Neuer Campus

27. Juni 2011 11:49; Akt: 27.06.2011 12:32 Print

Der FC Basel baut seine Talent-Schmiede aus

von Eva Tedesco - Will ein kleines Fussballland wie die Schweiz erfolgreich sein, muss es bei der Förderung der Junioren ansetzen. Der FCB investiert bereits heute Millionen in den Nachwuchs – und legt nach.

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So soll der Campus des FC Basel ab 2013 aussehen. (Bild: Infobroschüre von fcb.ch)

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Schweizer Vereine setzen kontinuierlich auf eigene Talente. Mit Erfolg. Die U21-Nati ist der Beweis für die gute Basisarbeit. Coach Pierluigi Tami konnte an der Europameisterschaft in Dänemark aus dem Vollen schöpfen. Der Tessiner hatte alle Positionen doppelt besetzt. Die Qualität des Kaders war auf hohem Niveau und Tami hatte sogar die Qual der Wahl, wenn es jeweils um eine Startelf ging. Für den U21-Naticoach ist das ein Zeichen dafür, dass die Nachwuchsarbeit in der Schweiz nun Früchte trägt. Die Lorbeeren kann sich der Verband nicht allein anheften. Tami: «Der Verband hat ein Projekt, eine Idee. Aber auch die Vereine wie Basel, Zürich, YB und GC machen eine gute Arbeit. Alle Super Ligisten machen das. Die gute Zusammenarbeit zwischen Verband und Vereinen macht die Mischung aus und die heutigen Resultate möglich.»

Nach den Grasshoppers (GC-Campus) und der FCZ-Academy, die sich die Zürcher jährlich rund 3 Millionen Franken kosten lassen, investiert nun auch der FC Basel noch gezielter und noch mehr in den Nachwuchs, obwohl die Produktion an eigenen Profis in der Talentschmiede FCB wie geschmiert läuft. Seit Jahren geht in Basel regelmässig ein Stern- oder Sternchen auf und ein FCB-Shootingstars kommt gross raus. So auch zuletzt mit Yann Sommer, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. Das Reservoir an Talenten scheint in Basel nie zu versiegen.

Vom Traum der Präsidentin zur Realität

Für das Auffüllen des Reservoirs tut Rotblau aber auch einiges. Der FCB setzt bewusst auf den Nachwuchs und legt grossen Wert auf die Ausbildung und Entwicklung seiner Talente. Seit Jahren spielte FCB-Präsidentin Gigi Oeri mit dem Gedanken, einen eigenen Nachwuchs-Campus zu bauen. An internationalen Spielen interessierte sich Oeri deshalb jeweils dafür, wie zum Beispiel renommierte Vereine wie Manchester United, Liverpool, Juventus Turin, Bayern München und Barcelona ihre Jungen ausbilden. Eindruck hat der Basler Präsidentin vor allem «La Masia», die Traumfabrik der Katalanen, gemacht. Oeri kam zum Schluss, dass der FCB einen Campus braucht.

Im August erfolgt nun der Spatenstich in der Brüglinger Ebene. 2013 soll der Campus fertig sein. Neben einem zentralen Gebäude umfasst das Projekt vier Rasenplätze und einen Kunstrasenplatz. Die Ausbildung und Talentförderung wird nach den Richtlinien des SFV ausgeführt. Fachpersonal wird die Junioren sportlich, schulisch und medizinisch betreuen. Der FCB legt aber auch Wert auf die persönliche Betreuung der künftigen Profis - ein Weg, den auch der SFV mit dem Mandat für U17-Europameister-Trainer Markus Frei geht. Das Bauvorhaben soll Schätzungen nach zwischen 15 und 20 Millionen Franken umfassen. Dafür hat Gigi Oeri eigens eine Stiftung ins Leben gerufen, deren Präsidentin sie auch ist.

Trainer Fink will Nachhaltiges schaffen

In Trainer Thorsten Fink hat die Präsidentin einen Verbündeten gefunden, dem sehr an der Mitarbeit an diesem Projekt gelegen ist und gewillt ist, ein Fussball-Konzept zu erarbeiten, das über Jahre hinaus Bestand hat. Fink will den Verein mitprägen und Nachhaltiges schaffen. Dafür hat er zusammen mit U21-Trainer Patrick Rahmen, Carlos Bernegger (Chef Formation U21 bis U16) und Nachwuchschef Michel Kohler schriftlich festgehalten, was die Philosophie des Vereins umfasst und wie man diese bis runter in die U16 umsetzen kann. Und die wie Fink sagt, «auch ohne mich Bestand hat, wenn ich einmal nicht mehr Trainer beim FC Basel bin.» Das Konzept beinhaltet Trainingsinhalte, Systemfragen, technische und taktische Basisinhalte, aber auch die Aussendarstellung des Vereins und wie man sich als FCB-Angestellter oder Mitglied zu verhalten hat. «Die Jugendarbeit ist hervorragend», lobt der Deutsche, «aber man kann immer noch mehr verbessern.»

Investition in die Zukunft

Die Jugendlichen werden beim FCB von sieben bis 20 Uhr betreut. Der Tag unterliegt einer genauen Planung. Nur Schule und Übernachtung sind extern angesiedelt. Als Wohnheim hat man eigens ein vierstöckiges Haus in der Nähe des St.-Jakob-Parks angemietet. Den Plan eines Internates wie es GC und auch der SC Freiburg, dessen Nachwuchsabteilung als nächstes Vorbild herangezogen worden war, betreiben, haben Gigi Oeri und die Stiftungsmitglieder wieder verworfen. Der Unterhalt für die Nachwuchsabteilung soll sich auf zwischen drei und vier Millionen Franken jährlich belaufen. Kapital, dass gut investiert ist. So hat zum Beispiel der Verkauf von Ivan Rakitic (zu Schalke) rund 7,5 Millionen Franken und auch Zdravko Kuzmanovic (zu Fiorentina) mehr als 5 Millionen Franken eingebracht – unabhängig von den sportlichen Leistungen, die die beiden Eigengewächse für den FCB geleistet haben.

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