14 Spiele, 14 Geschichten

19. November 2018 15:06; Akt: 19.11.2018 15:06 Print

Das war das komplizierte Länderspieljahr 2018

Das Länderspieljahr 2018 war eines mit Höhen und Tiefen – und einem dunklen WM-Sommer. Die 14 Partien der Nati in Bildern.

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23. März 2018: Griechenland – Schweiz 0:1 Das WM-Jahr 2018 beginnt für die Nati mit einer Trainingswoche unter griechischer Sonne. Trainer Vladimir Petkovic will Neues ausprobieren und den Teamspirit pflegen. Der Tessiner sagt: «Es geht darum, die Mannschaft weiterzuentwickeln. Denn wenn der Zusammenhalt stimmt, ist es auch einfacher, in den anderen Bereichen vorwärtszukommen.» In Athen testet Petkovic erstmals die Dreier-Abwehrkette. Im Freundschaftsspiel gegen die Equipe von Michael Skibbe (inzwischen entlassen) fiel der Siegtreffer in der 59. Minute. Der steil geschickte Haris Seferovic flankte ins Zentrum, wo Blerim Dzemaili sehenswert traf. Dimitri Oberlin gab sein Nati-Debüt. 27. März 2018: Schweiz – Panama 6:0 Endlich fallen Tore. Für Granit Xhaka war der hohe Sieg ein Signal zur richtigen Zeit, um für Kommendes Euphorie zu entfachen. Die Tore in der Swissporarena in Luzern erzielen Blerim Dzemaili, Granit Xhaka, Breel Embolo, Steven Zuber, Mario Gavranovic und Fabian Frei. Vor allem die Offensive überzeugt gegen Panama. Sie zeigt, dass sie nicht viele Chancen braucht, um viele Tore zu schiessen. Das hat den Fans und auch dem Chef gefallen. 3. Juni 2018: Spanien – Schweiz 1:1 Die WM naht in Riesenschritten. Vor der Abreise nach Russland misst sich die Nati noch in Villarreal mit einem Favoriten auf den Titel und zeigt einen beherzten, vielversprechenden Auftritt. Ein 1:1 gegen Spanien darf durchaus als schöner Erfolg gewertet werden. In der 62. Minute liegt der Ball plötzlich im Tor hinter Goalie David De Gea. Der Spanier wehrt Captain Lichtsteiners Schuss nur ungenügend ab. Ricardo Rodriguez drückt den Ball zum Ausgleich über die Torlinie. 8. Juni 2018: Schweiz – Japan 2:0 Die Schweiz gewinnt das letzte Testspiel vor der WM in Lugano gegen Japan ohne grössere Probleme. Die Torschützen sind Ricardo Rodriguez (42.) – wie schon wenige Tage zuvor in Spanien – und Haris Seferovic (82.). Die vielleicht beste Nachricht des Abends ist für Vladimir Petkovic und die Schweiz die Rückkehr von Regisseur Granit Xhaka, der sich zu Beginn der Vorbereitung auf die WM in Lugano im Zweikampf mit Valon Behrami am Knie verletzte und für viel Aufregung sorgte. Nach einem freien Wochenende fliegt die Nati nach Russland. Mit an Bord: hohe Erwartungen. 17. Juni 2018: Brasilien – Schweiz 1:1 Gleich zum Start in die WM-Gruppenphase muss die Nati gegen Brasilien ran. Und die Schweiz knöpft dem fünffachen Weltmeister zum Einstand einen Punkt ab. Die Seleçao geht in Rostow am Don durch Coutinho (20.) in Führung. Steven Zuber (50.) gleicht zum 1:1 aus. Auffallend: Die Weltklasseparaden von Yann Sommer. Auf der ganzen Welt erwähnt: Wie Valon Behrami Neymar zusetzte. Mit seiner Härte, mit seiner Kampfkraft. Was Behrami zusetzte? Die oscarreife Theatralik des Superstars. Behrami: «Er mag es, zu zeigen, dass er berührt worden ist. Wenn du ihn nur ein wenig berührst, dann lässt er es aussehen, als ob es viel schlimmer gewesen wäre.» 22. Juni 2018: Serbien – Schweiz 1:2 Ein Spiel, das noch lange beschäftigen wird. Die Partie gegen Serbien birgt politische Brisanz. Der SFV meidet aber vorab jegliche Kommentare, würgt heikle Themen ab. Ebenso Trainer Vladimir Petkovic. Das Team weiss, welche Emotionen der Match für die Spieler mit kosovarischem Hintergrund bietet. Nicht nur, weil Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri im Vorfeld via soziale Medien bedroht werden. Und dann liegt die Schweiz in Kaliningrad auch noch zur Pause 0:1 zurück. Das WM-Aus droht. Mit Moral, Charakter und Toren von Xhaka (53.) und Shaqiri (90.) dreht man das Spiel in Kaliningrad. Der Doppeladler-Jubel der Schweizer löst wochenlange Diskussionen aus und führt zum Rücktritt von Generalsekretär Alex Miescher. Ausserdem beauftragt der SFV Bernhard Heusler, den Verband zu durchleuchten. 27. Juni 2018: Schweiz – Costa Rica 2:2 Die Schweiz steht trotz schwacher Leistung im letzten Gruppenspiel wie schon 1994, 2006 und 2014 im WM-Achtelfinal: Gegen Costa Rica verspielt sie zweimal eine Führung - zuletzt in der Nachspielzeit. Doch das 2:2 reicht zum Erreichen des WM-Minimalziels. Die Tore in Nischni Nowgorod schiessen Blerim Dzemaili (31.) und Josip Drmic (87.) Die Nati steht während des letzten Spiels permanent neben sich. Der Gegner im Achtelfinal in St. Petersburg heisst Schweden. Die Erwartungshaltung, endlich den Achtelfinal-Fluch zu besiegen, ist unendlich gross. 3. Juli 2018: Schweden – Schweiz 1:0 Die Meinungen sind schnell gemacht: Schweden ist ein inferiorer Gegner, die Tür ist offen für den Viertelfinal, vielleicht reichts es sogar in den Halbfinal, für manche noch weiter. «Bis in den Final warten weder Frankreich noch Argentinien, Brasilien, Deutschland, Spanien oder Belgien», schrieb der «Blick» optimistisch. In einem enttäuschenden Auftritt, den die Nati 0:1 verliert, lassen die Schweizer alles vermissen, was sie auszeichnet: Feuer, Tempo und Leidenschaft. Die WM ist unter dem Strich eine Enttäuschung. Einer lässt sich nicht unterkriegen. «Wir werden uns weiterentwickeln, und dann versuchen wir es in zwei Jahren wieder», so Xherdan Shaqiri. 8. September 2018: Schweiz – Island 6:0 Der erste Zusammenzug nach der WM steht im Zeichen von Entschuldigung und Versöhnung. In Feusisberg rückt eine verunsicherte und von aussen angezählte Mannschaft ein, hält Krisensitzungen ab, nimmt geschlossen an einer Medienrunde teil, gelobt nach Doppeladler- und Doppelbürger-Diskussionen Besserung – und fegt zum Auftakt in der Nations League Island mit 6:0 aus dem St. Galler Kybunpark. Zuber (13.), Zakaria (23.), Shaqiri (53.), Seferovic (67.), Ajeti (71.) und Mehmedi (82.) sorgen für einen perfekten ersten Schritt zur Versöhnung. Ausserdem: Granit Xhaka führt die Nati erstmals in einem Pflichtspiel als Captain an. 11. September 2018: England – Schweiz 1:0 Es ist nur ein Test, aber die Nati lässt in England die Chance auf ein historisches Resultat liegen. Sie verpasst es, der 6:0-Gala gegen Island ein weiteres Ausrufezeichen folgen zu lassen. Aber die Schweizer nehmen aus dem 0:1 in Leicester viel Positives mit. Es ist ein Überraschungspaket, das Vladimir Petkovic aufs Feld stellt. Der Nati-Trainer setzt auf drei Innenverteidiger und auf ein Fünfermittelfeld. Es ist das Zeichen an sein Team, dass es sich trauen soll, auswärts beim WM-Vierten das Spieldiktat zu übernehmen. Und das tun die Schweizer – auch wenn sie ein historisches Resultat nach einer kleinen Unachtsamkeit bei einem Standard liegen lassen. 12. Oktober 2018: Belgien – Schweiz 2:1 Die Schweiz verliert gegen die Nummer 1 der Welt 1:2. Vielmehr verliert die Schweiz gegen Romelu Lukaku. Der Weltklassestürmer im Kleiderschrank-Format (1,90 m und 94 kg) erzielt beide Treffer der Belgier in Brüssel. Aber Belgien gewinnt nicht, weil es viel mehr investiert, sondern weil es Stars in den Reihen hat, die jederzeit für den Unterschied sorgen können. Petkovic, der wieder mit einer Dreierkette in der Abwehr spielen lässt, ist nach dem Spiel mit dem Resultat nicht glücklich, mit der Leistung aber auch nicht unzufrieden. «Belgien ist die bessere Mannschaft. Wir müssen versuchen, etwas zu provozieren, den Sieg irgendwie zu stehlen», sagt er zu einem Final im November. 15. Oktober 2018: Island – Schweiz 1:2 Vom sommerlichen Brüssel ins eiskalte Reykjavik oder von der Weltnummer 1 zur 36. Der Schweiz bietet sich im Oktober ein Kontrastprogramm – und sie bietet ein ebensolches. Während sie gegen Belgien eine starke Leistung zeigt, aber verliert, zieht sie in Island eine schwache 1. Halbzeit ein und zittert sich schlussendlich dank Yvon Mvogo zum 2:1. Der Leipzig-Goalie feiert in Reykjavik sein Debüt und eine starke Leistung. Die Nati geht durch Seferovic (52.) in Führung. Lang (67.) erhöht auf 2:0. Finnbogason (81.) verkürzt und plötzlich ist Island wieder da. Aber Mvogo hält die 3 Punkte und ein Finalspiel gegen Belgien fest. 14. November 2018: Schweiz – Katar 0:1 «Es braucht keine grosse Analyse», sagt Petkovic nach der Pleite gegen Katar, «man musste nach dem Spiel nur in die Gesichter der Spieler schauen.» Für das Testspiel in Lugano vor 4170 Zuschauern – so wenig wie seit 2004 nie mehr - schickt der Nati-Coach eine B-Elf auf den miserablen Cornaredo-Rasen. Und scheitert. Damit hat auch Petkovic einen Tolggen im Reinheft. Wie Rolf Fringer und Ottmar Hitzfeld. Fringer verliert 1996 in Aserbeidschan (0:1). Hitzfelds Elf blamiert sich 2008 gegen Luxemburg (1:2). Es ist ein fulminanter Schlusspunkt: Die Schweizer fertigt die Weltnummer 1 Belgien 5:2 ab und holt sich das Ticket für das Final-Four-Turnier der Nations League. Die grosse Figur beim Spektakelsieg in Luzern: Stürmer Haris Seferovic. Der 26-Jährige erzielt drei Tore. Vor einem Jahr in der Barrage gegen Nordirland noch ausgepfiffen, ist er in Luzern der gefeierte Held. Nach 59 Länderspielen hat der Mann aus Sursee nunmehr 17 Treffer für die Schweiz erzielt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • A.K am 19.11.2018 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hut ab

    Alles in einem Hut ab vor der Mannschaft die immer mit Leidenschaft spielt und immer wieder zeigt was für ein Geist sie hat. Um ein Belgien 5:2 abzufertigen braucht man Qualität. An der EM 2020 wird die Schweiz zeigen können was in ihr drinsteckt! Hopp Schwiz!!

    einklappen einklappen
  • H.P. Liebling am 19.11.2018 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Leute, welche...

    ...noch immer über den Doppeladler labern, zeigen mir nur ihre Ignoranz und Ewiggestrigkeit gegenüber unserer Nati auf. GRANDE NATI!

  • Ueli Tüschert am 19.11.2018 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    Hopp Schiiiiiz

    Jetzt mal doppelkopf adler hin oder her wie schon beim spiel gegen serbien haben sich die spieler auch diesmal ihre fehler vom katar spiel wet gemacht !!! Und sich anders bewiessen und revanchiert hut ab leute man sollte als fan auch mal bei guten leistungen verzeihen können sie leisten für unsere nati sehr viel.. von mir aus zeigt den adler und spielt dann so wie gegen serbien und belgien

Die neusten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 19.11.2018 19:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Als nächstes kommt YB

    Es war ein gutes Jahr. Jetzt muss es so weiter gehen. Als nächstes wird YB nochmals für Furore sorgen. 6 Punkte in der CL holen und dann die EL gewinnen. YB Meister YB!

  • Schweizer am 19.11.2018 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist auch

    das Jahr nach den unseligen Handgesten, die von Schweizern nicht goutiert werden. Aber schon ´18 kommts wieder hervor.

  • Peter am 19.11.2018 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Top oder Flop

    Die Konstanz könnte besser sein. Aber das passt schon, die Mannschaft ist noch relativ jung und wird sich noch festigen. Sie hat allerdings auch einen schweren Stand. So viele Leute reden immer noch vom Doppeladler...typische Bünzlis halt

  • Thomas am 19.11.2018 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppeladler Fan

    Ich bewundere die Doppeladler und ihren nationalstolz! Hätten wir schweizer auch so einen Nationalstolt wie die Doppeladler, dann würde es uns besser gehen...

  • Bari am 19.11.2018 17:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht schlecht

    Am meisten rege ich mich über Schaqiri auf. Der meint, wen Er mal einen Pass gibt der zum Tor führ, er sei der grösste. Hätte bei mir nur eine Note 4 gekriegt.