Blick in den Blätterwald

07. Dezember 2011 14:42; Akt: 07.12.2011 14:42 Print

Der FCB und das «Wunder von Bern»

von Monika Reinhard - Die Schweiz kenne keine Fussball-Euphorie, sagt ein englischer Journalist vor dem heutigen CL-Knüller. Deshalb spricht er lieber von einem Erfolg unseres nördlichen Nachbarn.

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1954 bezwang die deutsche Nationalmannschaft im WM-Final in Bern in einem hochdramatischen Spiel das favorisierte Ungarn mit 3:2 und feierte den Titel. Der Sieg ist bis heute als «Wunder von Bern» in den Köpfen verankert. Was dieses Stück Fussballgeschichte mit dem heutigen CL-Knüller zwischen dem FC Basel und Manchester United zu tun hat? Wir wissen es nicht. Der Verfasser dieses Artikels des britischen «Independent» wahrscheinlich auch nicht. Allerdings ist er der Auffassung, dass die Schweiz nicht als leidenschaftliches Land bekannt sei, «vor allem dann nicht, wenn es um Fussball geht». Obwohl die heutige Partie als «Spiel des Jahres verkauft» werde und er sich bewusst ist, dass der St. Jakob-Park bereits seit Längerem ausverkauft ist, wirft der Journalist lieber einen Blick über den Rhein hinaus zu unserem nördlichen Nachbarn. «In Deutschland sprechen sie immer noch vom ‹Wunder von Bern›». Aha. Dann führt der Schreiberling aus, wie die Deutschen damals - immerhin in der Schweiz - über die Ungarn triumphierten. Um dann zu einem Zitat von Alex Frei überzuleiten, der sagte: «Ja, es wäre ein Wunder, wenn wir weiterkommen würden.» Nun gut, so viel zum Zusammenhang.

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Der Journalist konnte es auch als Einziger nicht unterlassen, die Schweiz irgendwie in Zusammenhang mit Steuergeldern zu bringen. «Tradionellerweise ist die Schweiz ein Land, in dem man Zuflucht sucht - sei es in Steuer- oder Asylangelegenheiten», so die Einleitung des Textes. Ach du wunderschönes Klischee. Fehlen nur noch Käse, Schokoloade und Uhren - wenigstens die tauchen im Artikel nicht auf. Um auf das Steuer-Ding zurückzukommen: Der Journalist versuchte damit einen szenischen Einstieg für den «Fall Rooney», der nicht nur in die Schweiz gereist ist, um heute mit Manchester United gegen Basel zu spielen.

Der 26-Jährige wird am Donnerstag auch noch in Nyon bei der Uefa vorsprechen, um eine Verkürzung seiner Sperre im Nationalteam von drei auf zwei Spiele zu erwirken. Dann könnte Rooney nämlich auch in der Vorrunde der Euro 2012 in Polen und der Ukraine mittun. Der ManU-Star will aber in der Schweiz keinesfalls Asyl - nein, er stehe anders als Zufluchtssuchende hierzulande eben genau im Mittelpunkt. So die Schlussfolgerung des Independent-Journalisten.

Alles dreht sich um Rooney

Lassen wir die Kollegen-Schelte und widmen uns lieber den Klischees über die rothaarigen, dickbäuchigen, biertrinkenden Engländer ... oder besser nicht. Schauen wir doch, was die anderen britischen Medien vor dem heutigen Showdown so geschrieben haben. Eigentlich kann man das in wenigen Worten zusammenfassen: Es dreht sich praktisch alles um Wayne Rooney und seine «Doppelbelastung» in der Schweiz. Aber der gute Wayne werde das schon richten, so der Tenor. Und die paar wenigen Worte, die über den FC Basel verloren werden, deuten darauf hin, dass sich die «Bebbi» mit dem 3:3 im Hinspiel durchaus einen gewissen Respekt verschafft haben.

Am meisten Eindruck scheint hinterlassen zu haben, dass der FCB 15 der letzten 19 Heimspiele gewonnen hat. Die «Sun», die sich am intensivsten mit dem heutigen ManU-Gegner auseinandergesetzt hat, schreibt zudem, dass Basel über «eine starke Defensive» verfüge, die «achtmal eine reine Weste in den bisherigen 17 Saisonspielen behielt». Auch weist sie auf den torgefährlichen Alex Frei hin, «der in den letzten 16 Partien 15-mal traf».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sascha Lüthi am 07.12.2011 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer oder was ...

    Wer oder was bitteschön ist Manchester United ... ?

  • Heinz G. am 07.12.2011 15:50 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry Basel

    ooooh Gott im Himmel....also sorry, das Unentschieden in Manchester war eine eintagsfliege von Basel... Heute kriegen die, wenns dann für United läuft gleich drei ins Tor geprasselt... Macht hier nich einen solchen Aufstand....ist ja absolut klar dass Basel keinen Stich hat..

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  • Markus Buser am 07.12.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Wo spürt man denn Euphorie in der Schweiz? In Bern? In Zürich? St.Gallen? Ausser in Basel kennt man dieses Gefühl nirgends. Also wo hat er unrecht?

Die neusten Leser-Kommentare

  • FCB olé am 07.12.2011 19:32 Report Diesen Beitrag melden

    Ich könnt das nicht nachvollziehen!

    Das ist ein Basler Match. Das Stadion wird zittern, das Stadion wird beben, es wird pulsieren. bei Sieg oder Niederlage. Wir haben die, mit Abstand beste Mannschaft der Schweiz! Was ihr Pessimisten und Nein-Sager denkt ist doch völlig schnurz! Wir werden heute eine Stimmung erleben - ihr könnt da nicht mitreden weil eure Mannschaften NIE jemals in solche Situationen kommen werden. FCB olé!

  • Sascha Lüthi am 07.12.2011 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer oder was ...

    Wer oder was bitteschön ist Manchester United ... ?

  • Pole am 07.12.2011 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Euphorie

    Ist ja klar wissen Sie nichts über die Euphorie in unserem Lande... Wo war England an der EM in der Schweiz? ;)

    • Urs Schweizer am 07.12.2011 18:26 Report Diesen Beitrag melden

      Spielkultur

      Selbst da war hier nicht ansatzweise so viel los, wie es in anderen europäischen Ländern Ganz und Gebe ist! Mag an der nicht vorhandenen Spielerkultur (Spieler wechseln in bessere Ligen/Länder, sobald man sie als Talent ansieht) der Schweiz liegen. Und eben - an dem Bild, welches die Hools fast jedes Wochenende vorlegen. PS: Ich bin mir sicher, dass selbst ohne England IN England mehr los war wärend der EM als hier zu Lande, hehe.

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  • Wayne interressierts am 07.12.2011 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Was schreiben die morgen?

    Lassen wir die Engländer doch im glauben, das DIE SCHWEIZER nichts von Euphorie und noch weniger vom Fussballverstehen. Klar deren Spieler werden vermutlich nicht ganz so ein klischeehaftes Bild des FCB haben, aber auch bei Ihnen wird der Gedanke, dass sie eigentlich gar nicht verlieren können nicht gänzlich aus dem Kopf zu kriegen sein. Und die Euphorie und Genugtung, welche nach dem Basler Sieg von heute Abend aufkommen könnte (und hoffentlich auch wird), wird vermutlich auch in England nicht ganz unbemerkt bleiben. Das gäbe einen amüsanten Pressespiegel. :-)

  • Markus Buser am 07.12.2011 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Recht hat er

    Wo spürt man denn Euphorie in der Schweiz? In Bern? In Zürich? St.Gallen? Ausser in Basel kennt man dieses Gefühl nirgends. Also wo hat er unrecht?