18-jähriger Stürmer

30. Juni 2011 11:01; Akt: 30.06.2011 12:52 Print

Basels neuer «Nicht-Spieler» aus Nordkorea

von Reto Fehr - Kwang Ryong Pak stiess am Montag zum FC Basel. Keine zwei Tage später ist er bereits vierfacher Vereins-Torschütze – obwohl er im letzten halben Jahr in keinem Klub spielte.

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Am Montag vermeldete der FC Basel den Zuzug des Stürmers Kwang Ryong Pak vom FC Wil. Erstmals wird damit ein Nordkoreaner beim Meister spielen. Der 18-Jährige reiste von Dubai via Basel direkt ins deutsche Tegernsee, wo der FCB im Trainingslager weilt. «Er ist ein aufgestellter junger Mann und lacht viel», so der erste Eindruck von FCB-Mediensprecher Josef Zindel gegenüber 20 Minuten Online.

Schon am Dienstag kam Pak zu seinem Debüt für Rot-Blau in den leuchtgelben Auswärtstrikots. Der Nordkoreaner spielte in der zweiten Halbzeit gegen eine bayrische Landkreisauswahl (Spieler aus der siebthöchsten Liga oder tiefer). 15:0 siegte Basel. Pak schoss mit vier Treffern die meisten Tore. «Unsere Neuzugänge haben sich gleich positiv ins Team eingefügt», lobte Trainer Thorsten Fink nach der Partie auf der Vereins-Website. Zindel sagt zu 20 Minuten Online: «Pak machte einen sehr wachen Eindruck gegen einen allerdings sehr schwachen Gegner.»

«Potenzial hat er auf jeden Fall»

Dass der Nordkoreaner sich gleich so gut ins Team einfügt, konnte auch gegen diesen bescheidenen Gegner nicht erwartet werden. Sein Englisch bezeichnet Zindel als «brauchbar», im letzten halben Jahr hat er auf Klubebene kein Spiel bestritten. Denn Pak wechselte im Winter von seiner Heimat aus zum FC Wil in die Challenge League. Dort spielte er aus administrativen Gründen nicht. «Wir hatten das Ausländerkontingent schon aufgebraucht für die letzte Saison», erklärt Wil-Sportchef Axel Thoma auf Anfrage. Richtig mit Pak geplant hätte man sowieso eigentlich erst für die kommende Saison. «Man weiss bei diesen Spielern nie, wie lange es mit dem Visum dauert.» Thoma bestätigt Zindels ersten Eindruck des Talents: «Er ist aufgestellt, lacht viel und spielte die Bälle nicht nur rückwärts.» Für die Challenge League hätte er Wil sicher geholfen. Zum Thema Super League meint Thoma: «Potenzial hat er auf jeden Fall.» Der Wechsel zu Basel sei aber doch «etwas überraschend gekommen». Grundsätzlich wusste man schon bei der Verpflichtung im Winter, dass man den Angreifer irgendwann gewinnbringend verkaufen möchte.

Wie Messerli Nordkoreaner in die Schweiz holt

Wil ist eigentlich ein idealer Verein für Nordkoreaner, die nach Westeuropa wechseln. Pak war schon der Dritte bei den Ostschweizern. Den guten Kontakt ins ferne Asien stellt Karl Messerli her. Der ehemalige Fussballer unterhält seit rund 15 Jahren Geschäftsbeziehungen nach Nordkorea. Eigentlich handelt er mit Plüschtieren, seit einigen Monaten auch mit Fussballern. Messerli und seine Firma «Football of Korea» besitzen die Transferrechte der nordkoreanischen Nationalspieler (auch U21) für Europa. Und Messerli hat grosse Unterstützung im Land von Kim Jong-Il. «Wenn ich sage, ich möchte die U20-Nationalmannschaft gegen die U21 spielen sehen, dann wird mir diese Begegnung organisiert», sagte der Basler während der WM 2010 beispielsweise in einem Interview mit der «Augsburger Allgemeinen». Ebenfalls während der Endrunde erklärte er der «Zeit» sein Konzept: «Gerade für Vereine, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind, sind Spieler aus Nordkorea eine gute Alternative. Qualität ist nicht nur in der Nationalmannschaft vorhanden, sondern auch im Nachwuchsbereich.» Bei Pak und Wil hat sich dies gelohnt.

Keine Bedenken bei der Integration

Aber ist ein Spieler, der ein halbes Jahr im Klub nicht zum Einsatz kam, kein Risiko für den Schweizer Meister FC Basel? «Nein, wir haben überhaupt keine Bedenken», so Zindel. Zum einen habe man Videos von Spielen gesehen und zum anderen bestritt Pak im vergangenen halben Jahr mit der Olympia-Auswahl Partien, zuletzt erst kürzlich gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Nach einigen Trainings und einem überzeugenden Testspiel mit der U21 des FCB gegen die Mainzer U23 habe man den Spieler bis 2016 verpflichtet. Pak soll hinter Marco Streller und Alex Frei aufgebaut werden.

Für die Integration hat man bei Basel keine speziellen Vorkehrungen getroffen. Auch wenn Nordkoreaner grundsätzlich abgeschottet von der restlichen Welt leben. «Wir unterstützen ihn, wie andere junge Ausländer, die zum FCB wechseln», so Zindel. Natürlich müsse er sich an die neue Umgebung gewöhnen und dabei wird Messerli, der ebenfalls in Tegernsee weilt, eine Rolle spielen. Bis auf Weiteres wohnt Pak im Hotel. Eine Wohnung wird aber wohl bald gesucht. Man darf gespannt sein, wie sich der erste Nordkoreaner in der Super League schlagen wird. Messerli bezeichnet das 1,88 Meter grosse Talent wenig überraschend als «eine Bombe».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sanaja am 30.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    toll von Basel

    Super!

  • Sepp Matter nid Blatter ;-) am 30.06.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Mal was neues beim FCB. Denke, der Nordkoreaner wird sicher verbissen trainieren und hat eine starke Moral.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • sanaja am 30.06.2011 14:49 Report Diesen Beitrag melden

    toll von Basel

    Super!

  • Sepp Matter nid Blatter ;-) am 30.06.2011 11:39 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Mal was neues beim FCB. Denke, der Nordkoreaner wird sicher verbissen trainieren und hat eine starke Moral.

    • SwissHomer am 30.06.2011 13:15 Report Diesen Beitrag melden

      Finde Exoten machen das Salz in der Supp

      Also ich finde das eine ganz gute Idee. Spieler aus Fussball "Exoten" Nationen machen das Salz in der Suppe. Erinnere sich nur einer an Chipperfield.

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