Drohende Abgänge

17. Dezember 2008 16:14; Akt: 17.12.2008 16:41 Print

Das FCZ-Transferbarometer

von Herbie Egli - In halb Europa werden aus der Schweiz vor allem die Spieler des FC Zürich gejagt. Kann und will der Stadtclub die Spieler halten, muss er jetzt investieren. 20 Minuten Online erstellt ein Transferbarometer und misst die Fieberkurve.

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Der FC Zürich steht in dieser Winterpause am Scheideweg. Eine Situation wie vor 18 Monaten, als viele Stars und auch der Trainerstab das Weite suchte. Das könnte Canepa, Bickel und ihren Mitstreitern erneut blühen. FCZ-Präsident Ancillo Canepa sagte kürzlich in einem Interview mit 20 Minuten: «Wir verfolgen die gleiche Strategie wie vor zwei Jahren. Wir können wieder Meister werden und werden ohne zwingenden Grund in der Winterpause keine Teamstützen abgeben.»

20 Minuten Online hat die Situation etwas genauer unter die Lupe genommen und erklärt, wie gross die Wahrscheinlichkeit ist, dass nun wieder einige FCZ-Stars das Team verlassen.

Alexandre Alphonse
Der Franzose, den Fredy Bickel in der Challenge League entdeckte, stand schon im Sommer in einigen Notizbüchern französischer Profivereine. In den letzten Wochen stieg einerseits sein Marktwert deutlich an, andererseits stieg aber auch die Zahl der Angebote aus der Ligue 1. Das Rennen um Alphonse dürfte für den FCZ sehr lukrativ werden, denn bei vielen Interessenten steigt automatisch auch der Preis. Aber: Im kommenden Sommer ist Alphonse trotz laufendem Vertrag wieder günstiger zu haben.
Prognose: Beim FCZ ist die Schmerzgrenze bald einmal erreicht und durch die Rückkehr von Chikhaoui und dem Drang von Adrian Nikci nach einem Platz in der Startelf könnte der FCZ den Abgang verkraften. Ein Abschied von Alphonse ist sehr wahrscheinlich.

Eric Hassli
Auf der Ersatzbank in Valenciennes ging Hassli vergessen, doch mit ansteigender Form ist auch der zweite Franzose aus dem Zürcher Sturm wieder sehr interessant. In Frankreich spielen viele Teams inzwischen mit nur einer Spitze und suchen dafür grosse, bullige Spieler – so wie Eric Hassli einer ist. Aber: Eric Hassli hat einen Wandel hinter sich und musste beim FCZ anfänglich durch die Hölle. Wenn er clever ist, weiss er es zu schätzen, was er am FCZ hat und erinnert sich kurz daran, wie ungemütlich es auch in den Jahren zuvor war.
Prognose: Für Hassli gibt es zahlungskräftige Interessenten, aber ein Wechsel wäre ein Fehler aus Sicht des Spielers. Daher wird der FCZ kaum in die Situation kommen, ernsthafte Transfergespräche führen zu müssen.

Almen Abdi
Er ist der Diamant in der Zürcher Schatztruhe, doch schon vor einem Monat schloss Abdi in einem 20 Minuten-Online-Interview kategorisch aus, den Verein im Winter zu verlassen. Im Sommer wäre Abdi dann gar ablösefrei. So gesehen bleibt Abdi aus finanziellen Gründen im Letzigrund, denn im Sommer kann er eine hohe Unterschriftsprämie kassieren, die ein Verein bei einem Wintertransfer als Ablöse zahlen müsste. Aber: Der FCZ geht als Abdis Juniorenclub trotzdem nicht komplett leer aus und partizipiert auch an späteren Transfers noch mit.
Prognose: Abdi versprach bereits, bis zum Sommer zu bleiben, das Thema ist vom Tisch.

Florian Stahel
Aus dem schlaksigen Nachwuchsspieler wurde ein polyvalenter Verantwortungsträger mit eingebauter Torgefahr. Trotz seiner jungen Jahre hat Stahel auf verschiedenen Positionen inzwischen Erfahrung sammeln können und stellte seine Stärken auf hohem Niveau und verschiedenen Positionen unter Beweis. Noch wäre er als Sonderangebot zu haben, doch der Blondschopf selbst sieht kaum einen Grund für einen Wechsel. Es geht ihm gut beim FCZ und er liebt Zürich mit seinem Umfeld. Gut für den Club.
Prognose: Stahel wird erst im Sommer so richtig gejagt werden – und der FCZ muss sich erneut eine gute Einnahme ans Bein streichen, weil auch er wie Abdi nahezu gratis gehen kann.

Yassine Chikhaoui
Der Tunesier ist noch immer auf dem Weg zurück ins Team, doch der Heilungsprozess dauerte länger als erwartet. Für Topclubs ein Risiko. Dennoch braucht Chikhaoui eine gewisse Nestwärme und seine Freiheiten. Auch einmal ein Tor nach dem Training zu versorgen: Undenkbar für den Zauberkünstler. Das sorgt für Spannungen auch innerhalb des Teams.
Prognose: Kommt im Sommer ein lukratives Angebot, kleben ihm die Mitspieler eigenhändig die Briefmarke auf die Stirn. Weg per A-Post!

Johnny Léoni
Für den sachlich unspektakulären Walliser gibt es inzwischen auch erste Interessenten aus Italien, doch Spitzenteams sind da nicht dabei. Sollte ein Vereinswechsel anstehen wird es jedoch richtig kompliziert, denn nach wie vor hat der FCZ die vom internationalen Sportgerichtshof festgesetzte Ablösesumme an Léonis Ausbildungsclub FC Sion nicht bezahlt. Eine gute Ablösesumme bei einem Wechsel würde automatisch Christian Constantin wieder auf den Plan rufen. Es drohen weitreichende Komplikationen bis hin zur einstweiligen Verfügung.
Prognose: Léoni geht erst, wenn es sich wirklich verbessern kann, doch dann hat der FCZ böse administrative Sorgen.

Fazit: Den Abgang von Alphonse wird der FCZ verkraften können, doch den Rest des Teams möchte man behalten, um im Sommer einmal mehr den Meisterbecher in die Höhe stemmen zu können.