Vor dem Spitzenspiel

09. November 2019 12:50; Akt: 09.11.2019 13:27 Print

Fünf Gründe müssen Dortmund beunruhigen

Die Bayern haben mehr als nur ein Schreckgespenst. Trotzdem sind Dortmunds Aussichten im Schlagerspiel nicht schlecht.

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Von einem eigentlich mässig spannenden 1:1 in Dortmund bleibt das Scharmützel zwischen den beiden 90er-Weltmeistern Lothar Matthäus (l.) und Andreas Möller. Matthäus signalisiert durch das Abwischen imaginärer Tränen, dass er Möller als Heulsuse ansehe, woraufhin ihm dieser ins Gesicht greift. Matthäus beteuerte später, es sei nicht persönlich gewesen, sagte aber auch über Möller: «Man wusste ja, er ist ein Spieler, der die Härte nicht so gut verträgt.» Top-Spiele wie gegen den BVB motivierten Bayern-Torhüter Oliver Kahn immer besonders. An diesem April-Tag scheint er wie von Sinnen. Erst versucht er BVB-Stürmer Heiko Herrlich in den Hals zu beissen, dann springt er in Kung-Fu-Manier auf den entgeistert schauenden BVB-Stürmer Stéphane Chapuisat zu. Kahn erklärte später, er habe wegen Kritik unter Druck gestanden und nach einem Gegentor sei der «Deckel vom Kessel» geflogen. Es gibt ein Kartenfestival. Schiedsrichter Hartmut Strampe zeigte Dortmunds Evanilson und Münchens Stefan Effenberg (im Bild) jeweils Rot sowie Bayern-Profi Bixente Lizarazu Gelb-Rot und zudem noch zehn Gelbe Karten. «Ab einem gewissen Zeitpunkt spürte ich, dass die Spieler auf die Karten nicht mehr reagierten», sagte Strampe später. BVB-Torhüter Jens Lehmann fliegt vom Platz, doch der BVB kann nicht mehr wechseln. Also geht der 2,02 m grosse Stürmer Jan Koller ins Tor. 24 Minuten lang - und blieb ohne Gegentor. Der Kicker berief ihn anschliessend in die Elf des Tages. Als Torhüter natürlich. Koller hatte auch das 1:0 für den BVB erzielt, der verliert in München trotzdem mit 1:2. Die Dortmunder schaffen die ultimative Demütigung des FC Bayern – und müssen es später büssen. Nach dem Meistertitel 2011 und der bereits sicheren Titelverteidigung zerlegt der BVB die Münchner im DFB-Pokalfinal mit 5:2. Bayern-Präsident Uli Hoeness kündigte direkt an, zu zeigen «wo der Hammer hängt». Die Münchner schnappten sich danach nacheinander Mario Götze, Robert Lewandowski (im Bild) sowie Mats Hummels – und wurden seitdem immer deutscher Meister. Hummels und Götze sind inzwischen allerdings wieder beim BVB zurück. Das Spiel, das deutsche Fussball-Geschichte schrieb: Zum ersten und einzigen Mal bestreiten zwei deutsche Mannschaften einen Champions-League-Final. Im Londoner Wembley-Stadion ist Dortmund ebenbürtig. Als alle sich schon auf eine Verlängerung einrichten, schiesst Arjen Robben das 2:1-Siegtor für die Münchner, die ein Jahr zuvor nicht nur im Pokalendspiel eine bittere Niederlage kassierten, sondern auch im Champions-League-Finale «dahoam» gegen Chelsea. Schon zu Pause liegt der FC Bayern völlig verdient mit 5:0 in Front. Für die Münchner ist das 6:0 der höchste Sieg über den BVB seit dem historischen 11:1 im Jahr 1971. Im vielleicht spektakulärsten Klassiker seit Jahren triumphiert der BVB mit 3:2. Zwei Mal gehen die Bayern durch Robert Lewandowski in Führung, zweimal kann der überragende Marco Reus ausgleichen. Am Ende sorgt Paco Alcácer (l.) für den Siegtreffer. Mit einer meisterlichen Machtdemonstration stürmt der FC Bayern zurück an die Spitze der Bundesliga. Der deutsche Rekordchampion schickt den gedemütigten und entzauberten Rivalen mit 5:0 nach Hause. Robert Lewandowski (2 Tore, l.), Mats Hummels, Javi Martínez und Serge Gnabry führen den völlig überforderten BVB vor.

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Es ist das Bundesliga-Spiel der Spiele. Bayern gegen Dortmund. Daran ändert auch nichts, dass die Bayern gerade nur auf Rang 5 liegen und die Dortmunder auf Platz 3.

Für die Bayern geht es am Samstagabend nicht nur darum, den alten Rivalen zu besiegen und ihn in der Tabelle zu überholen. Für sie geht es auch darum, die Schmach von Frankfurt in den Hintergrund zu spielen. 1:5 haben sie vor einer Woche verloren. Es war das Spiel, das Trainer Niko Kovac den Job gekostet hat.

Tatsächlich sprechen fünf Punkte dafür, dass der BVB vor Bayern Angst haben muss. Und dass den Bayern ein grosses Spiel gelingt.

Grund 1
Robert Lewandowski

Der Stürmer hat eine grossartige Torquote: Bis auf den Match im DFB-Pokal gegen Bochum (aber was ist schon ein DFB-Pokalspiel gegen Bochum?) hat Lewandowski in jeder Partie dieser Saison getroffen. In jeder. Ob in der Bundesliga gegen Hertha, Schalke oder Leipzig. Ob in der Champions League gegen Tottenham, Olympiakos oder Roter Stern. Lewandowksi traf einmal (in 10 Partien), zweimal (in 4 Partien), dreimal (in einem Match). Macht 21 Tore in 16 Spielen.

Immer wieder jubeln, immer wieder er: Robert Lewandowski traf bislang in jedem Bundesliga- und Champions-League-Match der Saison. (Bild: Paul Childs/Reuters)

Grund 2
Die Nummer 9 der Bayern

Was auch noch für die Bayern spricht: Ihr Spieler mit der Nummer 9, Robert Lewandowski. Der wollte zum Pech für die Bayern zwar schon ein paar Mal schleunigst weg aus München. Fühlte sich auf seiner Jagd nach Toren schon zu wenig unterstützt von den Mitspielern, zu wenig wertgeschätzt von der Clubführung, vielleicht auch noch ein bisschen unterbezahlt – geschätztes Jahreseinkommen: 15 Millionen Euro. Zum Glück für die Bayern aber ist er doch geblieben. Und was sich für die Gegner auch schlimm anhört: Neuerdings kümmert sich Lewandowski nicht nur um die Torquote von Lewandowski. Neuerdings ist ihm wichtig, dass auch noch die Mannschaft funktioniert. Gerade hat er gesagt: «Eine Achse, die nur aus Neuer und Lewandowski besteht, ist zu wenig.»

Neuerdings trifft er nicht mehr nur für sich. Sondern auch für die Mannschaft. Und für sein Baby. Bald wird Lewandowski zum zweiten Mal Vater. (Bild: Matthias Schrader/Keystone)

Grund 3
Das Dortmunder Schreckgespenst

Was auch noch für die Bayern spricht: Der Mann, der 2014 aus Dortmund kam, Robert Lewandowski. Während er für den BVB gegen die Bayern in sechs Bundesliga-Partien nur einmal getroffen hat, ist Dortmund seit seinem Wechsel nach München einer seiner Lieblingsgegner. 14 Tore gelangen ihm seit 2014 gegen seinen alten Club.

Da hatten sie in Dortmund noch Freude an Lewandowksi: Der Pole traf im Frühling 2014 zum 100. Mal für den BVB. Kurz danach wechselte er zu den Bayern. (Bild: Rolf Vennenbernd/Keystone)

Grund 4
Der Heimspielkönig

Was auch noch für die Bayern spricht: Der Heimspielkönig, bekannt auch unter dem Namen Robert Lewandowski, geboren am 21. August 1988 in Warschau. 10 seiner 14 Bundesliga-Treffer gegen Dortmund hat der polnische Nationalspieler in der Allianz-Arena erzielt. In den vergangenen vier Saisons fertigten die Bayern den BVB in Bundesliga-Heimspielen 5:1, 4:1, 6:0 und 5:0 ab. Lewandowski traf dreimal doppelt und einmal dreifach.

Jetzt trifft der 31-Jährige am liebsten gegen seinen alten Club – vor allem zu Hause, wie die jüngste Serie zeigt. (Foto: Kerstin Jönsson/Keystone)

Grund 5
Der Ewig-Hungrige

Was auch noch für die Bayern spricht: Der scheinbar ewig hungrige Torjäger Robert Lewandowski. 216 Mal hat er bislang in 300 Bundesliga-Auftritten getroffen. So oft, wie kein anderer Ausländer. Dass er in der laufenden Saison in allen zehn Ligapartien erfolgreich war, ist genauso ein Rekord. Und jagt Lewandowski weiter wie bisher (14 Tore), was zwar sehr, sehr, sehr schwierig und auch sehr, sehr, sehr theoretisch, aber doch nicht völlig unmöglich ist, stünde er am Saisonende bei 47,6 Toren. Aus Grosszügigkeit runden wir bis 48 auf. Das wären dann acht Tore mehr als Gerd Müllers Rekord von 40 Treffern aus der Saison 1971/72.

Überraschung: Lewandowski trifft diese Saison doch nicht immer. Im DFB-Pokal gegen Bochum war er nur erster Siegtor-Gratulant von Thomas Müller. (Bild: David Inderlied/Keystone)

Gute Nachricht

Die gute Nachricht für den BVB: Um mehr als diese fünf Gründe braucht er sich nun aber wirklich nicht zu kümmern gegen diese Bayern. Und hat so selbst gar keine schlechte Aussichten, in München wieder einmal zu punkten. Vielleicht so gute wie schon lange nicht mehr. Im DFB-Pokal konnte er auswärts in München zwar 2017 und 2015 gewinnen, in der Liga aber geht der letzte Sieg auf den 12. April 2014 zurück. Damals setzte sich der BVB – ohne Lewandowski in der Startformation – 3:0 durch.

Das waren noch Zeiten: Dortmund stürmt im April 2014 mit Aubameyang und Reus und gewinnt in München 3:0. (Foto: Andreas Gebert/Keystone)

Fussball

(ukä)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sape am 09.11.2019 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1 Grund und nicht 5

    Also 5 Mal Lewandowski zu nennen ist immer noch nur ein Grund, nämlich Lewandowski. Musstest ihr unbedingt noch einen Artikel fürs Spiel raus bringen?

  • Oskarli-der-Nette. am 09.11.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Immer wieder schön.

    Grüetzi-Mitenand. Nicht vergessen, heute Abend Räbäliechtli-Umzug in Richterswil. Freue mich.

  • Irrelevante Statistiken am 09.11.2019 13:37 Report Diesen Beitrag melden

    Und Analysen

    Immer diese nutzlosen Artikel, wo vor einem Spiel anhand einer Bulletlist mit veralteten und irrelevanten Statistiken der Spielverlauf höchstwahrscheinlich falsch vorhergesagt wird. Wozu überhaupt noch spielen, der Schreiber weiss ja eh schon, wie es ausgeht. Und am besten den Bayern gleich die Punkte per Post schicken.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Papa Bär Bayern am 09.11.2019 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machtdemonstration

    Bayern wied die Doofmunder heute Abend demütigen, merkt euch meine Worte! Alle Kübel gehen nach München!

  • Laferinsky am 09.11.2019 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    Dortmund wird gewinnen

    Kennedy pflegte zu sagen "ich bin ein Berliner". Clinton kürzte ab und sagte fingerzeigend "dortMund".

  • 1fck am 09.11.2019 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war klar

    ,,Wir zeigen ihnen wo der Hammer hängt" bedeutet also im Münchnerfachjargon den Gegner zu schwächen, lol. Was wir alle schon wussten hat der Uli also noch bestätigt.

    • Dani am 09.11.2019 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @1fck

      Nun ja, neu ist diese News ja nicht. Ist allgemein bekannt.

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  • Liebe Dortmund am 09.11.2019 15:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Feigling

    Ich bin ganz ehrlich und teile euch mit, dass ich mir das Spiel nicht antue. Meine Nerven, meine Nerven.

  • Hölzenbein der II am 09.11.2019 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Taktisch angehen

    Der Lewa ist gar nicht so gut wie alle schreiben. Er wird nur nicht richtig gedeckt. Hau dem mal so richtig eins rein, wenn der Schri wegschaut, dann ist Feierabend bei Lewa. Dann noch richtig provozieren und fertig ist mit dem Duselbruder.

    • tuni am 09.11.2019 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hölzenbein der II

      Ich mag diesen Polen überhaupt nicht. Fußballerisch ganz gut, aber Menschlich da enthalte ich mich der Stimme! Hopp BVB.

    • Christian Ott am 09.11.2019 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tuni

      Tuni, offensichtlich kennen Sie Lewandowski persönlich sehr gut. Ich leider nicht, deshalb masse ich mir nicht an, ihn als Mensch zu beurteilen. Als Fussballer ist er seit Jahren TOP!

    • Christian Ott am 09.11.2019 15:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hölzenbein der II

      Was, um Gottes Willen, hat Lewandowski Ihnen angetan? Dass Sie sich so unsportlich, eher primitiv, äussern? Also, Ihnen möchte ich zu keiner Tageszeit begegnen!

    • Augenklappe am 09.11.2019 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hölzenbein der II

      Würde mal sagen nicht nur der Lewa wäre dann weg... egal ob der schiri schaut...

    • @Barça am 09.11.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @tuni

      Der sollte in einer anderen Liga spielen, in der ihm die Verteidiger auf den Füssen herum stehen, dann weis man, dass dieser Lewandowski nichts ist. Für die BL reichte im Moment einfach, weil nicht bei jedem Gegner viel Qualität vorhanden ist.

    • premier League ja... sonst nein am 09.11.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @@Barça

      Und von welcher Liga sprechen sie? Anhand ihres Namen hoffe ich sie meinen nicht LaLiga? Den ausser Atletico Madrid kommt mir kein Verein in denn Sinn. Übrigens wieso liest man ihren Namen nur bei Real oder Bayern berichten? Ihre Komplexe müssen gewaltig sein!Mal einen Doktor aufsuchen hoffe der kann helfen.

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