Groteske Entmachtung

11. März 2011 11:59; Akt: 11.03.2011 12:18 Print

Chaos um Magath perfekt

Gestoppte Briefe, harsche Vorwürfe und ein zynischer Trainer: Wegen der Qualifiaktion für den CL-Viertelfinal verkommt der geplante Rauswurf von Felix Magath bei Schalke zu einer Farce.

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Felix Magath steht auf Schalke vor seiner Entlassung. (Bild: Keystone)

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Schalke-Boss Clemens Tönnies hatte die Briefe an seine Aufsichtsratskollegen vor der turnusmässigen Sitzung am Montag gemäss der «Bild»-Zeitung bereits zur Poststelle gebracht. Der Rauswurf von Felix Magath war eigentlich nur noch Formsache. Doch dann folgten Ereignisse, die den Tönnies-Plan komplett auf den Kopf stellen sollten.

Noch vor dem Anpfiff gegen Valencia sickerte die Meldung von Magaths bevorstehender Entmachtung an die Medien durch. In Windeseile verbreitete sich die Neuigkeit und sorgte vielerorts für Kopfschütteln. Der Zeitpunkt war denkbar ungünstig. Als Schalke sich schliesslich auch noch mit einem begeisternden Auftritt für den Viertelfinal der Königsklasse qualifizierte, war der Schlamassel perfekt.

«Im Verein brennt es lichterloh»

Tönnies machte vor dem TV-Publikum einen Rückzieher und stoppte offenbar auch die Briefe an den Aufsichtsrat. Magath erhielt eine Gnadenfrist und wurde fürs Wochenende für ein «klärendes Gespräch unter Männern» aufgeboten. Gegen Frankfurt sitzt «Quälix» also noch auf der Bank, dennoch scheint seine Zeit abgelaufen. Tönnies lässt daran keinen Zweifel: «Wir müsen die Reissleine ziehen. Völlig unabhängig von der Champions League. Im Verein brennt es lichterloh», sagte der Schalke-Boss dem Fussball-Magazin «Kicker».

Sportlich steht Schalke vor einer zwiespältigen Zukunft. Trotz akuter Abstiegsgefahr - nur fünf Punkte liegen die Köngisblauen vor dem Zweitletzten Stuttgart - kann sich der Vizemeister von 2010 noch für den Europacup qualifizieren. Die Knappen stehen im Final des DFB-Pokals und könnten im Falle eines Titelgewinns in der Europa League (Start in der letzten Playoff-Runde) antreten. In der Champions League stehen die Schalker zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte unter den letzten Acht.

Magath hat Atmosphäre vergiftet

Ums Sportliche allein geht es bei der Magath-Entlassung jedoch nicht. Tönnies wirft dem Trainer, Manager und Vorstandsmitglied in einer Person «unmenschlichen Umgang» vor. Neben dem Punktedefizit in der Liga wird Magath angelastet, mit seiner autoritär-zynischen Art die Atmosphäre unter den Schalke-Fans und auch innerhalb der Mannschaft vergiftet zu haben.

Magath selbst scheint vom grotesken Ablauf seiner Entmachtung nicht sonderlich beeindruckt und bleibt cool. «Ich habe einen Vertrag bis 2013 und gehe davon aus, ihn zu erfüllen. Mir war schon klar, dass das hier ein turbulentes Arbeiten sein würde», sagte der 57-Jährige nach dem Sieg gegen Valencia mit einem süffisanten Lachen. «Das alles überrascht mich nicht. Und wie man sieht, macht auch unruhiges Arbeiten durchaus Spass.»

Was, wenn Magath weiter gewinnt?

Um seine Zukunft muss sich Magath jedenfalls keine Sorgen machen. Neben einer millionenschweren Abfindung winkt schon der nächste Job. Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz will Magath für seinen Retortenklub RB (Rasenball) Leipzig gewinnen. Schon im vergangenen Sommer gab es erste Gespräche. Und auch bei seinem Ex-Klub HSV wäre der dreifache Meistertrainer wohl wieder willkommen.

Auch Schalke hat sich offenbar schon nach einem Nachfolger für Magath umgesehen. Neben Robin Dutt und Ralf Ragnick ist auch der 73-jährige Otto Rehhagel als «Typ Klopp» im Gespräch. Am Montag trifft sich der Aufsichtsrat und will die Entlassung von Magath verabschieden. Doch was, wenn Schalke gegen Frankfurt gewinnt? Dann wird das groteske Spiel seine Fortsetzung finden.

(pre)