Kehrtwende

06. Dezember 2011 15:30; Akt: 06.12.2011 15:59 Print

Blatter will Torkameras und Profi-Schiris

Nach langem Zögern spricht sich Fifa-Boss Sepp Blatter nun doch für die Einführung der Torlinien-Technologie aus. Zudem will er nur noch Profi-Schiris an der WM - eine Hiobsbotschaft für Schweizer Referees.

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Mittlerweile sieht der Fifa-Präsident Sepp Blatter ein, dass technische Hilfsmittel nützlich sind. (Bild: Keystone)

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Nun ist auch Sepp Blatter so weit: Jahrelang verhielt sich der Fifa-Boss beim Thema «Torlinien-Technologie» zurückhaltend. Nun spricht sich der Schweizer in einem Interview mit der Bild-Zeitung für technische Hilfsmittel im Fussball aus: «Mindestens eines dieser Hilfsmittel muss man jetzt zulassen – und das ist die Torkamera. Es gibt inzwischen Systeme, die Genauigkeit, Schnelligkeit und das Unkomplizierte vereinen. Wir sind so weit, um diese Technik zu nutzen.» Blatter führt zudem aus, dass das IFAB (International Football Association Board) im nächsten März über das Hilfsmittel abstimme. Eingesetzt würde die Torkamera im Falle einer Befürwortung ab der Saison 2012/2013.

Nur noch Profi-Schiedsrichter an WM

Im ausführlichen Interview bringt Blatter zudem ein weiteres Thema zu Sprache. Er fordert, dass in Deutschland in Zukunft nur noch Profi-Schiedsrichter zum Einsatz kommen. Bisher sind die deutschen Referees nebenbei noch berufstätig. «Die Italiener, Franzosen, Engländer – sie alle machen es richtig. Es kann nicht sein, dass Schiedsrichter einen Tag nach dem Spiel wieder an ihren Schreibtisch müssen», sagte das Oberhaupt des Weltfussballverbandes. Und damit nicht genug. Blatter erhöht den Druck auf den Deutschen Fussballverband: «Wir werden von der Fifa aus für die WM 2014 nur noch Schiedsrichter nehmen, die Profis sind.» Die Spieler und Fans würden den Referees so mehr Respekt entgegenbringen.

Der Fifa-Präsident reagiert damit auf die Diskussionen, die entstanden sind, nachdem der Bundesliga-Schiedsrichter Babak Rafati versucht hat, sich das Leben zu nehmen. In der Folge sind in Deutschland grosse Diskussionen um die grosse Belastung der Referees entstanden.

Keine Schweizer-Refs mehr an der WM?

Die Änderung würde auch die Schweizer Schiedsrichter betreffen - denn diese haben allesamt ein zweites Standbein und sind berufstätig. Somit würde die Fifa keinen Schweizer Referee mehr zur WM zulassen. Chef-Schiedsrichter Carlo Bertolini nimmt auf der Homepage des Schweizer Fussballverbands zur Äusserung von Sepp Blatter Stellung. Er findet es grundsätzlich richtig, sich für bessere Bedingungen für die Unparteiischen einzusetzen. Finanziell seien die Forderungen jedoch nicht umsetzbar. «Wenn uns genügend Geld zur Verfügung stünde, würde ich die Pläne des Fifa-Präsidenten sofort umsetzen, aber wir haben dieses Geld nicht und ich glaube kaum, dass sich die Fifa an den Kosten beteiligen würde», sagt Bertolini. Man müsse zwischen Ländern differenzieren, in denen Fussball einen extrem hohen Stellenwert habe, und anderen wie etwa Belgien, Österreich oder der Schweiz. «Die grossen Fussball-Nationen generieren viel mehr Geld aus dem Sport und haben es daher vielleicht auch etwas leichter, ihre Schiedsrichter mit Profi-Verträgen auszustatten.»

(fbu/mon)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chriss Graf am 06.12.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Profischiedsrichter?

    Was tun die während der spielfreien Zeit zwischen den Spielen von Montag bis Freitag?

  • Bruder Motzi am 06.12.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN, der Herr Blatter lenkt ein...

    wow, und ich dachte, der Papst würde noch VOR diesem Ereignis protestantisch!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruder Motzi am 06.12.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    NEIN, der Herr Blatter lenkt ein...

    wow, und ich dachte, der Papst würde noch VOR diesem Ereignis protestantisch!!

  • Chriss Graf am 06.12.2011 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Profischiedsrichter?

    Was tun die während der spielfreien Zeit zwischen den Spielen von Montag bis Freitag?