EM-Qualifikation

12. Oktober 2019 20:27; Akt: 13.10.2019 07:00 Print

Das Versagen der Schweizer

Die Nationalmannschaft vergibt grosse Chancen und dafür bestraft: Nach dem 0:1 in Dänemark gerät sie in der EM-Qualifikation enorm unter Druck.

Dänemark trifft spät und gewinnt. (Video: SRF)
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Ein Unentschieden war das Minimum, das die Schweizer in Dänemark erreichen mussten. 0:0 stand es nach 83 Minuten in ihrem fünften EM-Qualifikationsspiel - Ziel erreicht also, bis dahin. Aber dann kam die 84. Minute, das Vorpreschen von Nico Elvedi, das zögerliche Intervenieren von Kevin Mbabu, die schwache Intervention von Fabian Schär - und darum war es so weit: Christian Eriksen legte den Ball elegant in den Lauf von Yussuf Poulsen, und der liess sich die Chance nicht entgegen und schoss Dänemark zum 1:0. Und zum Sieg.

Man müsse 90, vielleicht 95 Minuten konzentriert sein, hatte Vladimir Petkovic am Vortag noch gesagt, der Coach der Schweiz tat das mit gutem Grund. Seine Mannschaft hat seit geraumer Zeit die schlechte Angewohnheit entwickelt, gegen Spielende die Konzentration zu verlieren und entscheidend nachzulassen. Gegen Dänemark hatte sie im März in den letzten Minuten einen 3:0-Vorsprung verspielt, und wäre das Spiel noch zwei Minuten länger gegangen, hätte sie wohl nicht einmal das 3:3 über die Zeit gebracht. Im Halbfinal der Nations League verlor man gegen Portugal nach Toren von Cristiano Ronaldo in der 88. und 90. Minute noch 1:3. Und schliesslich im September in Irland: Da ging sie in der 75. Minute in Führung, doch in der 85. Minute liess sie den Ausgleich zum 1:1 zu.

Noch stärker war nur Schmeichel

Nun also in Kopenhagen, im ausverkauften Parken: Die Schweizer waren sehr solid gestartet, sie kontrollierten das Spiel gegen einen Gastgeber, der erstaunlich schwach war. Nach einer Viertelstunde schoss Granit Xhaka aus 20 Metern, doch Kasper Schmeichel lenkte den Schuss brillant an die Latte. Knapp zwanzig Minuten später: Elvedi spielte den Ball in die Tiefe, Admir Mehmedi nahm das Zuspiel volley ab, es war eine starke Aktion, aber noch stärker war die Parade von Schmeichel, dem Sohn des grossen Peter.


Schmeichel hält die Dänen mit seinen Paraden lange im Spiel (Video: SRF)

Das 0:0 zur Pause war grosser Lohn für die Dänen, und die Schweizer blieben dominant zu Beginn der zweiten Halbzeit. Ricardo Rodriguez schlug einen 60-m-Pass, wieder war es Mehmedi, der davon profitieren konnte. Doch wie schon in der ersten Halbzeit gelang ihm der erfolgreiche Abschluss nicht. Diesmal schoss er übers Tor. Und nur drei Minuten später, in der 51., scheiterte auch Rodriguez mit seinem Distanzschuss am dänischen Goalie Schmeichel.

Poulsen, der Zopfträger aus Leipzig

Mit dieser Szene kam der Bruch, die Schweizer liessen nach und verloren mehr und mehr die Kontrolle über das Spiel. Die Dänen dagegen steigerten sich und kamen zu ersten halbwegs gefährlichen Aktionen. Das hiess noch nicht, dass Yann Sommer ernsthaft bedrängt gewesen wäre, aber es war schliesslich wie so oft: Wer seine Chance vergibt, wird dafür bestraft. Poulsen, der Zopfträger aus Leipzig, bestrafte die defensiven Nachlässigkeiten der Schweizer. Er hatte das kalte Blut, das ihnen gefehlt hatte - wieder einmal.

Erneut ein spätes Gegentor

Die Schweizer haben von den letzten sechs Spielen noch eines gewonnen, letzten Monat gegen die Fussball-Exoten aus Gibraltar. Die Konsequenz daraus heisst: Sie liegen in der Gruppe D nun vier Punkte hinter Irland und Dänemark, wenigstens bei einem Spiel weniger. Doch wenn sie am Dienstag in Genf auf Irland treffen, sind sie unter Druck wie lange nicht mehr. Dann kommt nur der Sieg in Frage, egal wie. Sonst müssen sie sich eher mit dem Gedanken befassen, nächsten Sommer an irgendeinem Strand zu verbringen statt an der EM.

Dänemark - Schweiz 1:0 (0:0)

Parken, Kopenhagen. - 35'964 Zuschauer.

SR Kulbakow (BLR).

Tor: 85. Poulsen (Eriksen) 1:0.

Dänemark: Schmeichel; Dalsgaard, Christensen (87. Mathias Jörgensen), Kjaer, Stryger Larsen (80. Ankersen); Schöne (65. Höjbjerg), Delaney, Eriksen; Poulsen, Cornelius, Braithwaite.

Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Akanji; Xhaka; Lichtsteiner (68. Mbabu), Zakaria, Mehmedi (83. Freuler), Rodriguez (87. Drmic); Embolo, Seferovic.

Bemerkungen: Dänemark ohne Wind (verletzt), Schweiz ohne Shaqiri und Zuber (beide verletzt). 14. Schmeichel lenkt Schuss von Xhaka an die Latte. 51. Schmeichel lenkt Schuss von Rodriguez an die Latte.

Verwarnungen: 2. Lichtsteiner (Foul). 6. Poulsen (Foul). 36. Zakaria (Foul). 76. Rodriguez (Foul). 92. Dalsgaard (Foul).

Fussball

(ths)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J.P. am 12.10.2019 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fachkompetenz

    Hier mal ein paar Fakten zur "Schweizer" Nati": 1. Doppeladler Affäre 2. Polemik um den Captain Bändel 3. Der selbstherrliche Trainer 4. Katastrophale Kommunikation und Handlungsweise von Trainer und SFV 5. Jahrelang diverse Bankdrücker als Stammspieler 6. Das Ignorieren oder Fallenlassen fähiger junger Schweizer (v.a. Stürmer) 7. Immer wieder nicht nachvollziehbare Wechsel bzw. Nicht-Wechsel in wichtigen Spielen 8. Absolut kein Einfluss des Trainers während des Spiels bei stärker werdendem Gegner (Sprache? Taktische Massnahmen?) Sind eigentlich beim SFV alle blind? Kompetenz sieht anders aus!

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  • Der Gebieter am 12.10.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    g wie gurke

    Die schwizer nati schaue ich schon lange nicht mehr.. da schaue ich lieber einer gurke beim wachsen zu ist genau so intressant

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  • Erich am 12.10.2019 22:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trainer und Spieler

    Ganz kurz und bündig. Fauler Haufen, welche nicht die Hymne mitsingen, hier fängt Motivation an. Ihr habt verdient verloren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • K.H am 15.10.2019 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bildungslücke dank Zürcher Schulen

    Würde ich auch nicht, ich kenn die nicht mal. In der Schule mussten wir nur dauernd Killing me softly und Let it be singen.

  • Seal am 14.10.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EM Quali

    Die Schweiz wird sich 100% qualifizieren.

  • Roth Esther am 14.10.2019 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    EM

    Die überbezahlten Stars kommen nach der Halbzeit an ihre Grenzen. Die gegnerischen Coaches und Spieler haben dieses Manko schon längst eruiert und machen mit spektakulären Spielzügen und Paraden von sich reden! Ein Trainerwechsel scheimt unumgänglich...!!!

    • KvB am 14.10.2019 22:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Roth Esther

      Tatsache ist, dass dies bei den Gegnern bereits einkalkuliert ist und zur Taktik gehört, am Ende bei knappem Resultat nochmals richtig aufzudrehen. Nur die Schweizer merken das nicht und schlafen, oder es fehlt am IQ. So spielen nicht mal Junioren am Ende eines Spiels. Das kann es einfach nicht sein.

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  • Der Deutsche am 14.10.2019 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tzzz...

    Nur mal so ne frage von nem deutschen, wie ist das mit der Hymne über dir ihr euch so aufregt? Wenn alle mit singen würden, wär das nicht verwirrend für die Spieler wenn es dann in 3bis4 Sprachen gesungen wird? Also ich würde dann auch nicht singen ich würde da jedes Mal irritiert werden von der anderen Sprache!!! Und ganz ehrlich ein wahrer Fan steht auch zur seiner Mannschaft wenn sieh grad in einem Tief stecken! Oder verlassen euch eure Freunde und Partner auch wenn es mal bei euch nicht so gut läuft?

    • Tell am 14.10.2019 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Der Deutsche

      Gut gesagt! Aber ich bin trotzdem nicht Fan von dieser Mannschaft! Die haben keine Ehre und Stolz in den Knochen!

    • K.H am 15.10.2019 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Singen tut eh keiner

      Wenn ich bei der WM so manche Teams anschaue. Auch die Brasilianer, Spanier, Franzosen und Deutschen singen grösstenteils nicht mit. Einige bewegen den Mund, aber das war es dann auch schon.

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  • KvB am 14.10.2019 01:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Huggel bitte mal objektiv......

    ....urteilen.Sprechen Sie doch mal Klartext. Es war ein Gekicke. Ballbesitz nützt gar nichts, wenn alles zu langsam geht. Gewisse Spieler können das Spiel gar nicht lesen. Lichti bringt nichts mit seinem Gebell. Auch Coaches haben wir eindeutig bessere in der Schweiz. Einfach aufräumen.