand und Lecce am 30. März zu manipulieren, scheiterte hingegen, berichteten die Ermittler. Allein der verhaftete frühere Nationalspieler Giuseppe Signori soll in diesem Fall 150 000 Euro verloren haben. Der in Bologna unter Hausarrest stehende Signori wies die Vorwürfe der Ermittler zurück. «Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe immer gewettet, aber auf legale Weise, es wird sich bald alles klären», versicherte er.

Drahtzieher lebt in der Schweiz

Inzwischen wird auch die Mafia mit dem riesigen Wettskandal in Verbindung gebracht. Eine osteuropäische Gruppe mit kolossalen finanziellen Mitteln steckt laut den Staatsanwälten von Cremona hinter der Manipulationsaffäre, die das italienische Fussballsystem zittern lässt. Die Gruppe war laut Staatsanwalt Guido Salvini in der Lage, in wenigen Stunden bis zu fünf Millionen Euro auf ein einziges Match zu setzen und während des Spiels gewaltige Summen zu wetten. Drahtzieher der Gruppe soll ein in der Schweiz lebender Slowake sein, ein guter Freund des ehemaligen Fussballers Mauro Bressan. Dieser wurde zusammen mit Signori am Mittwoch verhaftet.

400 000 Euro zahlte die Bande, um einen Serie A-Spieler zu bestechen, für einen Zweitligisten sank der Preis auf 120 000 Euro und für einen Drittligisten auf 50 000 Euro, stellten die Ermittler fest. Parallel in anderen italienischen Städten laufende Ermittlungen ergaben, dass die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, massiv auf Manipulation von Spielen der Serie D (fünfthöchste Spielklasse = höchste Amateurliga) setzt.

Auswirkungen auf die Meisterschaft möglich

Der italienische Verband bangt unterdessen um die nächste Meisterschaft. In den Skandal sind Fussballer von Serie B-Vereine verwickelt, die noch an Playoff-Partien für den Aufstieg in die Topliga teilnehmen müssen. Wegen der mutmasslichen Verwicklung von Atalanta-Captain Cristiano Doni in die Affäre könnte der Serie A-Aufstieg des lombardischen Vereins aus Bergamo gefährdet sein. Der Verband forderte von den ermittelnden Staatsanwälten die Dokumentation zum Skandal, um Massnahmen gegen mutmasslich verwickelte Spieler zu ergreifen.

(sda)