Nach Kritik

13. Oktober 2010 10:36; Akt: 13.10.2010 16:26 Print

Christian Gross gefeuert

Nach nur zehn Monaten ist die Zeit von Christian Gross in Stuttgart abgelaufen. Der Tabellenletzte trennte sich vom Schweizer Coach drei Tage vor dem kapitalen Spiel gegen den Tabellen-Zweitletzten Schalke. Interimistisch übernimmt nun Assistent Jens Keller.

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Diese Schweizer waren schon in der Bundesliga engagiert.

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Damit endet auch das zweite Engagement von Christian Gross im Ausland nach wenigen Monaten vorzeitig. 1998 war er bei Tottenham Hotspur entlassen worden - nach ebenfalls zehn Monaten. In Stuttgart erlebte Gross von A bis Z ein Londoner Déjà-vu: er kam im Spätherbst, um einen kriselnden Grossklub vor dem Abstieg zu bewahren, und wurde nach Erfüllung dieser Mission - Gross führte Stuttgart aus der Abstiegszone auf einen Europacup-Platz - in der zweiten Saison nach wenigen Spieltagen entlassen. Bei Tottenham war es 1998/99 nach drei Runden gewesen, in Stuttgart nun nach sieben Spielen.

In diesen sieben Runden enttäuschte der VfB masslos. Erst legte er mit drei Niederlagen in Folge den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin, dann erwies sich das 7:0 gegen Borussia Mönchengladbach als Sternschnuppe. In der Folge verlor der VfB nochmals dreimal in Serie, nach teilweise pitoyablen Darbietungen.

Schon seit Wochen in der Kritik

Die Trainerdiskussion wurde im Schwabenland daher schon vor Wochen eröffnet. Noch vor zehn Tagen aber stellte sich die Vereinsleitung vor Gross. «Es gibt keine Diskussion um den Trainer. Gross sitzt auch gegen Schalke auf der Bank», sagte Präsident Erwin Staudt am Montag letzter Woche.

Kurz darauf war Gross doch als Hauptproblem beim dreifachen deutschen Meister ausgemacht worden. Die Probleme allerdings sind vielschichtig. Einerseits ist die Mannschaft im Vergleich zur Vorsaison nach den Abgängen von Goalie Jens Lehmann (Rücktritt) und Mittelfeldstratege Sami Khedira (zu Real Madrid) geschwächt, weil sie nicht adäquat ersetzt wurden. Zuletzt monierte Gross, der Klub setze die Prioriäten auf den Bau des Stadions und nicht auf den Bau einer neuen Mannschaft.

Kader zu schmal?

Ohne das nötige Kleingeld war das Kader in den Augen von Gross zu schmal besetzt. Die Absenz des mittlerweile wieder einsatzfähigen Abwehrchef Matthieu Delpierre konnte so nicht aufgefangen werden. Im Sommer beispielsweise reiste Gross nach Argentinien, um einen Innenverteidiger zu beobachten und zu kontaktieren. Als er zurück war in Stuttgart, kam von den Chefs ein kategorisches 'Nein'. Der begehrte Abwehrspieler spielt nun für Sporting Lissabon.

Andererseits stimmte es in Stuttgart auch abgesehen von der sportlichen Entwicklung nicht. Sportdirektor Horst Heldt setzte sich kurz vor Saisonbeginn zu Schalke ab. Mit dem neuen Vorgesetzten Fredi Bobic verstand sich Gross offenbar nicht gut. Das wollen zumindest Insider so gedeutet haben. Gross selbst nährte dieses Gerücht in den letzten Tagen. «Fredi Bobic hat auch seine Vorstellungen und seine Ziele. Dabei arbeitet er mit einem Trainer zusammen, den er nicht ausgesucht hat.» Die (versteckten) verbalen Angriffe von Gross dürften seinen Abgang beschleunigt haben.

Bobic sparte nicht an Kritik

Bobic sparte demgegenüber auch nicht mit Kritik am Schweizer: «Gross hat in den gemeinsamen Gesprächen keine Lösungsansätze für die Probleme bringen können.» Diese will nun Nachfolger Keller bereit haben. «Christian Gross war ein sehr dominanter Trainer. Ich habe schon Dinge gesehen, die anders hätten gemacht werden können, die ich aber nicht umsetzen konnte.» Bei der Mannschaft soll sich Gross im Sommer zudem unbeliebt gemacht haben, weil er sie viermal in ein Trainingslager abkommandierte.

Die Mechanismen der Branche griffen in Stuttgart: Tabellenletzter, Krise, Trainer weg. Trotzdem ist zumindest der Zeitpunkt der Entlassung verwunderlich. Wenn die Verantwortlichen Zweifel an der Arbeit von Gross hegten, hätte ein Ende der Zusammenarbeit vor zehn Tagen nach dem 1:2 im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt und vor der zweiwöchigen Meisterschaftspause Sinn gemacht - und nicht drei Tage vor dem wegweisenden Spiel gegen den Tabellen-Zweitletzten Schalke.

Kein Schweizer mehr in der Bundesliga

Gross ist in Stuttgart der dritte entlassene Trainer seit dem Meistertitel der Schwaben 2007. Verwunderlich sind die Schwankungen, welche der Klub seit Jahren durchlebt. Meistertrainer Armin Veh wurde nicht einmal anderthalb Jahre nach dem Titel entlassen. Sein Nachfolger Markus Babbel führte die Mannschaft 2009 an die Spitze zurück, verpasste den Titel als Dritter nur knapp, wurde aber nur wenige Monate und eine schwache Vorrunde später ebenfalls beurlaubt. Nun ging es Christian Gross nicht besser: Auf das schnelle Hoch folgten der Absturz und die unumgängliche Freistellung.

Damit steht in der Bundesliga erstmals seit Mai 2005 kein einziger Schweizer Trainer mehr unter Vertrag. Damals unterschrieb Marcel Koller bei Bochum.

(sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi König am 13.10.2010 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Mut

    Das sie glücklich werde begehrt die Herde fragt nicht was fromm Mut, Mut sei Du nur gut Alles Gute für Ihre Zukunft Mit freundlichen Grüssen von Heidi König aus Stalden/O.W.

  • Thomas Loser am 13.10.2010 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Management ist lächerlich

    m.E. macht sich die Führungsetage des VfB auf ein weiteres Mal lächerlich. Bereits die Vorgänger von Gross waren und sind gute Trainer (Veh, Babbel). Man kann nicht Leistungsträger verlieren, schlechter Ersetzen und eine Top Tabellensituation erwarten. Die Verkäufe von Gomez und Khedira haben min. 40 Mil EUR eingebracht, doch Gross hatte kein Spielraum im Sommer. Bobic (unerfahrener Wanna-be-Manager) gab ein lächerliches Angebot von 3.5 Millionen für Mladen Petric. Hundt soll seinen Posten Räumen und Bobic gleich mitnehmen.

  • Tom Müller am 13.10.2010 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte sein...

    Freu mich schon auf: Gross zu YB->YB hat Erfolg -> Baslerfans: Auch nur weil er mal bei Basel war und für die FCB-Fans ein Basler ist. Wie der Erfolg der Nati (2. letzter Platz) auch nur Basel zu verdanken ist. Basel die ultimative Mannschaft im Uiversum. Ach sorry, ist ja YB, welche 4x Meister in Serie wurden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Renato am 13.10.2010 16:39 Report Diesen Beitrag melden

    Knausiger VfB

    Leider hat der VfB Stuttgart per Ende Saison einige "Typen" verloren und trotz Millionen in der Kasse seinen Kader nur mit Mitläufern aufgefüllt. Das ist die Quittung dafür! Leider kostet dieser Entscheid Chrigel Gross den Kopf. In der Regel bringt Geld Punkte, Ausnahme im Moment Schalke 04. Am kommenden Wochenende steht ja Schalke 04 gegen den VfB an, d.h. Vorletzter gegen Letzter in der Bundesliga. Wer hätte das zu Beginn der Saison erwartet!

  • Sepp Schmied am 13.10.2010 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wildhaus

    "Super" für die Schweiz! So kriegt die Nati einen Trainer der zu ihr passt!

  • Reto Haeberli am 13.10.2010 13:53 Report Diesen Beitrag melden

    Gross

    Gross hast einen grossen Fehler gemacht dass er nicht auf die jugend setzt sonder Altstars für viel Geld kauft. Das kann in der Buli nicht aufgehen, da man auch sieht dass der Grossteil der Vereine auf die Jugend setzt. Soll die CH ihn doch als Nationaltrainer einsetzen. Dann wird ein Frei mit 40 noch in der Nati spielen. Gut gemacht Stuttgart. Gross hat sich ausserdem nur in Basel was gerissen. In einer Top Liga wie D hat er nix zu suchen.

  • Powidl am 13.10.2010 13:39 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Problem...

    ...in Sion wird bald wieder eine Stelle frei! ;-)

  • Tom Müller am 13.10.2010 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte sein...

    Freu mich schon auf: Gross zu YB->YB hat Erfolg -> Baslerfans: Auch nur weil er mal bei Basel war und für die FCB-Fans ein Basler ist. Wie der Erfolg der Nati (2. letzter Platz) auch nur Basel zu verdanken ist. Basel die ultimative Mannschaft im Uiversum. Ach sorry, ist ja YB, welche 4x Meister in Serie wurden.