Historischer Erfolg

28. März 2011 11:51; Akt: 28.03.2011 16:08 Print

Das Gegenteil von Frei und Co.

von Reto Fehr - Kennen Sie Jerome Ramatlhakwana? Vermutlich nicht. Aber die Schweizer Nati könnte einen Stürmer wie ihn mehr als gebrauchen.

Ottmar Hitzfeld zu den Ladehemmungen bei der Nati.
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Es ist spätestens seit der WM 2010 das grosse Thema der Schweizer Nati: Die Tore wollen einfach nicht mehr fallen. Ein Grund dafür, sind die Stürmer, welche im Nati-Dress nicht ihre Leistungen aus dem Klub erreichen. «Wir brauchen eine rigorosere Chancenauswertung», weiss Hitzfeld und spielt damit auf die Quote von Frei und Co. an.

Diese fehlende Kaltblütigkeit ist jedoch nur ein Nati-Problem. Alex Frei ist auf bestem Weg den FC Basel mit bisher 16 Saisontreffern in 24 Spielen zum Meistertitel zu ballern. Er sagt über sich selber: «Bei Basel hätte ich meine Chance in der ersten Halbzeit gemacht.» In der Nati traf er in einem wichtigen Spiel letztmals im September 2009 beim 2:2 in Lettland. Seit derselben Partie wartet Eren Derdiyok im roten Leibchen auf ein Erfolgserlebnis. Bei Bayer Leverkusen dagegen traf er in den letzten vier Spielen vor Bulgarien zweimal und gab einen Assist. Auch Marco Streller läufts in der Nati nicht wie im Klub. Gegen Wales schoss er zuletzt wohl das entscheidende 2:1 (Endstand 4:1), sein zweitletzter Treffer datiert vom Oktober 2007. Bei Basel jubelte der Schlacks in 17 Meisterschaftspartien in dieser Saison neunmal. Und zum Schluss noch Mario Gavranovic. Der Aufsteiger traf beim Cup-Debüt mit Schalke und schoss bei der Champions-League-Premiere gegen Valencia ein Tor. Und beim ersten Auftritt mit der Nati? Kein Treffer.

Jerome Ramatlhakwana: Sechs Spiele, fünf Tore

Im Klub top – in der Nationalmannschaft flop. Das gilt für die Schweizer Stürmer genauso wie auch für Mittelfeldspieler Gökhan Inler oder Pirmin Schwegler. Wie es anders geht, beweist Jerome Ramatlhakwana. Er schoss Botswana mit dem 1:0 gegen den Tschad erstmals an den Afrika-Cup. Nie zuvor qualifizierten sich die «Zebras» für das Pendant der Europameisterschaft. Jetzt stehen sie schon zwei Spieltage vor Schluss mit 16 Punkten aus sechs Partien als Gruppensieger fest.

Sieben Treffer hat die Mannschaft in der aktuellen Qualifikation erzielt – fünf davon durch Ramatlhakwana. Der 25-Jährige traf zweimal bei den beiden 1:0-Siegen gegen Favorit Tunesien, schoss den 2:1-Siegtreffer gegen Togo, brachte Botswana beim 1:1 in Malawi zwischenzeitlich 1:0 in Führung und schoss am Samstag den Tschad ab. Fünf Tore in sechs Partien – und jedes war matchentscheidend. So ein Spieler fehlt der Schweiz.

Falsches Geburtsdatum verhindert Einsätze

Dabei läuft es dem Torschützenleader der Qualifikation auf Klubebene überhaupt nicht. Im Sommer 2008 wechselte er zum Santos FC in Kapstadt, wo er sich nicht durchsetzen konnte und im Januar 2011 zu Stadtrivale Vasco da Gama abgeschoben wurde. Dort kam er allerdings bei bisher 13 ausgetragenen Partien noch nie zum Einsatz. Der Grund dafür ist kurios: Ramatlhakwana erhielt die Arbeitsbewilligung nicht. Da sein Pass im März ablief, musste er beim Wechsel ein neues Dokument bestellen. Als er diesen in Botswanas Hauptstadt Gaborone endlich bekam, bemerkte der Angreifer, dass die Beamten sein Geburtsdatum falsch eingetragen hatten. So geht das Warten weiter. Seit acht Monaten ist der Superstar Botswanas jetzt ohne Matchpraxis auf Klubebene. Vielleicht trumpft Ramatlhakwana dann im Januar 2012 beim Afrika-Cup in Gabun und Äquatorialguinea gross auf.