Nicht das erste Mal

07. August 2018 17:32; Akt: 07.08.2018 17:32 Print

Der SFV tut sich mit der Kommunikation schwer

In der Causa Behrami herrscht Verwirrung. Doch die Führung des Schweizer Fussballverbands schafft wenig Klarheit.

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Der 33-jährige Valon Behrami hatte am Montag nach einem Telefonat mit Trainer Vladimir Petkovic seinen Rücktritt aus der aus der Nationalmannschaft erklärt.

«Petkovic hat mich angerufen, heute Mittag», erzählte Behrami. Er habe gedacht, es handle sich dabei um ein normales Gespräch, einen Höflichkeitsanruf quasi, aber Petkovic habe ihn per sofort vor die Tür gesetzt.

Der Schweizer Fussballverband teilte später in einem Communiqué mit, der Trainer wolle lediglich jungen Spielern die Chancen geben, sich im Rahmen der Nations League und den Testspielen im Herbst zu beweisen. Deshalb würden einige Routiniers dafür nicht aufgeboten. Ein Ausschluss von Behrami sei kein Thema.

Ein Missverständnis?

Am Dienstagmittag meldet sich dann Kommunikationschef Marco von Ah in der SRF-Radiosendung «Rendez-vou am Mittag» zu Wort. Behrami habe Petkovic falsch verstanden. Er habe lediglich gesagt, dass er im Rahmen der UEFA-Nations-League nicht mit ihm planen würde, um jüngeren Spielern eine Chance zu geben. «Er hat keine definitive Entscheidung getroffen, es ist keine offizielle Entscheidung gefallen, es ist kein Spieler aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen worden.»

Dass Petkovic diese Nachricht per Telefon überbracht hat, findet von Ah vertretbar. Es sei ja eben nicht um eine verbindliche Entscheidung gegangen.

Thema zu Tode schweigen

Trotzdem. Bereits während der WM machte der SFV in der Kommunikation nicht immer eine glückliche Figur. Das begann rund um das Gruppenspiel der Nati gegen Serbien am 22. Juni.

Die Aufregung war gross. Zunächst zeigte Granit Xhaka nach seinem Tor zum 1:1-Ausgleich den Doppeladler, dann liess sich auch Xherdan Shaqiri nach seinem 2:1-Siegtreffer zur Geste hinreissen. Captain Stephan Lichtsteiner tat es ihnen gleich. Der Verband hatte es verpasst, seine Spieler vor dem heiklen Gruppenspiel gegen die Serben zu sensibilisieren, verpasst, das Gespräch zu suchen. Es schien so, als hätte der SFV die Thematik schlicht zu Tode schweigen wollen.

Apropos schweigen: Zum Abschneiden an der Endrunde in Russland hat sich Coach Vladimir Petkovic bis heute nicht geäussert.

Die Doppelbürger-Frage

Zurück zur Causa Doppelbürger. Als nach der WM doch noch ausführlich darüber kommuniziert wurde, sorgte SFV-Generalsekretär Alex Miescher für den nächsten Aufreger. Er stellte in einem Interview die Frage in den Raum, ob man in der Nati überhaupt Doppelbürger wolle.

Daraufhin wurde tagelang geschwiegen. Der SFV um Präsident Peter Gilliéron äusserte später sein Bedauern, dass Mieschers Worte den Eindruck hinterlassen hätten, dass er gegen Doppelbürger sei. Laut dem Verband hat niemand etwas gegen die mehrfache Staatsbürgerschaft.

Klare Kommunikation gewünscht

Im Fall Behrami steht der Verband jetzt erneut in der Schusslinie. Leser schreiben in den Kommentaren von einem PR-Desaster, mehrere fordern den Rücktritt der SFV-Spitze und von Trainer Vladimir Petkovic – oder wenigstens eine nachvollziehbare Kommunikation.

Am Dienstagvormittag gab der nächste Spieler seinen Rücktritt bekannt. Auch Gelson Fernandes wird nicht mehr mit dem weissen Kreuz auf der Brust spielen. Der 31-jährige Mittelfeldspieler hegt im Gegensatz zu Behrami jedoch keinen Groll gegen den SFV.

Fussball

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