Fifa-Chef

17. November 2011 11:13; Akt: 17.11.2011 15:37 Print

Blatters seltsame Ansichten zum Rassismus

Unglückliche Äusserungen von Fifa-Präsident Sepp Blatter: Der Schweizer behauptet, im Fussball gebe es kein Rassismus-Problem. Manchester-United-Star Rio Ferdinand ist entrüstet.

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Manchester Uniteds Rio Ferdinand (r.) zeigte sich über Blatters Aussagen zum Thema Rassismus erstaunt. (Bild: Keystone/AP)

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Fifa-Präsident Sepp Blatter ist wieder einmal ins Fettnäpfchen getreten. Dieses Mal verwirrte der Schweizer mit Äusserungen über Rassismus im Fussball. Gegenüber dem TV-Sender Al-Jazeera sagte er, im Fussball gebe es kein Rassismus-Problem. Abfällige Gesten oder Bemerkungen während eines Matchs seien nach dem Spiel «vergessen». Und: «Sollte ein Problem auch nach einer Partie noch bestehen, müssen die Offiziellen der jeweiligen Liga die beiden Streitenden zusammenbringen und ihnen sagen: Schüttelt euch die Hände.»

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Manchester-United-Star Rio Ferdinand ist empört über die Aussagen Blatters. Der dunkelhäutige Nati-Spieler Englands schrieb per Twitter, er sei erstaunt über die Aussagen des Fifa-Präsidenten. Ferdinand bezeichnete den Kommentar Blatters als «so herablassend, dass es schon fast lachhaft ist». Es sei dumm gewesen zu glauben, dass der Fussball eine Führungsrolle im Kampf gegen Rassismus übernommen habe, so Ferdinand.

«Das war ein Missverständnis»

Blatter wiederum twitterte am Mittwoch: «Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art haben im Fussball keinen Platz.» Das habe er immer betont und werde dies auch weiter tun. Gleichzeitig bezeichnete er Vorkommnisse mit rassistischem Hintergrund als etwas, das in der Hitze des Gefechts geschehen könne. «Das soll keine Entschuldigung sein, aber manchmal werden in hitzigen Situationen gewisse Dinge auf dem Spielfeld gesagt und getan.»

Am Mittwochabend meldete sich Blatter ein weiteres Mal zu Wort. Auf der Webseite der Fifa tat er die Angelegenheit als «Missverständnis» ab. «Was ich mit meinen Äusserungen zum Ausdruck bringen wollte, ist, dass Fussballspieler während einer Partie ‹Kämpfe› mit ihren Gegenspielern austragen und dabei manchmal Dinge passieren, die nicht passieren sollten», schrieb Blatter. «Normalerweise gibt man sich nach dem Schlusspfiff die Hand und entschuldigt sich beim Gegner, wenn es während der Partie zu einer Konfrontation gekommen ist.» Er wolle das Rassismus-Problem im Fussball keinesfalls kleinreden.

Rassismus-Vorwürfe in England

Zuletzt sorgten vor allem in England Rassismus-Vorwürfe für Schlagzeilen. Dem Kapitän der englischen Nationalmannschaft, John Terry, wurde vorgeworfen, seinen Gegenspieler Anton Ferdinand, den Bruder von Rio Ferdinand, in einem Erstligaspiel rassistisch beleidigt zu haben.

Am Mittwoch erhob der englische Verband (FA) zudem Anklage gegen den Liverpooler Spieler Luis Suárez, weil er Manchester Uniteds Verteidiger Patrice Evra wegen dessen «Herkunft, Hautfarbe oder Rasse» verunglimpft haben soll. «Er hat versucht, mich aufzuziehen. Es gibt Kameras – und da sieht man, wie er mindestens zehnmal ein bestimmtes Wort zu mir sagt. Dafür ist im Jahr 2011 kein Platz», wurde Evra in französischen Medien zitiert. Ein Sprecher des FC Liverpool teilte indes mit, Suárez habe die Anschuldigungen «kategorisch zurückgewiesen».



Blatters Interview mit Al-Jazeera. (Quelle: Al-Jazeera)

(feb/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • B. Kerzenmacher am 17.11.2011 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Da bekommt

    die neue Präsidentin der unbrauchbaren Schweizer Rassismuskommission ja schon zu Amtsantritt viel zu tun. Ob sie die schwierige Aufgabe auch packt!

  • Michi Summa am 17.11.2011 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Blatter du

    Blatter ist so etwas von unfähig, ich glaube nicht, dass er weiss das Fussball mit 2 Toren gespielt wird. Er denkt da werden Banknötli getauscht oder so.

  • Ricardo Granda am 17.11.2011 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus

    Warum regt man sich hier so auf? Im Fussball gibt es sicher auch Rassismus, aber auf der Strasse gibt es jeden Tag rassistische Aeusserungen, nur heissen die Leute die sie aussprechen so wie du und ich. Seien wir doch ein bisschen realistischer und weniger heuchlerisch.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iafrate am 17.11.2011 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Weshalb nicht mehr offizielle Fälle ???

    Nun muss die FIFA noch eine Rassismus-Polizei aufstellen. Diese würde dann aktiv, wenn ein Spieler aussagt, ein anderer hätte ihn rassistisch beschimpft.... Ist doch ein Witz! In erster Linie hat der zuständige Landesverband zu handeln und fehlbare Akteure (wie man das wohl beweisen will??) zu bestrafen. Und ist Rassismus wirklich das grosse Problem im Fussball?? Weshalb sind dann die Titelseiten der Zeitungen nicht ständig voll davon, und die Verbandsgerichte überlastet mit Anzeigen von beschimpften Spielern?? Ob da wieder die leicht erhältliche "öffentliche Empörung" gesucht wird?

  • Atheist am 17.11.2011 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wo lebt Blatter?

    Hat Herr Blatter den Sinn für die Realität verloren? In was für einer Welt schwebt den er? Es gibt Rassismus zwischen den Spielern aber auch zwischen "Fans" und Spielern.... Es gibt etliche Beiträge die dies dokumentieren...

  • Moni am 17.11.2011 14:20 Report Diesen Beitrag melden

    Bestraft werden

    Es gibt keinen Rassismus ,wenn es einen geben würde, dann ist die Kampanie von Benetton auch Rassismus und muss bestraft werden.

  • Marcel Streit am 17.11.2011 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichstellung

    Wenn ein dunkelhäutiger Spieler seinem nicht dunkelhäutigen Gegenspieler etwas nettes über seine Mutter, Frau oder sonstwie sagt, sollte der nicht dunkelhäutige Spieler dem dunkelhäutigen Spieler im gleichen Stil zurückgeben und nicht über die Hautfarbe diskutieren! Denn Idioten gibt es bei beiden Hautfarben zur Genüge.... es fehlt zum Teil komplett am Respekt gegenüber dem Anderen und daaaas ist das Problem. Halt beide vom Feld schicken wenn der Schiri was hört, aber eben, man(n) kann auch weghören.... dafür Gelb fürs Leibchen ausziehen geben....

  • B. Kerzenmacher am 17.11.2011 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    Da bekommt

    die neue Präsidentin der unbrauchbaren Schweizer Rassismuskommission ja schon zu Amtsantritt viel zu tun. Ob sie die schwierige Aufgabe auch packt!